Bildung Schulen sind gut, wenn sie sich öffnen

Ort der Verlierer – so werden Hauptschulen oft gesehen. Dass es auch anders geht, zeigen die Gewinner des Wettbewerbs "Starke Schule"

An der Kooperativen Gesamtschule Neustadt am Rübenberge erhalten die Schüler nach ihrem Hauptschulabschluss das Zeugnis von zwei Schulen. Seit 2004 verfolgt die Bildungsstätte aus Niedersachsen nämlich ein eigenwilliges Konzept: In der 9. und 10. Klasse werden die Schüler außer in Mathematik, Deutsch und anderen allgemeinbildenden Fächern an zwei Tagen in der Woche in einem selbst gewählten Berufsfeld unterrichtet. Das sogenannte "anwendungsrelevante Lernen" findet an einer Berufsschule statt, mit der die Gesamtschule zusammenarbeitet.

Außerdem beschränken die Lehrer sich nicht darauf, den Schülern Wissen einzutrichtern. Sie verknüpfen theoretisches mit praktischem Wissen, arbeiten in Projekten, die miteinander verzahnt werden. Die Lehrer und die Schulleitung tauschen sich aus und ziehen an einem Strang, wenn Probleme auftauchen. Sie fühlen sich auch verantwortlich für das soziale  Klima, haben Streitschlichterprogramme eingeführt und sind immer ansprechbar. Sie versuchen, sowohl Eltern als auch Schüler ins Geschehen einzubinden. Und alle gemeinsam sind verantwortlich für die Instandhaltung und Renovierung der Schule.

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Das alles scheint gut ineinander zu greifen in Neustadt am Rübenberge. Die Motivation zu lernen sei viel höher als an anderen Schulen, heißt es von den Juroren des Wettbewerbs "Starke Schule", und was sich noch viel besser messen lässt: Die Schule hat seit 2004 ihre Vermittlungsquote in ein Ausbildungsverhältnis von 14 auf fast 70 Prozent erhöht.

Dieser Erfolg wurde nun mit 15.000 Euro honoriert, dem ersten Preis im Wettbewerb, der früher einmal Hauptschulpreis hieß. Heute nennt er sich etwas aufgepeppt "Starke Schule", doch im Grunde geht es darum, Menschen mit Hauptschulabschluss vom Stigma der Verlierer zu befreien. Zu zeigen, dass sie recht gut gewappnet in die Zukunft entlassen werden könnten.

So werden die zehn Siegerschulen am Dienstag auch hochrangig geehrt: Bundespräsident Horst Köhler zeichnet sie persönlich aus. Der zweite Preis (10.000 Euro) geht an die Hauptschule Coerde in Münster, der dritte (5000 Euro) an eine Förderschule, die Fritz-Walter-Schule in Kaiserslautern. Insgesamt haben 600 Schulen teilgenommen. 39 Schulen sind bereits mit einem Landespreis geehrt worden, die wiederum elf verschiedenen Schultypen zuzuordnen sind, die alle zum Hauptschulabschluss führen können.

Was macht eine gute Schule aus, die zum Hauptschulabschluss führt? Das Besondere ist, dass die Lehrer hier viele Schüler erst in die Lage versetzen müssen, überhaupt eine Ausbildung antreten zu können. Sie sollen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Ansonsten gilt das, was für andere Schulen auch gelten sollte: dem einzelnen Schüler gerecht werden, ihn da zu fördern, wo es nötig ist, und dauerhaft seine Lust am Lernen zu wecken und auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Den Juroren des Wettbewerbs ging es darum, Schulen auszuzeichnen, die die Schüler optimal auf ein selbst bestimmtes, selbst erwirtschaftetes Berufsleben vorbereiten. Sie haben die Schulen belohnt, die zu diesem Zweck intensiv mit externen Institutionen und Unternehmen zusammenarbeiten.

Das Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat die Sieger unter die Lupe genommen und untersucht, warum sie erfolgreicher sind als andere Schulen.

Leser-Kommentare
  1. Wow, das sind Preisgelder von denen man nur träumen kann. Während den Banken Milliarden in den Hintern geschoben werden, bekommen die Schulen lächerlichste Preisgelder.

    Ich würde mal sagen an diesem Preisgeld können die Schüler sehen was die Veranstalter wirklich von ihnen halten.

  2. auf diese Schulform pfeiffen un die ganze Gesellschaft herablassend auf die Kinder blickt. Ausbaden müssen das die Kinder

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    pfeiffffffen heißen

    pfeiffffffen heißen

  3. pfeiffffffen heißen

  4. Ausgeschrieben von "der Hertie-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bank Stiftung".
    Da haben die Institutionen wohl letztes Jahr noch Geld übrig behalten aus ihrem Toilettenpapierbudget. Wenn der nicht sorgar den der Schulpreise übertrifft. Naja irgendwo muss man ja anfangen seine sebstfabirzierte Sch(entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk) auszubaden. Tschuldigung.

  5. Und was ist mit den Schulen, die an Innovation haben, aber keine Kompetenzen? Wer fördert die?
    30.000€... ein paar Klassensätze neuer guter Bücher dafür das man wirklich Zukunft schafft?

  6. Hier wird "in aller Stille" und mit viel Aufwand an Energie und Überlegungen an der Zukunft unseres Landes gebaut. Das "Honorar" fällt beschämend mikrig aus. Milliarden werden stattdessen in nicht abzuschätzende Löcher gestopft, bevor ernsthaft und mit der nötigen Sorgfalt geprüft wird, was sich damit wirklich retten lässt.
    Die politisch Verantwortlichen offenbaren, wo sie stehen und wohin sie sich orientieren.
    Alle Achtung vor den Lehrern, Eltern und Schülern, die hier gemeinsam einen guten Weg gehen.

  7. Hauptschulen sind keine "Schule der Verlierer".

    Dieser Ausdruck ist irreführend, weil es nach dem Verständnis der Bildungsbürokratie keine Zufälligkeit dabei geben dürfte, wie der nach Grundschule oder Orientierungsphase vorgezeichnete Bildungsweg ist.

    Ich würde deshalb vorschlagen, ehrlicher und deutlicher in Anlehnung an aktuelle Sprachgebräuche von einer "Schule der Opfer" zu sprechen.

    Damit würde auch den hinlänglich bekannten internationalen Studien zum Zustand des deutschen Schulsystems und seiner Selektionsfähigkeit in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren, wie etwa Einkommen und Bildung der Eltern, Rechnung getragen.

    Mit den Ausführungen zu den Ausrichtern des Wettbewerbs hat Kommentar 4 durchaus recht. Dass die einzige vertretene staatliche Institution die Bundesagentur für Arbeit ist, ist beschämend.

    Ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung so sehr mit Frau Schavans Elite-Universitäten beschäftigt (aktuell ja auch, weil im Bereich Veröffentlichungen betrogen wurde), oder auch mit anderen medienwirksamen Projekten, dass weder für eine Schirmherrschaft, noch für eine Anerkennung der Hauptschulen Ressource frei sind?

    Da ist es schon erstaunlich und kann gar nicht genug gewürdigt werden, dass es an Hauptschulen Versuche und Initiativen gibt, sich dem Stigma entgegenzustellen. Von mir gibt es dafür für die dabei beteiligten Einzelpersonen ehrlich empfundene Hochachtung!

    Alles Gute
    Kai Hamann

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    • Isaidy
    • 05.05.2009 um 17:36 Uhr

    absolut zu. In mehrfacher Hinsicht ist die Hauptschule eine Schule der Opfer. Zunächst einmal, weil sie ein Stigma darstellt, das fast jeden Arbeitgeber schon beim Einreichen des Abschlusszeugnisses müde abwinken lässt. Zum zweiten, weil die Selektion nach Klasse 4 allzu oft nicht aufgrund wirklichen Potentials, sondern aufgrund von Verhalten in der Schule zustandekommt. Und zum dritten ist die Hauptschule die Schule der Opfer bildungsferner Eltern oder Eltern, die ihren Kindern aus vielfältigen Gründen nicht unter die Arme greifen können. Lobenswert daher das Konzept der Ganztagsschule, das sich dem Schüler auch nachmittags annimmt und ihn unterstützt, lobenswert auch das Prinzip der Gesamtschulen, das Kinder dort abholt, wo sie sich im jeweiligen Fach befinden. Mit Binnendifferenzierung in einzelnen Fächern lässt sich aus Schülern eine Menge herausholen und sie fühlen sich ernster genommen. Es kann nur erfreulich sein, dass man langsam, langsam auch in Deutschland begreift, das die Schulen sich auf die Schüler zu bewegen müssen und nicht von diesen immerzu verlangen, schablonenhaft durchs Raster zu passen.

    • Isaidy
    • 05.05.2009 um 17:36 Uhr

    absolut zu. In mehrfacher Hinsicht ist die Hauptschule eine Schule der Opfer. Zunächst einmal, weil sie ein Stigma darstellt, das fast jeden Arbeitgeber schon beim Einreichen des Abschlusszeugnisses müde abwinken lässt. Zum zweiten, weil die Selektion nach Klasse 4 allzu oft nicht aufgrund wirklichen Potentials, sondern aufgrund von Verhalten in der Schule zustandekommt. Und zum dritten ist die Hauptschule die Schule der Opfer bildungsferner Eltern oder Eltern, die ihren Kindern aus vielfältigen Gründen nicht unter die Arme greifen können. Lobenswert daher das Konzept der Ganztagsschule, das sich dem Schüler auch nachmittags annimmt und ihn unterstützt, lobenswert auch das Prinzip der Gesamtschulen, das Kinder dort abholt, wo sie sich im jeweiligen Fach befinden. Mit Binnendifferenzierung in einzelnen Fächern lässt sich aus Schülern eine Menge herausholen und sie fühlen sich ernster genommen. Es kann nur erfreulich sein, dass man langsam, langsam auch in Deutschland begreift, das die Schulen sich auf die Schüler zu bewegen müssen und nicht von diesen immerzu verlangen, schablonenhaft durchs Raster zu passen.

    • Isaidy
    • 05.05.2009 um 17:36 Uhr

    absolut zu. In mehrfacher Hinsicht ist die Hauptschule eine Schule der Opfer. Zunächst einmal, weil sie ein Stigma darstellt, das fast jeden Arbeitgeber schon beim Einreichen des Abschlusszeugnisses müde abwinken lässt. Zum zweiten, weil die Selektion nach Klasse 4 allzu oft nicht aufgrund wirklichen Potentials, sondern aufgrund von Verhalten in der Schule zustandekommt. Und zum dritten ist die Hauptschule die Schule der Opfer bildungsferner Eltern oder Eltern, die ihren Kindern aus vielfältigen Gründen nicht unter die Arme greifen können. Lobenswert daher das Konzept der Ganztagsschule, das sich dem Schüler auch nachmittags annimmt und ihn unterstützt, lobenswert auch das Prinzip der Gesamtschulen, das Kinder dort abholt, wo sie sich im jeweiligen Fach befinden. Mit Binnendifferenzierung in einzelnen Fächern lässt sich aus Schülern eine Menge herausholen und sie fühlen sich ernster genommen. Es kann nur erfreulich sein, dass man langsam, langsam auch in Deutschland begreift, das die Schulen sich auf die Schüler zu bewegen müssen und nicht von diesen immerzu verlangen, schablonenhaft durchs Raster zu passen.

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    • giobio
    • 05.05.2009 um 20:50 Uhr

    Dieser Begriff hatte mich ebenso laut zum Lachen gebracht wie etwa "Deutschlands beste Hebamme" etc.. Ich kann mich Ihrem Beitrag nur anschließen! An einer dieser preisgekrönten Schulen (städtisch, bayerisch, keine Gesamtschule!) machen demnächst zwei unserer Kinder den QA. Was Bildungschancen sind, ist hier bestimmt schon irgendwann mal angekommen, aber es wird nichts umgesetzt. Z. B. weiterführende Schulen: eine vor allem intensive und frühzeitige Vorbereitung auf die Zeit nach dem QA fehlt, und eine Berufsentscheidung treffen (bei 14- bis 15-Jährigen) bedeutet: wer viele Bewerbungen schreibt, der/ die findet dann schon was. Hauptsache man hat seine Pflicht getan, hat eine Beratung bei der Arbeitsagentur absolviert und das war´s dann auch schon. Deutschlands beste Hauptschule sucht den besten Lehrer, der den Schülern vermitteln soll, was jenseits des Sportplatzes auf sie wartet.

    • giobio
    • 05.05.2009 um 20:50 Uhr

    Dieser Begriff hatte mich ebenso laut zum Lachen gebracht wie etwa "Deutschlands beste Hebamme" etc.. Ich kann mich Ihrem Beitrag nur anschließen! An einer dieser preisgekrönten Schulen (städtisch, bayerisch, keine Gesamtschule!) machen demnächst zwei unserer Kinder den QA. Was Bildungschancen sind, ist hier bestimmt schon irgendwann mal angekommen, aber es wird nichts umgesetzt. Z. B. weiterführende Schulen: eine vor allem intensive und frühzeitige Vorbereitung auf die Zeit nach dem QA fehlt, und eine Berufsentscheidung treffen (bei 14- bis 15-Jährigen) bedeutet: wer viele Bewerbungen schreibt, der/ die findet dann schon was. Hauptsache man hat seine Pflicht getan, hat eine Beratung bei der Arbeitsagentur absolviert und das war´s dann auch schon. Deutschlands beste Hauptschule sucht den besten Lehrer, der den Schülern vermitteln soll, was jenseits des Sportplatzes auf sie wartet.

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