Modefotografie

"Ich brauche das Abenteuer"

Seit vielen Jahren bebildert Juergen Teller die Mode von Marc Jacobs. Und steckt dafür schon mal Victoria Beckham in eine Einkaufstüte. Ein Gespräch

ZEIT ONLINE: Herr Teller, Sie arbeiten seit elf Jahren mit Marc Jacobs zusammen – ungewöhnlich lange für eine Kooperation in der Modebranche. Wie kam es dazu?

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Juergen Teller: Marc Jacobs wollte unbedingt, dass meine damalige Freundin, Venetia Scott, das Styling für ihn macht. Wir hatten gerade ein Kind bekommen, und sie wollte den Job eigentlich absagen. Marc meinte dann, das sei kein Problem, ich könnte auch mitkommen. Ich war einfach derjenige, der immer mal wieder das Kind zum Stillen vorbeigebracht hat (lacht). Und so haben wir uns näher kennengelernt.  

ZEIT ONLINE: Marc Jacobs soll mal gesagt haben: “Meine Kleider sind nicht sexy. Niemals. Niemals.“ In Ihrer Arbeit dagegen ist Sex fast schon ein Leitmotiv. Wie verträgt sich das?

Teller: Ich weiß nicht, ob er das wirklich so gesagt hat. Wenn man Marc so anschaut, ist er ein ziemlich sexueller Mensch. Natürlich ist seine Mode nicht vergleichbar mit den Versace-Sachen vor 15 Jahren. Aber wir haben uns über dieses Thema nie unterhalten.

ZEIT ONLINE: Ihre Werbefotos für Marc Jacobs leben oft von der Geschichte dahinter. Zum Beispiel das Bild der Schauspielerin Winona Ryder umringt von Einkaufstüten. Sie war kurz davor wegen Ladendiebstahls festgenommen worden. Brauchen Sie diese Geschichten hinter der Oberfläche?

Teller: Es kommt ganz darauf an. Winona Ryder ist befreundet mit Marc. Und er wollte sie immer schon gerne als Model für seine Kampagne haben. Ich wusste aber nie, was ich mit ihr anfangen soll. Und dann hat sie diese Klamotten geklaut – ausgerechnet noch von Marc Jacobs. Da habe ich gedacht: „Jetzt geht das.“ Ich möchte bei meinen Fotos vor allem etwas machen, von dem ich nicht weiß, was mich erwartet - ein Abenteuer.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel, wenn sie Victoria Beckham dazu überreden, sich mit gespreizten Beinen in einer zerknitterten Einkaufstüte fotografieren zu lassen?

Teller: Da musste ich halt meinen bayrischen Charme spielen lassen (lacht). Wenn man den Models mitteilen kann, warum man etwas genau so machen will, dann funktioniert das. Ich bin da ganz ehrlich. Bei Victoria Beckham habe ich gesagt: "Was ist an Mode eigentlich wichtig? Das sind Handtaschen, Schuhe, Parfüm ... Produkte. Sie sind ja auch ein Produkt!"

Victoria Beckham hat außerdem Humor. Man sieht das zwar nicht so richtig, aber ich denke, dieses Foto hat ihrem Image ganz gut getan.

ZEIT ONLINE: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Models aus?

Teller: Früher hab ich immer gedacht, ich muss Menschen fotografieren, die ich unheimlich gerne mag oder die mich inspirieren. Ich dachte, sonst könnte ich keine guten Fotos machen. Aber dann hab ich mein Buch Go-sees gemacht, bei dem ich Mädchen fotografiert habe, die sich bei mir als Fotomodels vorgestellt haben. Dabei habe ich gelernt, mich zu konzentrieren und auch Leute zu fotografieren, die mich auf den ersten Blick überhaupt nicht interessieren.

Bei den Fotos für Marc Jacobs haben wir entweder Freunde von mir oder von ihm ausgewählt. Oder Leute, die wir interessant fanden oder kennenlernen wollten. Wie zum Beispiel Meg White von White Stripes, die er bei einem Konzert kennengelernt hatte.

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Leser-Kommentare

  1. Ich dachte, Fotografen stünden immer hinter der Kamera und lägen nicht davor in den Armen einer Frau! Wie sich die Berufsfelder doch verändern!

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  • Von Nathalie Chrobaczek-Prospero
  • Datum 29.10.2009 - 15:49 Uhr
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