CDU/CSU Katalog der guten Gaben

Die Union verspricht in ihrem Wahlprogramm-Entwurf eine Steuerreform. Zeitpunkt und Kosten der Bescherung bleiben allerdings offen

Es ist schwierig, an bloßen Zufall zu glauben: Am Dienstag hat der CDU-Wirtschaftsrat seiner Partei dringlich "Bausteine" für das Wahlprogramm ans Herz gelegt – am Mittwoch ist im Handelsblatt nachzulesen, dass ein halbwegs realistisch umsetzbarer Teil davon im internen Entwurf für ebendieses Wahlprogramm von CDU und CSU verbaut ist.

Wer auch immer dieses Hase- und-Igel-Spiel betrieben hat – von den Beteiligten will es naturgemäß keiner gewesen sein –, verrät damit unfreiwillig vor allem eines: In der Union wächst die Unruhe, je näher Wahltage rücken. Geht es nach der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, zieht die Union erst spät im Jahr mit einem kurzen Kanzlerinnen-Wahlkampf in die Schlacht. Doch in den eigenen Reihen ist dieser Plan, vorsichtig ausgedrückt, umstritten: Bei den einen, weil sie nach der Erfahrung von 2005 an Merkels Kämpferqualität nicht so recht glauben, bei den anderen, weil sie fürchten, ihr jeweiliges Klientelanliegen komme dann zu kurz.

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Tatsächlich enthält der Programmentwurf gar nichts sensationell Neues. Was CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, sein CSU-Pendant Alexander Dobrindt, Unionsfraktionschef Volker Kauder und Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon als Steuerkonzept für die nächste Wahlperiode aufgeschrieben haben, basiert auf dem Vorschlag, mit dem die CSU noch unter Erwin Hubers Vorsitz auf den Markt gegangen war.

Wie in Hubers Konzept soll der Schwerpunkt darauf liegen, die "kalte Progression" abzumildern, also jenen automatischen Anstieg der Steuerbelastung mit steigendem Einkommen, der vor allem die Mittelschichten betrifft. Eingangsteuersatz von 14 auf zwölf Prozent senken, den "Mittelsteuersatz" von 23,9 auf 23 Prozent – beides bewirkt, dass diese von der Union umworbenen "Leistungsträger" weniger zahlen müssen.

Dass der Spitzensteuersatz erst ab 60.000 Euro fällig wird statt bisher bei gut 52.000 Euro, zielt auf die gleiche Wählergruppe. Den Kinderfreibetrag auf 8004 Euro anzuheben – also dem eines Erwachsenen gleichzustellen – hilft Familien ebenso wie Überlegungen, das Kindergeld für das dritte und jedes weitere Kinder anzuheben wie den Sockelbetrag fürs Elterngeld. Der Katalog der guten Gaben umfasst überdies neben einer Reihe alter Detailforderungen des Wirtschaftsflügels zur Entlastung der Wirtschaft auch ein paar neue Forderungen aus der Ideenschmiede des CSU- Chefs Horst Seehofer: Zurück zur Eigenheimförderung, halber Mehrwertsteuersatz fürs Gastgewerbe, regional gestaffelte Erbschaftsteuer-Freibeträge.

Zwei Dinge fehlen freilich noch in dem Geschenkpaket: Das Datum der Bescherung – und die Kosten. Beides hängt direkt miteinander zusammen. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat schon öffentlich klargemacht, dass die Endfassung des Steuerprogramms erst nach der nächsten Steuerschätzung im Mai formuliert wird. Im Kreis der Verfasser wird nicht damit gerechnet, dass eine schlechte Prognose an dem Programmentwurf in der Sache noch etwas ändern werden. Denkbar sei aber, dass der Reformzeitpunkt "eher an 2013" heranrücke.

 
Leser-Kommentare
  1. ...dieses Mal führt die Union den alten Wahlkampfschlager "Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto" neu auf. Ich weiss gar nicht, wie oft diese Leier schon gesungen wurde...

    Zitat:

    (...)
    Zwei Dinge fehlen freilich noch in dem Geschenkpaket: Das Datum der Bescherung – und die Kosten. Beides hängt direkt miteinander zusammen.

    Natürlich steht der Inhalt des "Geschenkpakets" schon fest: nach der Bundestagswahl kommt das ganz große Ätschibätschi.

    Eine Frage stellt sich mir jetzt allerdings: Singt Roland Koch demnächst den alten Schlager "10 kleine Negerlein"? Oder das Lied "Im Räuberwald"?.

  2. Wir wissen ja was wir von Versprechen halten können ....

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

  3. "Zwei Dinge fehlen freilich noch in dem Geschenkpaket: Das Datum der Bescherung – und die Kosten. Beides hängt direkt miteinander zusammen."

    Ja, der Klassiker wieder. Bin ich mit aufgewachsen.
    Zu ergänzen mit ".....jedoch bis dorthin müssen wir den Gürtel enger schnallen"

    Oh nein,stimmt nicht,diese Ergänzung hören wir natürlich nach der Wahl.

    So jetzt laufe ich aber wieder dem "Geld"....ähh mein der "Mohre" hinterher.

    Jedenfalls solange sie dort noch hängt.

    • neu85
    • 30.04.2009 um 12:43 Uhr

    Sehnlichst warte ich auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Erst dann wird sich zeigen, ob wir tatsächlich alle wissen, was wir von Versprechen halten sollen ( in diesen Zeiten erst recht ).

  4. Wie in Hubers Konzept soll der Schwerpunkt darauf liegen, die "kalte Progression" abzumildern, also jenen automatischen Anstieg der Steuerbelastung mit steigendem Einkommen, der vor allem die Mittelschichten betrifft. Eingangsteuersatz von 14 auf zwölf Prozent senken, den "Mittelsteuersatz" von 23,9 auf 23 Prozent – beides bewirkt, dass diese von der Union umworbenen "Leistungsträger" weniger zahlen müssen.
    Dass der Spitzensteuersatz erst ab 60.000 Euro fällig wird statt bisher bei gut 52.000 Euro, zielt auf die gleiche Wählergruppe. Den Kinderfreibetrag auf 8004 Euro anzuheben – also dem eines Erwachsenen gleichzustellen – hilft Familien ebenso wie Überlegungen, das Kindergeld für das dritte und jedes weitere Kinder anzuheben wie den Sockelbetrag fürs Elterngeld. Der Katalog der guten Gaben umfasst überdies neben einer Reihe alter Detailforderungen des Wirtschaftsflügels zur Entlastung der Wirtschaft auch ein paar neue Forderungen aus der Ideenschmiede des CSU- Chefs Horst Seehofer: Zurück zur Eigenheimförderung, halber Mehrwertsteuersatz fürs Gastgewerbe, regional gestaffelte Erbschaftsteuer-Freibeträge.

    Zwei Dinge fehlen freilich noch in dem Geschenkpaket: Das Datum der Bescherung ….

    (Zitat Ende)

    ….und die RENTNER
    ….und die HARTZ IVer
    ….und die BEHINDERTEN

    ….und überhaupt: DIE MENSCHLICHKEIT

    Bei DIESEM „CHRISTLICHEN VIEHBESTAND“ der nur
    „Leistungsträger“ und „Bedarfsgemeinschaft“ anstelle von MENSCHEN im Wortschatz aufweist, waren die KREUZRITTER ein wahres SINNBILD an Humanität!

    Bei der Mathematik scheint es hier erhebliche Defizite zu geben!

    Gez.

    Elisabeth Rosing

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