Social Networks Wie Wikis der Wirtschaft nutzen
Junge Mitarbeiter sind an Arbeitsweisen des Web 2.0 gewöhnt, doch bringen die auch den Firmen etwas? Zwei Bücher wollen das erkunden

©Lukas Barth dpa
Soziale Netzwerke verändern unser Leben
Das Web 2.0 ist in der Arbeitswelt angekommen, zumindest theoretisch. "Enterprise 2.0" heißt der aktuelle Management-Trend. Er will starre interne Netze in Unternehmen zu flexiblen Social Networks umbauen, Wikis zu jedem Thema anlegen und Mitarbeiter zum Bloggen auffordern. Eine neue Kultur des Teilens und Zusammenarbeitens solle Einzug in Betrieben erhalten, fordern Verfechter des Modells. Belohnt würden die Unternehmen durch effizienteres Wissensmanagement, erhöhte Innovationsfrequenz und Kundenfreundlichkeit.
Doch laut einer Untersuchung von Berlecon Research kennen ein Viertel der deutschen Manager nicht einmal den Begriff "Web 2.0", geschweige denn seine Bedeutung. Von denjenigen, der das Konzept etwas sagt, findet aber die Hälfte, dass es künftig zum Unternehmensalltag gehören wird – wenngleich ihnen nicht klar ist, was der konkrete Nutzten eigentlich sein könnte.
Abhilfe soll der Austausch von Erfahrung bringen. Um diesen zu erleichtern, wurde die Internet-Plattform DNAdigital.de gegründet. Dort diskutieren die Jungen mit den Alten, und aus diesem Austausch entstand nun auch ein Sammelband mit dem etwas schiefen Titel Wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen. Essays reihen sich darin an Interviews, und auch ein paar Wissenschaftler haben sich an dem Buch beteiligt.
Zwar seien Bücher an sich nicht mehr zeitgemäß, "aber die Entscheider-Generation erreicht man besser mit Print als mit Web", schreibt Herausgeber Willms Buhse dazu in seinem Blog.
Hoffentlich. Denn zuerst erreicht die Leser ein nassforsches "Manifest der Digital Natives", also der nach 1980 Geborenen, die mit dem Netz aufgewachsen sind. Der Text aber ist ebenso enthusiastisch wie naiv. Laut den Autoren Robert Dürhager und Timo Heuer kann dank Web 2.0 jeder mit jedem, alle sind "Weltbürger", alles geht schneller, nichts soll mehr privat sein und "Konkurrenzdenken gibt es bei uns nicht". Ebenfalls nicht vorhanden sei Gewaltenteilung: Im Internet "sind wir die Exekutive, unsere Moral die Judikative und unser Code die Legislative. Eine vierte Gewalt wählen wir durch unsere Aufmerksamkeit".
Anne Grabs ist im anschließenden Vorwort ähnlich begeistert von sich und ihren Zeitgenossen: "Wir sind aktiv, wir sind online vernetzt. (…) Wir sind informiert, kennen uns in vielen Bereichen sehr gut aus, sind motiviert und lernbereit." Wer nun erwartet, dass diese Thesen durch die folgenden Beiträge belegt würden, wird enttäuscht: Was die Kapuzenpullis den Anzugträgern bieten können, bleibt ungewiss.
Tatsächlich sammeln sich im Verlauf des Buchs Hinweise, dass eher die Über-30-Jährigen die neuen Arbeitsweisen am effektivsten einsetzen können: Brad Anderson, Geschäftsführer der amerikanischen Handelskette Best Buy, hat sein Unternehmen bereits auf sie getrimmt und beobachtet, dass gerade anfänglich skeptische "Digital Immigrants", also vor 1980 geborene Mitarbeiter, seine besten Führungskräfte geworden sind.
Rainer Fechner, Geschäftsführer von Alcatel-Lucent und der Enterprise-2.0-Idee wohlgesonnen, vermutet den Nutzen der Digital Natives vor allem darin, "Ideen- und Ratgeber" sein zu können. Schließlich sei das Internet ihr "ureigenes Kompetenzfeld". Dass Unternehmen ihre Kunden um Feedback bitten, ist allerdings mitnichten der Anbruch einer neuen Unternehmenskultur.
Ertragreicher als der Buch gewordene Dialog zwischen Jung und Alt ist der Sammelband Die Kunst, loszulassen. Enterprise 2.0, herausgegeben von Sören Stamer und abermals DNAdigital-Gründer Willms Buhse. Hier referieren Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse und Unternehmer steuern Fallstudien bei. Keine Spur vom Geschnatter der digitalen Eingeborenen.
Besonders aufschlussreich ist Stamers Beitrag. Er ist Geschäftsführer des Software-Herstellers CoreMedia und hat dort das Prinzip der Selbstorganisation eingeführt. Stamer beschreibt die vielen kleinen Maßnahmen, die dafür notwendig waren, und auch die Probleme, die im Prozess der Umstrukturierung aufgetreten sind. Doch nun funktioniert CoreMedia wie ein riesiges Wiki. Der Erfolg verblüfft selbst Stamer.
Was noch verblüffender ist: Nicht neue Web-2.0-Anwendungen haben das Unternehmen umgekrempelt, sondern eine Kombination aus freieren Kommunikationsformen und flacherer Hierarchie. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Mitarbeiter untereinander und dass sie der Geschäftsführung vertrauen, schreibt Stamer. Dieses Vertrauen entsteht aber nicht, weil neue Kommunikationsprogramme installiert werden oder ein paar Digital Natives zu einem Unternehmen stoßen.
Der Fall CoreMedia zeigt anschaulich, dass das Web 2.0-Modell eher ein Kulturwandel ist als eine technische Umwälzung. Die eigentlich "Eingeborenen" unter den Autoren haben dazu allerdings selten mehr zu sagen als eine aufgeregte Mischung aus Modeworten und PR-Sprache. So werden sie gewiss nicht die zahlreichen Skeptiker in den Vorstandsetagen davon überzeugen können, dass Web-2.0-Techniken auch betriebswirtschaftliche Vorzüge haben.
Wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen, Willms Buhse, Ulrike Reinhard (Hrsg.), Whois Verlag, 2009
Die Kunst, loszulassen, Willms Buhse, Sören Stahmer (Hrsg.), Rhombos-Verlag, 2008
- Datum 30.04.2009 - 16:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Krawatte trifft Kapuzenpulli" wäre btw auch ein schöner Titel, "kmeetsk" oda so...
...na ja, dass jemand, der sein Geld mit Marketing ("Wussten Sie schon, dass sie ein Problem haben?") verdient sich zu einem "Experten" durch die jungen und naiven "Kapuzenpullis" stilisieren lässt und dann allen empfiehlt sein zwonulliges Elexier zu trinken, kann man eigentlich nur belächeln und dann halt unter Marketing abtun.
Ich weiß nicht... dieses ganze Gebrabbel von wegn "Ich hab die Lösung!" bringt uns alle doch eigentlich nur bedingt weiter. Klar, da gibt es dieses neue Internet-netz-was-war-jetz-nochmal-ein-Brauser-Dings, dass manche pre80ies-born-citizens noch nicht verstanden haben. Aber was zum Teufel machen denn Unternehmen, wie z.B. Apple Inc. richtig, wenn sie ganz offenbar hervorragende (Internet-)Produkte herstellen ohne zuvor "Die Kunst loszulassen" gelesen zu haben?
Müsste nicht ein Manager, der sich fragt wie man denn XYZ 2.0 für sich erfolgreich nutzt, nicht eher bei einem Produzenten anfragen? Wieso sollte man da ein paar nach 1980 geborene Konsumenten fragen? Geht mir nich' wirklich in den Kopp. Ist wohl eher so wie Faltencreme, hülft zwar nix, schadet aber och nix!
...scheint mir eher ganz normales Geklapper zu sein - da muss man jetzt nicht drauf reagieren oder so, denn Geklapper (im Marketing halt auch Geplapper oder auch mal ein Manifest) gehört nunmal zum Geschäft... und um Geschäft der einen oder anderen Form scheint es doch wohl zu gehen, oder?
braucht es nicht zu benutzen. Der Irrtum besteht darin, den Einsatz von Web 2.0 per se als Fortschritt zu sehen. Wenn es ohne funktioniert, und das tut es, dann eben one. Wenn aber zwei sich darauf einigen, ein Wiki statt doofer Word-Dokumente zu verwenden, spricht auch nichts dagegen. Das Problem bestünde dann, wenn einem solchen Lösungen von oben aufgedrückt werden, ohne das man selber die Notwendigkeit dafür sieht oder ohne eine Einführung in die Bedienung zu erhalten.
Wenn also die nach 1980 geborenen, die zum ersten Mal in den frühen 90ern im Netz waren, die Natives dieses Netzes sind, wer sind wir dann, die wir in den 80ern mit Akustikkopplern und Volksmodems "Welt am Draht" gespielt haben? Die "Alten Götter", die über das Land herrschen, bevor die Menschen kamen*? Würd scho passen, eine Schöpfungsgeschichte kriegen wir hin. Und auch sonst das meiste. Da liegt der Unterschied zu diesen selbsternannten Natives: Die allermeisten dieser jungen Leute kapitulieren schon beim Aufsetzen eines einfachen Mailservers, ordentlich programmieren kann kaum einer, die Allermeisten haben einen trial&error-Plan von ein paar Anwendungsprogrammen.
Kein Grund, nicht mal den Mund ordentlich voll zu nehmen und das Ganze dann auch noch zu Papier zu bringen. Generation Doof halt...
*siehe Abdul AlHazred: Das Necronomicon
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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