Philipp Lahm "Der FC Bayern hat überall in der Stadt Kontakte"
Auto kaputt, Pass abgelaufen? Kein Problem, der FC Bayern kümmert sich darum. Philipp Lahm über Hausbesuche vom Handwerker und die Gefahr, unselbstständig zu werden
© Sandra Behne/Getty Images

Philipp Lahm freut sich über die Hilfe vom Verein
ZEIT ONLINE: Herr Lahm, als Fußballer und Trainer weiß ich, wo ich Hilfe im Alltag bekomme. Zwei Jungs aus meiner Mannschaft haben mal bei 40 Grad mein Laminat geklickt, unser Jugendwart die Waschmaschine geholt, in den vierten Stock geschleppt und angeschlossen. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Philipp Lahm: Das kenne ich auch aus meinem Heimatverein. Beim Umzug hilft man sich, die Spieler sind ja oft Freunde. Nach getaner Arbeit gibt’s dann eine Wurstsemmel und ein Spezi, das war’s. Und beim nächsten Mal läuft’s andersrum. Im Profifußball läuft’s aber doch ein bisschen anders.
ZEIT ONLINE: Hat also nicht Luca Toni Ihr Parkett verlegt?
Lahm: Nein, das lag schon. Aber mein Vater ist ein toller Handwerker, er hat mir bei meinem Umzug nach München viel geholfen. Alles, was mit Elektronik zu tun hat, ist sein Gebiet. Er hat alle Lampen angeschraubt, ich hab dabei gestanden und zugeschaut – man kann ja nur lernen. Aber wenn man keine Familie in München hat, springt natürlich der Verein ein, wenn man will.
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ZEIT ONLINE: Inwiefern genau? Wobei hilft er?
Lahm: Eigentlich bei allem. Das fängt bei der Haus- und Wohnungssuche an. Geht weiter über Reisevorbereitungen und Passanträge und hört bei der Autoreparatur nicht auf. Bayern München hat ja überall in der Stadt Kontakte, zudem Sponsoren in allen Kategorien: Elektronikgeräte, Auto, Medien …
ZEIT ONLINE: Das Auto meldet also auch Audi um? Oder haben Sie schon mal einen halben Tag auf der KFZ-Stelle verbracht?
Lahm: Nö.
ZEIT ONLINE: Und im Wartesaal beim Arzt?
Lahm: Auch nicht, wir haben einen Mannschaftsarzt und eine gut sortierte Klubapotheke. Aber es soll kein falscher Eindruck entstehen: Ich versuche erstmal, alles selbst zu machen, das ist meine Einstellung. Aber zugegeben, als neulich die Spülmaschine ihren Geist aufgab, war ich hilflos. Das hat das Management dann gelöst.
ZEIT ONLINE: Und wenn sonst mal was kaputt geht im Haushalt?
Lahm: Für größere Dinge gibt’s beim FC Bayern auch einen Handwerker.
ZEIT ONLINE: Einen fest angestellten Handwerker?
Lahm: Ja, er ist immer auf dem Vereinsgelände. Wenn man sich gut mit ihm stellt, macht er auch Hausbesuche. Ist bei mir aber nicht nötig.
ZEIT ONLINE: Der Verein verhält sich wie eine Mutter.
Lahm: Der FC Bayern ist eine Familie, Uli Hoeneß legt ja bekanntlich großen Wert aufs Familiäre. Er will, dass es seinen Spielern gut geht. Er will ihnen Arbeit abnehmen.
ZEIT ONLINE: Besteht darin nicht auch eine Gefahr?
Lahm: Doch.
ZEIT ONLINE: Welche?
Lahm: Es kann zu einer unselbstständigen Haltung führen. Man muss ja nur mal daran denken, dass wir nach dem Training oder dem Spiel die Klamotten ausziehen und hinlegen – und am nächsten Tag liegt alles wieder sauber an seinem Platz. Nach der Karriere kann sich das rächen, wenn kein Verein mehr da ist.
ZEIT ONLINE: Und während der Karriere? Jürgen Klinsmann ist gerade mit einem Konzept gescheitert, das die Spieler auch neben dem Platz stärker machen wollte.
Lahm: Ich fand die Idee sehr gut. Sprachkurse oder Fortbildungen am Computer können jedem helfen. Und es war ja eine freiwillige Sache.
ZEIT ONLINE: Haben die Spieler das Angebot angenommen?
Lahm: Nur wenige. Ich auch nicht.
ZEIT ONLINE: Warum nicht?
Lahm: Mein Job ist Fußballspielen, darauf konzentriere ich mich an der Säbener Straße. Einen Englischkurs besuche ich in meiner Freizeit. Ich will nicht mit meinen Arbeitskollegen die Schulbank drücken.
ZEIT ONLINE: Eine Schulklasse mit Fußballprofis klingt anstrengend.
Lahm: Zwanzig Fußballer ruhig zu stellen, wird nicht hinhauen.
ZEIT ONLINE: Hat Hans Meyer Recht, der sagt: "Es hat keinen Sinn, Fußballer auf eine höhere Ebene zu heben? Für die sind Pyramiden und Tempel nur Steine?"
Lahm: Es gibt solche und solche Fußballer. Ich jedenfalls will zwischen Job und Freizeit trennen. Ich will nicht in Bayern-Klamotten Unterricht nehmen.
- Alles Außer Fußball
Alles außer Fußball ist die Kolumne von Katja Kraus, Corny Littmann, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Alle zwei Wochen geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Die vier sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Littmann, Hitzlsperger, Friedrich und Kraus wollen ihre Meinung sagen, beispielsweise zu den Herausforderungen der Bundesregierung, zum Alltag in der Bundesliga und darüber, wie das zusammenhängen kann.
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ZEIT ONLINE: Noch mal zurück zur Autofrage: Was ist, wenn der Führerschein weg sein sollte?
Lahm: Sie werden es nicht glauben, da kann selbst der FC Bayern nichts machen. Dann bilden wir Spieler Fahrgemeinschaften.
Die Fragen stellte Oliver Fritsch.
- Datum 30.09.2009 - 16:46 Uhr
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- Serie Alles außer Fußball
- Quelle ZEIT ONLINE, 06.05.2009 07:46 Uhr
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Da hätte man aber mehr nachhacken können. Erst große Familie FCB und dann nur da zum Fußballspielen und keine Lust auf Freizeit?
So oder so kommt mir das bei allen dreien aber besonders bei Lahm wie eine völlige Parallelwelt vor. Aber vielleicht ist das in der Serie auch so beabsichtigt.
... ist er ja schon. Was allerdings der Grund sein sollte (außer seiner Prominenz), ihn zu irgenwas anderes als Fußball zu befragen, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Und ALLES (siehe BILD-Zeitung-Werbung) sollte man den Jungens auch nicht nachsehen...
Genau, dass er für die Blödzeitung wirbt, mindert meine Sympathie für ihn beträchtlich. Geld hat er doch wohl genug!
Genau, dass er für die Blödzeitung wirbt, mindert meine Sympathie für ihn beträchtlich. Geld hat er doch wohl genug!
...wenn der FC Bayern das soziale Gefüge der "Deutschen Demokratischen Republik" für sich umgesetzt hat - eben nur den "marktwirtschaftlichen" Bedingungen angepasst.
Da fühlt man sich doch gleich wie zuhause - schade, dass ich kein Fußball-Profi bin, denn sonst wäre ich bestimmt -nicht- beim FC Bayern, sondern lieber bei der BSG "Sachsenring" in Zwickau.
Genau, dass er für die Blödzeitung wirbt, mindert meine Sympathie für ihn beträchtlich. Geld hat er doch wohl genug!
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