Zwischenbilanz Wenig Grund zum Feiern für ObamaSeite 2/2

Die erste Frage des Abends galt natürlich der Schweinegrippe – und Doktor Obama gab den guten alten Hausarzt von nebenan. Bitte keine Panik, mahnte er. Die Leute sollten sich immer schön die Hände waschen und Mund und Nase bedecken, wenn sie husten oder niesen müssten. Wer sich krank fühle, möge gefälligst zu Hause bleiben und auf keinen Fall ein Flugzeug besteigen.

"Mister President, Sie haben gesagt, Waterboarding, das simulierte Ertränken, sei Folter. Hat ihr Vorgänger also foltern lassen?" – "Ich bin der Überzeugung, dass Waterboarding Folter ist. Und womit das auch immer rechtlich begründet und gerechtfertigt wurde – es war ein Fehler." Schluss, Aus.

"Mister President, können wir im Notfall Pakistans Atombomben sicherstellen und verhindern, dass sie in die Hände der Taliban geraten?" – "Ja, das kann ich versichern." Nur dürfe man Pakistans Problem nicht auf das Thema Atombomben verkürzen. Die Regierung täte so gut wie nichts, um den Menschen Gesundheit, Bildung und die Herrschaft des Rechts zu gewährleisten. Das sorge ihn mindestens ebenso.

"Und was, Mister President, hat sie in diesen hundert Tagen besonders überrascht, beunruhigt, entzückt und wobei sind Sie sich besonders klein vorgekommen?" – "Wiederholen Sie das bitte noch einmal", sagte Obama, zückte seinen Stift, schrieb die Worte auf, und alle lachten. "Überrascht?" Dass man nicht nur zwei oder drei, sondern sieben bis acht Probleme auf einmal schultern müsse. "Beunruhigt?" Dass der Wandel in Washington so mühsam sei und die politischen Gegner selbst inmitten der größten Krise weiter ihre Messer wetzten.

"Entzückt?" Auch wenn das vielleicht nicht das passende Wort sei, aber entzückt hätte ihn die Loyalität und Selbstlosigkeit der Soldaten. "Und klein gefühlt?" Dass er zwar ein äußerst mächtiges Amt habe, aber trotzdem nicht auf einen Knopf drücken könne, damit Banker und Kongress alles täten, was er wolle.

Nach einer Stunde und 13 Fragen war Schluss. Keinen amerikanischen Journalisten schien an diesem Abend der Krieg in Afghanistan zu interessieren oder was Obama kurz zuvor mit 16 Umweltministern dieser Welt beraten hatte. China, Europa, Russland, Indien – all die Umweltsünder waren zur Konferenz nach Washington gereist, doch die Medien schauten weg. Am hundertsten Tag der Obama-Ära waren die Antworten des Präsidenten besser als die Fragen seiner Kontrolleure.

 
Leser-Kommentare
    • Kometa
    • 30.04.2009 um 12:52 Uhr

    Wie?

    Was?

    Retour to Bush?

    Da hätte man weiter world oilwar führen und als Geldkrieger zocken und den Schwedentrunk medizinisch applizieren können (dessen deutschen Namen man drüben vergessen hat).

    Wasserfolter (1556)

    http://de.wikipedia.org/w...

  1. ""Ich bin der Überzeugung, dass Waterboarding Folter ist. Und womit das auch immer rechtlich begründet und gerechtfertigt wurde – es war ein Fehler." Schluss, Aus."

    Verbrechen. Das richtige Wort lautet "Verbrechen". Folter ist ein Verbrechen, Herr Rechtsprofessor.

    Obama versucht wirklich alles, um eine Strafverfolgung der Mörder und Folterer des Bushregimes zu verhindern. Man kann für die Rechtsstaatlichkeit nur hoffen, dass er nicht erfolgreich ist.

    Ich drücke all den US Bürgern die Daumen, die für das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz kämpfen.

    v.

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    Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat.

    Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat.

  2. Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat.

    Antwort auf "Ein Fehler"
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    "Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat."

    Er hat sie unter massivem Druck verschiedener Bürgerrechtsorganisationen veröffentlichen müssen. All sein Handeln und Reden schon während des Wahlkampfes lässt nur einen Schluss zu, nämlich dass er die Aufarbeitung der Bush/Cheney Verbrechen verhindern möchte. Ein sehr einfacher Grund dafür dürfte sein, dass eine genaue Untersuchung zeigen würde, dass die demokratische Partei in diese Verbrechen eingeweiht war und sie teils passiv, teils aktiv unterstützt hat. Eine wirklich unabhängige Untersuchung würde vielleicht das ganze Ausmaß der politischen und moralischen Korruption in Washington aufdecken. Das kann der Präsident natürlich nicht gut heißen. Schließlich möchte O. nicht als der Gorbatschow des US Inperiums enden.

    v.

    "Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat."

    Er hat sie unter massivem Druck verschiedener Bürgerrechtsorganisationen veröffentlichen müssen. All sein Handeln und Reden schon während des Wahlkampfes lässt nur einen Schluss zu, nämlich dass er die Aufarbeitung der Bush/Cheney Verbrechen verhindern möchte. Ein sehr einfacher Grund dafür dürfte sein, dass eine genaue Untersuchung zeigen würde, dass die demokratische Partei in diese Verbrechen eingeweiht war und sie teils passiv, teils aktiv unterstützt hat. Eine wirklich unabhängige Untersuchung würde vielleicht das ganze Ausmaß der politischen und moralischen Korruption in Washington aufdecken. Das kann der Präsident natürlich nicht gut heißen. Schließlich möchte O. nicht als der Gorbatschow des US Inperiums enden.

    v.

  3. 4. hach,

    ich bin ganz ergriffen von diesem präsidenten, nachdem ich diesen artikel lesen durfte. am besten gefiel mir die metapher des lokomotivführers obama. ohne worte.

  4. Der Senator aus Pennsylvania heißt Arlen Specter (nicht Allen).
    Auch wenn die Zeiten und auch die "ZEIT" immer schneller, hektischer und zwangsläufig oberflächlicher werden: Es sind immer die kleinen Fehler, weshalb eine Sache versagt...

    Fritz

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    Sehr geehrter aar02-zeit,
    vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert und werden versuchen, Sorgfalt auch in hektischen Zeiten zu wahren.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Sehr geehrter aar02-zeit,
    vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert und werden versuchen, Sorgfalt auch in hektischen Zeiten zu wahren.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

  5. fuer obama gibt es viele gruende zu feiern. sein rollenspiel kommt an. auch wenn dem demokraten noch der knopf fehlt, auf den er druecken koenne, damit dann alle tun was er wolle.
    solange die show weitergeht, hat er aber auch ohne knopf die meisten auf seiner seite.
    hier kritik am raffenden kapital, dort die vision vom interessenausgleich mit islamisten. hier schuld an der krise personifizieren, dort fernsehansprachen auf arabisch und vor dem saudischen koeni buckeln. hier den casino-kapitalismus anprangern und mit 13stelligem einsatz auf ein ende der krise spekulieren, dort sich dem iranischen regime, der taliban und palaestinensischen terrororganisationen anbiedern.
    keine ideologiekritik. nicht hier und nicht dort.
    dafuer weltweit warmer applaus fuer den polit-popstar obama. der idealistische wahn von yes, we can, der hier den stummen zwang der verhaeltnisse ausblendet, dort den faschistoiden charakter verneint, ist eine populistische meisterleistung.
    opium fuers volk, dass sich mit einer unbequemen welt nicht abfinden will.
    genuegend gruende zu feiern fuer obama.

  6. Sehr geehrter aar02-zeit,
    vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert und werden versuchen, Sorgfalt auch in hektischen Zeiten zu wahren.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Antwort auf "Weitsichtigkeitsfehler"
  7. "Wenigstens war er derjenige der die TOP-Secret Dokumente über die Foltermethoden , trotz allem Widerstand, veröffentlicht hat."

    Er hat sie unter massivem Druck verschiedener Bürgerrechtsorganisationen veröffentlichen müssen. All sein Handeln und Reden schon während des Wahlkampfes lässt nur einen Schluss zu, nämlich dass er die Aufarbeitung der Bush/Cheney Verbrechen verhindern möchte. Ein sehr einfacher Grund dafür dürfte sein, dass eine genaue Untersuchung zeigen würde, dass die demokratische Partei in diese Verbrechen eingeweiht war und sie teils passiv, teils aktiv unterstützt hat. Eine wirklich unabhängige Untersuchung würde vielleicht das ganze Ausmaß der politischen und moralischen Korruption in Washington aufdecken. Das kann der Präsident natürlich nicht gut heißen. Schließlich möchte O. nicht als der Gorbatschow des US Inperiums enden.

    v.

    Antwort auf "Naja nicht ganz..."

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