Lehrerausbildung Vom Uni-Seminar ins Klassenzimmer

Pädagogische Hochschulen in Baden-Württemberg, Staatsexamen in Bayern und Bachelor in Berlin: Jedes Land schult seine Lehrer anders. Ein Überblick über die verschiedenen Wege ins Klassenzimmer

Pisa und der Bologna-Prozess sind schuld: In kaum einer anderen Disziplin gab es in den vergangenen Jahren so viele Veränderungen wie in der Ausbildung der Lehrer. Der Weg, der vom Seminar an der Uni vor die Klasse führt, war schon immer von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt – die neuen Bachelor-/Masterstrukturen haben die traditionelle Kleinstaaterei aber noch unübersichtlicher gemacht. Einige Länder haben bereits seit Jahren auf das neue gestufte Studiensystem umgestellt, andere wollen das Staatsexamen beibehalten, haben die Ausbildung aber trotzdem in Module gegliedert, und wieder andere fahren zweigleisig und kombinieren Bachelor/Master und Staatsexamen. Teils werden angehende Lehrer nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Uni zu Uni und sogar von Lehramt zu Lehramt unterschiedlich ausgebildet. Studieninteressierte müssen sich also gut überlegen, welche Ausbildung zu ihren Vorstellungen passt.

Bei allem Durcheinander hat die Einführung des neuen Studiensystems aber auch Vorteile – vor allem für Unentschlossene, die sich mit den sogenannten polyvalenten Bachelorstudiengängen nach ihrem Abschluss nach sechs Semestern auch noch umorientieren können. Mit dem Bachelor darf man zwar nicht unterrichten, aber zum Beispiel als Lernassistent arbeiten und etwa lernschwache Schüler fördern. Und wer sich doch gegen das Klassenzimmer entscheidet, kann an den Bachelor auch noch einen anderen, fachfremden Master und nicht den Master of Education anschließen. Allerdings kritisieren Experten, dass manche Universitäten das Etikett Polyvalenz recht großzügig auslegen, weil die meisten lehramtsbezogenen Bachelor schon erziehungswissenschaftliche Anteile enthalten. Abiturienten sollten sich also auch hier vorher darüber klar werden, wie sicher sie sich sind und wie breitgefächert ihr Bachelor daher sein sollte.

Anzeige

Wer nach dem Bachelor Lehrer werden will, muss noch einen Master anschließen. Alle Absolventen – egal, ob mit Staatsexamen oder Mastertitel – gehen dann in den Vorbereitungsdienst, das Referendariat, und machen danach das Zweite Staatsexamen. Unabhängig vom späteren Titel, müssen sich Abiturienten oft schon vorher für eine Schulart entscheiden: Gymnasium oder Grundschule? Realschule, Hauptschule, Berufs- oder Sonderschule? Je nach späterer Schulart werden oft unterschiedliche Studiengänge mit verschiedenen Anforderungen angeboten. Wichtig ist daher, sich an der jeweiligen Universität über die Studieninhalte der einzelnen Studiengänge zu informieren, etwa auf den Internetseiten der Hochschulen. Einen ersten Überblick über die derzeitigen Regelungen der einzelnen Bundesländer bietet der folgende Text. (Stand April 2009)

Baden-Württemberg ist ein Sonderfall: Es ist das einzige Bundesland, in dem es noch Pädagogische Hochschulen (PH) gibt, an denen die Mehrzahl der Lehrer studiert. Wer sich für ein Lehramtsstudium interessiert, muss sich hier zunächst für eine Schulart entscheiden: Es gibt das Studium für das Lehramt an Gymnasien, Grund- und Haupt-, Real-, Sonder- und beruflichen Schulen – wer nicht Gymnasial- oder Berufsschullehrer werden will, besucht eine Pädagogische Hochschule. Dort wählen angehende Grund- oder Hauptschullehrer zunächst eine Schulart als Schwerpunkt. Die Regelstudienzeit beträgt zumeist sechs Semester, im Grundstudium werden Deutsch, Mathematik, ein weiteres frei wählbares Fach und Erziehungswissenschaften studiert. Im Hauptstudium entscheiden sich die Studenten für ein Hauptfach und zwei weitere Fächer aus einem Fächerverbund (im Verbund Sprachen etwa Englisch und Französisch). Achtung: Deutsch oder Mathematik und das im Grundstudium studierte zusätzliche Fach müssen in der Fächerkombination enthalten sein; bei der Bewerbung um einen Studienplatz gibt man daher bereits drei Fächer an. Künftige Realschullehrer studieren im Regelfall sieben Semester, im Grundstudium werden drei Fächer belegt (eines muss Deutsch, Englisch, Französisch oder Mathe sein). Im Hauptstudium studiert man ein Hauptfach und zwei Fächer aus einem Fächerverbund. Wer später an einem Gymnasium unterrichten möchte, geht für meist zehn Semester an die Universität und schreibt sich meist für zwei Hauptfächer ein; bei manchen Fächerverbindungen müssen allerdings drei studiert werden. Alle Lehramtsstudiengänge umfassen neben den Fächern und ihren Didaktiken Pädagogische Studien und eine in der Regel dreimonatige schulpraktische Ausbildung. Am Ende des Studiums steht das Erste Staatsexamen. Baden-Württemberg hält daran fest, hat die Lehramtsstudiengänge aber in Module gegliedert. Eine Ausnahme sind die Berufsschullehrer: Sie verlassen die Uni mit dem Diplom oder die FH beziehungsweise PH mit Bachelor und Master. Danach folgt in allen Lehrämtern ein 18-monatiger Vorbereitungsdienst an.
Weitere Informationen: www.km-bw.de »

Die Ausbildung zum Lehrer in Bayern orientiert sich an den Schularten, man wird von Anfang an zum Beispiel Hauptschul- oder Gymnasiallehrer. Das Studium eines Grundschullehrers umfasst einen erziehungswissenschaftlichen Teil, Didaktik der Grundschule und ein Unterrichtsfach. Wer Lehrer an einer Hauptschule werden möchte, studiert ebenfalls Erziehungswissenschaften, hinzu kommen Didaktiken einer Fächergruppe der Hauptschule und ein Unterrichtsfach (zum Beispiel Arbeitslehre, Physik oder Geschichte). Spätere Real- und Gymnasiallehrer belegen neben Erziehungswissenschaften zwei Fächer, wobei hier teils bestimmte Kombinationen vorgegeben sind (beispielsweise muss Chemie mit Biologie, Mathematik oder Physik gekoppelt werden). Obligatorisch für alle Studiengänge sind Praktika, die teils schon vor Studienbeginn absolviert werden. Die Lehrerausbildung in Bayern ist derzeit großen Veränderungen unterworfen: Das Studium wird modularisiert, der Freistaat hält jedoch an der Ersten Staatsprüfung fest – zumindest als Teil der künftigen Ersten Lehramtsprüfung, die sich aus einer Prüfung durch die Universität und einer weiteren staatlichen Prüfung zusammensetzt. Spätestens bis 2010 soll die Umstellung an allen bayerischen Unis abgeschlossen sein. Einige Universitäten entwickeln aber auch Studiengänge, die sowohl zur Ersten Staatsprüfung wie auch zu Bachelor und Master führen. Modellversuche laufen in Eichstätt, Bayreuth, Erlangen-Nürnberg, Passau und an der TU München. In Eichstätt etwa bietet das Programm Lehramt Plus die Möglichkeit, entweder mit der Ersten Lehramtsprüfung abzuschließen oder für eine Tätigkeit außerhalb der Schule mit Bachelor oder Master. Darüber hinaus können auch Studenten innerhalb der Bachelor-/Masterstruktur das Staatsexamen ablegen. In der Ausbildung für Berufsschullehrer gilt eine Sonderregelung: Hier verzichtet der Freistaat auf das Staatsexamen und will bis zum Wintersemester 2009/10 ganz auf Bachelor und Master umstellen. Abgesehen davon bleibt aber die Erste Staatsprüfung Voraussetzung für den Zugang zum zweijährigen Referendariat, das mit der Zweiten Staatsprüfung abschließt.
Weitere Informationen: www.stmuk.bayern.de »

In Berlin werden lehramtsbezogenen Bachelor- und Masterstudiengänge seit dem Wintersemester 2004/05 angeboten. Im Bachelorstudium studieren angehende Lehrer zunächst drei Jahre lang zwei Unterrichtsfächer und Berufswissenschaften, die Erziehungswissenschaft und die Didaktiken der jeweiligen Fächer umfassen. Die im Bachelorstudium gewählte Fächerkombination ist entscheidend dafür, ob ein Master of Education angeschlossen werden kann und für welches Lehramt dieser qualifiziert. Wer etwa Grund- oder Sonderschullehrer werden möchte, wählt im Erstfach Grund- oder Sonderschulpädagogik und dazu ein Unterrichtsfach. Und wer später an einem Gymnasium Physik unterrichten möchte, muss Mathematik dazu wählen. Wer sich nach dem Bachelor sicher ist, Lehrer werden zu wollen, legt sich im Master endgültig auf eine Schulart fest: Studenten, die Lehrer in den Klassenstufen 1 bis 10 sein möchten, hängen einen einjährigen, berufswissenschaftlich geprägten Masterstudiengang an, in dem das zweite Fach vertieft wird. Angehende Sonderschullehrer belegen einen dreisemestrigen Master. Für die Klassenstufen 7 bis 13 und berufsbildende Schulen braucht es vier Semester bis zum Mastergrad, der der Ersten Staatsprüfung gleichgestellt ist. Daran an schließen sich der Vorbereitungsdienst, der für die Klassen 1 bis 10 12 Monate und für die höheren Klassen 24 Monate dauert. Dann folgt die Zweite Staatsprüfung. Für Bachelor-Absolventen, die es nach dem Abschluss nicht ins Klassenzimmer zieht, gibt es in Berlin das Berufsfeld des Lernassistenten, der zum Beispiel Fördergruppen betreut und Verwaltungstätigkeiten in der Schule übernimmt. Derzeit ist allerdings noch unklar, ob der staatliche Schuldienst entsprechende Stellen überhaupt einrichten kann – ein Berufsziel für Studieninteressierte kann der Lernassistent also nicht sein.
Weitere Informationen: www.berlin.de/sen/bildung »

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service