Grüne Technik Deutschlands letzte Boom-Branche

Ob Windanlagen oder sparsame Toilettenspülung: Die Umwelttechnologie-Branche trotzt der Krise

Die Hersteller von Offshore-Windanlagen trotzen dank lukrativer Förderung der Krise. Sie gehören zur Umwelttechnologie-Branche, der robustes Wachstum prophezeit wird

Die Hersteller von Offshore-Windanlagen trotzen dank lukrativer Förderung der Krise. Sie gehören zur Umwelttechnologie-Branche, der robustes Wachstum prophezeit wird

Klammheimlich vollzieht sich an der Nordseeküste eine kleine Revolution. Unbeachtet von der Öffentlichkeit baut Bard Engineering in Emden ein Offshore-Unternehmen auf. In den vergangenen vier Jahren entstanden auf diese Weise rund 800 Arbeitsplätze. Die Kurzarbeiter, die VW in Emden zurzeit entlässt, heuern inzwischen bei dem Spezialisten für Windkraftanlagen im Meer an.

Bard Engineering gehört zur sogenannten Green-Tech-Branche, wohl einer der letzten Boom-Branchen in Deutschland. Allein im vergangenen Jahr hat die Branche 19 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigt. "Ich glaube kaum, dass Vergleichbares aus anderen Branchen unserer Wirtschaft zu vermelden ist", sagt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Der Bundesumweltminister hat unlängst die Unternehmensberatung Roland Berger Consultants beauftragt, die Branche zu untersuchen. Die Ergebnisse liegen jetzt in Form eines Umwelttechnologie-Atlas vor. 1300 Unternehmen und 200 Forschungseinrichtungen kommen hierin zu Wort und geben Auskunft über ihre Geschäftserwartungen.

Anzeige

Das Ergebnis: Vermutlich wird die Branche weit erfolgreicher sein als noch vor Jahren angenommen. Bis zum Jahr 2020 werden die Umsätze der Branche auf 3,2 Billionen steigen, schätzen die Berater von Roland Berger. Das wäre doppelt so viel wie heute. In Deutschland könne der Anteil der Green-Tech-Branche am Bruttoinlandsprodukt in den kommenden elf Jahren sogar auf 14 Prozent steigen. Zurzeit liegt er bei acht Prozent.

Aber wer gehört zur Green Tech-Branche? Die Autoren ziehen hier einen ziemlich weiten Kreis: Zur Umwelttechnologie zählen sie nicht nur Unternehmen wie Bard Engineering oder den Solarzellen-Hersteller Q-Cells, die von der Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz profitieren, sondern auch Firmen, die ohne staatliche Förderung wirtschaften. Das können Hersteller intelligenter Stromzähler sein, aber auch Produzenten von sparsamen Toilettenspülungen, Elektromotoren oder Recyclinganlagen.

Bislang trotzen die meisten dieser Firmen der Krise. Während der ifo-Geschäftsklima-Index, der die Stimmung in der Wirtschaft abbildet, seit Monaten sinkt, blicken Umwelttechnologie-Firmen - zumindest noch - zuversichtlich in die Zukunft. Eine Blitzumfrage von Roland Berger zeigt, dass immer noch mehr als 60 Prozent der Unternehmen mit einem stabilen Wachstum rechnen. Drei Viertel hat bislang keine Mitarbeiter entlassen und plant es auch nicht.

Doch wie lange hält der Optimismus an? Burkhard Schwenker, Chef von Roland Berger Consultants, weist auf zwei strukturelle Schwächen hin: Die Unternehmen seien zu klein und zu wenig internationalisiert. Drei Viertel der Green-Tech-Firmen kämen auf einen Jahresumsatz von nur zehn Millionen Euro. Zwei Drittel würden nur in Deutschland Geschäfte machen. Hinzu kommt die Kreditklemme, die manchem Firmenchef Sorgen bereitet. Einige Offshore-Projekten, bei denen Investitionen oft mehr als eine Milliarde Euro betragen können, müssen mittlerweile verschoben werden, weil Banken die Finanzierung einschränken.

Und auch wenn sich Thalheim in Sachsen-Anhalt mittlerweile "Solar Valley" nennt und mit Q-Cells den weltgrößten Hersteller von Solarzellen beherbergt: Auch andere Staaten haben Green Tech entdeckt. China und Japan rollen den Photovoltaikmarkt auf, Indien ist einer der weltweit wichtigsten Windkraftanlagen-Hersteller und die USA der führende Markt für energieeffiziente Waschmaschinen und Kühlschränke. "Die Anderen werden sicherlich nicht auf den Bäumen schlafen", warnt Gabriel.

 
Leser-Kommentare
  1. Welchen Grund gibt es bitte in D Wasser zu sparen?
    Die Welt hat kein Energieproblem (deutsche Kohle reicht für Jahrhunderte) sondern allenfalls ein Treibstoffproblem. Da Bio-Diesel gerade abk***kt glaube ich nicht dass dieses Problem bes. drängend ist.

    Wenn die Guten (Linke/Ökos etc.) was tun wollen, dann sollen sie die Überbevölkerung in Afrika und islam. Ländern (etc.) bekämpfen. Es geht ihnen aber nicht um effizientes Handeln, sodern um Selbstkasteiung.

    Jetzt wo das Wetter schön ist kann der Klimawandel-Journalismus wieder das mediale Trommelfeuer(*) anwerfen. Einige Artikel warten schon in der Schublade.

    (*)Im langen und harten Winter mussten sie sich ja leider zurückhalten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Weil zum Beispiel nur 3 % der weltweit vorkommenden Wassermengen Süßwasser sind und das Grundwasser schon jetzt immer weiter absinkt. Wird es in absehbarer Zeit etwas wärmer (nach ihrer Argumentation: Was juckt uns das hier? ist doch super, wenn es hier warm ist und in der Südsee ein paar Inseln veschwinden..), wird auch das Wasser knapper. Man sollte generell sparsam mit den Ressourcen umgehen, auch wenn sie scheinbar "unendlich" vorhanden sind..
    Und wie genau wollen sie Überbevölkerung bekämpfen?

    Weil zum Beispiel nur 3 % der weltweit vorkommenden Wassermengen Süßwasser sind und das Grundwasser schon jetzt immer weiter absinkt. Wird es in absehbarer Zeit etwas wärmer (nach ihrer Argumentation: Was juckt uns das hier? ist doch super, wenn es hier warm ist und in der Südsee ein paar Inseln veschwinden..), wird auch das Wasser knapper. Man sollte generell sparsam mit den Ressourcen umgehen, auch wenn sie scheinbar "unendlich" vorhanden sind..
    Und wie genau wollen sie Überbevölkerung bekämpfen?

  2. weil sie von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen dank umfassender staatlicher Subventionen de facto unabhängig ist.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das umweltfreundliche Toilettenspülungen subventioniert werde. Gibt es da neben dem EEG auch was Vergleichbares?

    • Anonym
    • 07.05.2009 um 22:49 Uhr

    Es sind zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil deutsche Firmen, die vom Interesse mehrerer Schwellenländer an Umwelttechnologien profitieren. Nicht zufällig organisieren beispielsweise die Auslandshandelskammern von Buenos Aires und Sao Paulo (von den Schwellenländern am ehesten mein Gebiet) regelmäßig Foren und Tagungen mit Vertretern deutscher Umwelttechnologieunternehmen. Hier hab ich was für Sie.

    Gilt das für andere Branchen etwa nicht? Meines Wissens wurde gerade die Autoindustrie erst kürzlich massivst unterstützt. Und nicht nur kürzlich, die Autoindustrie wird eigentlich generell massiv unterstützt. Und dann packt man noch eine Abwrackprämie oben drauf. Und, wo steht die Autoindustrie gerade?

    Subventionen machen hier und da durchaus Sinn. Allerdings wäre es natürlich im Sinne der Verbraucher, Subventionen nicht uferlos und endlos zu betreiben. Eine Solaanlage ist sicher auch deswegen teuer, weil der Staat halt was dazu gibt.

    das umweltfreundliche Toilettenspülungen subventioniert werde. Gibt es da neben dem EEG auch was Vergleichbares?

    • Anonym
    • 07.05.2009 um 22:49 Uhr

    Es sind zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil deutsche Firmen, die vom Interesse mehrerer Schwellenländer an Umwelttechnologien profitieren. Nicht zufällig organisieren beispielsweise die Auslandshandelskammern von Buenos Aires und Sao Paulo (von den Schwellenländern am ehesten mein Gebiet) regelmäßig Foren und Tagungen mit Vertretern deutscher Umwelttechnologieunternehmen. Hier hab ich was für Sie.

    Gilt das für andere Branchen etwa nicht? Meines Wissens wurde gerade die Autoindustrie erst kürzlich massivst unterstützt. Und nicht nur kürzlich, die Autoindustrie wird eigentlich generell massiv unterstützt. Und dann packt man noch eine Abwrackprämie oben drauf. Und, wo steht die Autoindustrie gerade?

    Subventionen machen hier und da durchaus Sinn. Allerdings wäre es natürlich im Sinne der Verbraucher, Subventionen nicht uferlos und endlos zu betreiben. Eine Solaanlage ist sicher auch deswegen teuer, weil der Staat halt was dazu gibt.

  3. daß die Umwelttechnologie-Branche boomt --

    führt sie uns doch größtenteils, ganz im Gegensatz zu prassenden und protzenden Finanzhaien und Elitärbankern, vor Augen, wie sich (Achtung: prassprotzelitäres Fremdwort!) SPAREN lässt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Cool: Vor Rot-Grün gab es 11 Energieversorger heute gibt es 4 Monopolisten. Das nannte sich "Liberalisierung". So haben die RotGrünen ihr EEG durchgesetzt.

    Riecht übrigens mittelfristig nach Inflation, dann sind die 7,5 Cent der Einspeisevergütung nichts mehr Wert und die Branche verschwindet. Gabriel (der ist bald nichts mehr) muss natürlich davon abgehalten werden die Vergütung "anzupassen".

    Cool: Vor Rot-Grün gab es 11 Energieversorger heute gibt es 4 Monopolisten. Das nannte sich "Liberalisierung". So haben die RotGrünen ihr EEG durchgesetzt.

    Riecht übrigens mittelfristig nach Inflation, dann sind die 7,5 Cent der Einspeisevergütung nichts mehr Wert und die Branche verschwindet. Gabriel (der ist bald nichts mehr) muss natürlich davon abgehalten werden die Vergütung "anzupassen".

  4. Weil zum Beispiel nur 3 % der weltweit vorkommenden Wassermengen Süßwasser sind und das Grundwasser schon jetzt immer weiter absinkt. Wird es in absehbarer Zeit etwas wärmer (nach ihrer Argumentation: Was juckt uns das hier? ist doch super, wenn es hier warm ist und in der Südsee ein paar Inseln veschwinden..), wird auch das Wasser knapper. Man sollte generell sparsam mit den Ressourcen umgehen, auch wenn sie scheinbar "unendlich" vorhanden sind..
    Und wie genau wollen sie Überbevölkerung bekämpfen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wollen Sie dass D versumpft(*)? Hier gespartes Wasser nutzt Spanien nicht. Der Mist mit dem Grundwasser hat sich über die Jahrzehnte gerettet.

    In Ostdtl. wird zuwenig Wasser verbraucht-->Wasser ablassen damit die Leitungen durchgespült werden-->hoher Wasserpreis dank Sparsamkeit.

    (*)Das ist der Naturzustand hier. Man nennt die "Landscape" in D nicht ohne Grund "Kulturlandschaft".

    Wollen Sie dass D versumpft(*)? Hier gespartes Wasser nutzt Spanien nicht. Der Mist mit dem Grundwasser hat sich über die Jahrzehnte gerettet.

    In Ostdtl. wird zuwenig Wasser verbraucht-->Wasser ablassen damit die Leitungen durchgespült werden-->hoher Wasserpreis dank Sparsamkeit.

    (*)Das ist der Naturzustand hier. Man nennt die "Landscape" in D nicht ohne Grund "Kulturlandschaft".

  5. Wollen Sie dass D versumpft(*)? Hier gespartes Wasser nutzt Spanien nicht. Der Mist mit dem Grundwasser hat sich über die Jahrzehnte gerettet.

    In Ostdtl. wird zuwenig Wasser verbraucht-->Wasser ablassen damit die Leitungen durchgespült werden-->hoher Wasserpreis dank Sparsamkeit.

    (*)Das ist der Naturzustand hier. Man nennt die "Landscape" in D nicht ohne Grund "Kulturlandschaft".

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist die überwiegende natürliche Vegetation in Deutschland. Und in Ostdeutschland wird in Privathaushalten weniger Wasser verbraucht , weil die Kanalisation auf eine größere Bevölkerung ausgelegt ist, daher wird durchgespült. Ähnliches ist in fast jeder Stadt mit sinkenden Bevölkerungszahlen notwendig.

    Und woher nehmen Sie ihre Überzeugung, dass die EE-Brache im Niedergang ist? Handelt der Artikel nicht vom Gegenteil? Ach ja, in Deutschland gibts übrigens fast 1000 Energieversorger. Und abschließend: Gibt es hier einen Rekord für die meisten Falschaussagen pro Kommentar zu brechen?

    ist die überwiegende natürliche Vegetation in Deutschland. Und in Ostdeutschland wird in Privathaushalten weniger Wasser verbraucht , weil die Kanalisation auf eine größere Bevölkerung ausgelegt ist, daher wird durchgespült. Ähnliches ist in fast jeder Stadt mit sinkenden Bevölkerungszahlen notwendig.

    Und woher nehmen Sie ihre Überzeugung, dass die EE-Brache im Niedergang ist? Handelt der Artikel nicht vom Gegenteil? Ach ja, in Deutschland gibts übrigens fast 1000 Energieversorger. Und abschließend: Gibt es hier einen Rekord für die meisten Falschaussagen pro Kommentar zu brechen?

  6. Cool: Vor Rot-Grün gab es 11 Energieversorger heute gibt es 4 Monopolisten. Das nannte sich "Liberalisierung". So haben die RotGrünen ihr EEG durchgesetzt.

    Riecht übrigens mittelfristig nach Inflation, dann sind die 7,5 Cent der Einspeisevergütung nichts mehr Wert und die Branche verschwindet. Gabriel (der ist bald nichts mehr) muss natürlich davon abgehalten werden die Vergütung "anzupassen".

  7. das umweltfreundliche Toilettenspülungen subventioniert werde. Gibt es da neben dem EEG auch was Vergleichbares?

  8. ist die überwiegende natürliche Vegetation in Deutschland. Und in Ostdeutschland wird in Privathaushalten weniger Wasser verbraucht , weil die Kanalisation auf eine größere Bevölkerung ausgelegt ist, daher wird durchgespült. Ähnliches ist in fast jeder Stadt mit sinkenden Bevölkerungszahlen notwendig.

    Und woher nehmen Sie ihre Überzeugung, dass die EE-Brache im Niedergang ist? Handelt der Artikel nicht vom Gegenteil? Ach ja, in Deutschland gibts übrigens fast 1000 Energieversorger. Und abschließend: Gibt es hier einen Rekord für die meisten Falschaussagen pro Kommentar zu brechen?

    Antwort auf "Wollen Sie dass D"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service