Martin Jol "Beim Tanzen habe ich ein komisches Gefühl"

Wenn der HSV Meister wird, hat der Trainer ein Problem. Martin Jol über die Schwierigkeit, genießen zu können, und seinen Faible für die Kunst

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Hamburgs Trainer Martin Jol genießt nach innen

ZEIT ONLINE: Herr Jol, die Bundesliga spielt eine verrückte Saison: Keine der Spitzenmannschaften schafft es, sich abzusetzen. Niemand will so richtig Meister werden.

Martin Jol: Die möchten alle Meister werden, ob Wolfsburg, Hertha, Bayern, Stuttgart oder der HSV. Aber ab und zu klappt es nicht so, wie man sich das vornimmt.

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ZEIT ONLINE: Wer entscheidet die Meisterschaft?

Jol: Ich bin kein Hellseher. Anfang der Saison war ich vielleicht der Einzige, der es Leverkusen zugetraut hat. Als Hertha im Uefa-Cup ausgeschieden ist, da dachte ich: Die haben eine sehr gute Chance. Dann ist Wolfsburg gegen Paris Saint-Germain ausgeschieden, da dachte ich: Das ist so eine gute, kompakte Mannschaft, wenn die keine anderen Pflichtspiele mehr hat, dann ist sie im Vorteil. Wolfsburg ist für mich ein großer Favorit. Aber jetzt haben sie in Cottbus auch Schwächen gezeigt.

ZEIT ONLINE: Auch der HSV hat die letzten beiden Spiele verloren.

Jol: Normalerweise gewinnt man in der Bundesliga, wenn man keine anderen Wettbewerbe hat. Wenn man sich ausruhen kann, jede Woche nur ein Spiel absolvieren muss. Das ist doch ein unheimlicher Vorteil.

ZEIT ONLINE: Dann kostet es den HSV die Meisterschaft, dass er zu lange auf allen Hochzeiten mitgetanzt hat?

Jol: Wir haben das bis zum 27. Spieltag immer gut gemacht, in allen drei Wettbewerben. Da verloren wir in Stuttgart mit 0:1. Das ist verrückt, wenn man alle drei Tage ein Spiel hat. Das kann Chelsea wegstecken und Liverpool. Das sind solche starken Mannschaften, mit fantastischen Kadern, dass sie leicht in der Woche drei Spiele machen können. Wir haben das nicht, trotzdem sind wir mit ein bisschen Zufall, viel Charakter und Mentalität lange in drei Wettbewerben dabei gewesen. Und wenn es mich auch manchmal wundert: Meine Spieler leben immer noch.

ZEIT ONLINE: Haben Sie nicht manchmal gedacht, dass es besser wäre, im DFB-Pokal auszuscheiden, um sich auf die Meisterschaft und den Uefa-Cup konzentrieren zu können?

Jol: Einmal habe ich das gedacht, aber das ist mir nur kurz in meinem Kopf herumgegeistert. Am Anfang dachte ich, der DFB-Pokal, das ist unsere größte Chance. Da kommen wir am weitesten. Und ich wollte diesen Pokal unbedingt haben. So einen goldenen Pott gibt es in ganz Europa nicht mehr. An den Uefa-Cup habe ich nicht ernsthaft geglaubt. Aber jetzt sind wir im Halbfinale.

ZEIT ONLINE: Zu Saisonbeginn wurde das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs als Ziel ausgegeben.

Jol: Ja, damals waren Rafael van der Vaart und Nigel de Jong noch da. Als van der Vaart wegging, habe ich mich gefragt: Und jetzt? Aber das dauerte nur fünf Minuten. Wir haben jetzt schon 54 Punkte erreicht, so viele wie in der letzten Saison. Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so gut schlagen werden. Als wir im Uefa-Cup gegen Galatasaray 0:2 zurücklagen, habe ich gedacht: Na ja, das muss jetzt wohl so sein. Aber die Jungs wollten einfach nicht aussteigen.

Leser-Kommentare
  1. Ein sehr schön zu lesendes Interview. Ich habe das Gefühl, dass Herr Jol ein sehr bodenständiger Typ ist. Meine Sympathien hat er auf jeden Fall. Obwohl ich mich freue, dass der HSV gestern gegen Hertha verloren hat, denn für diesen Verein häge ich noch größere Smpathien;)

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