Umfrage Die Angst der Deutschen wächst

Lange Zeit galten die Deutschen als gelassen, jetzt scheint sie die Krise erreicht zu haben: Die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nimmt zu, zeigt eine Studie

Angst vor Jobverlust rangiert bei den Sorgen der Deutschen auf Position eins

Angst vor Jobverlust rangiert bei den Sorgen der Deutschen auf Position eins

Noch im vergangenen Jahr spielte die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung für die meisten Deutschen keine Rolle. Nun bestimmt sie zusehends den Alltag. Das geht aus einer neuen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor, für die das Institut rund 12.500 Verbraucher in zehn europäischen Ländern inklusive Russland befragt hat.

Der Studie zufolge sorgen sich die Menschen in Deutschland am meisten vor Arbeitslosigkeit, gefolgt von der Sorge vor dem wirtschaftlichen Abschwung. Rund 57 Prozent der Befragten sagten, die Arbeitslosigkeit sei ein großes Problem, dass der Staat dringend lösen müsse. In den anderen befragten europäischen Ländern liegt der Anteil mit 39 Prozent niedriger. 36 Prozent der Befragten empfinden die Wirtschaftskrise als Problem. Im Vorjahr waren es noch sieben Prozent gewesen.

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Allerdings gilt weiterhin, dass die Deutschen gemessen am Ausmaß der drohenden Jobkrise gelassen sind. Nach Angaben der GfK-Forscher sei die Gefahr einer Kündigung weitaus größer, als es von den Menschen wahrgenommen werde. "Normalerweise macht ein wegfallender Arbeitsplatz drei Menschen Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust", sagte der Vorstand des Nürnberger Marktforschungsinstituts, Klaus Wübbenhorst. Diese Formel gelte in diesem Abschwung nicht.

Ein möglicher Grund könnte die gute Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt sein: Seit der Wiedervereinigung waren nicht mehr so viele Menschen erwerbstätig wie 2008. Erst seit Anfang 2009 zeigt der konjunkturelle Abschwung erste Auswirkungen. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO ermittelte für Januar eine um 0,1 Zähler höhere Arbeitslosenquote auf 7,3 Prozent. Dass es bisher nicht wesentlich schlimmer wurde, verhinderte auch der Staat, indem er die Kurzarbeit ungewöhnlich stark unterstützte. Unternehmen waren also nicht unmittelbar gezwungen, Mitarbeiter aus Kostengründen zu entlassen. 

Stark zurück ging hingegen die Angst vor einer Inflation, die vom zweiten auf den vierten Platz fiel und von der Bildung verdrängt wurde. Wegen der fallenden Energiepreise habe der "Konsument keine Sorge, was Preisentwicklung und Kaufkraftentwicklung betrifft", sagte Wübbenhorst. Weiter unten auf der Liste stehen die soziale Sicherung, die Regierung, das Gesundheitswesen und die Staatsfinanzen.

 
Leser-Kommentare
    • MKer
    • 10.05.2009 um 10:28 Uhr
    1. GfK

    Die GfK sollte man eher in "Gesellschaft für Konsumantrieb" umbenennen.

    "Ein möglicher Grund könnte die gute Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt sein: Seit der Wiedervereinigung waren nicht mehr so viele Menschen erwerbstätig wie 2008. Erst seit Anfang 2009 zeigt der konjunkturelle Abschwung erste Auswirkungen."

    Statistik macht vieles möglich. Ohne Worte ...

  1. Die Energie, die uns unsere Angst auf einen immer kleineren Raum zusammendrängen lässt, bis wir dem Druck nicht mehr stand halten können, hilft Mutigen zu neuen Zielen und Taten, wenn sie sich umschauen, nach Begleitern suchen und aus den Lehren vergangener Niederlagen brauchbare Strategien entwickeln.
    Das Imponiergehabe, zu dem sich nicht nur Steinbrück immer wieder hinreisen lässt, wird gegenüber den realen Schwierigkeiten bald offenbaren, wie wenig heisse Luft bewegt und wie schnell sie abkühlen kann.
    In der Politik macht sich immer mehr ein Hang zur Selbstbespiegelung breit und lässt dafür noch weniger Raum für die Ziele, die uns aus diesem generellen Zusammenbruch führen können.
    Wie viele Menschen sich tatsächlich von der Aussichtslosigkeit politischer Selbstdarstellungen beeindrucken und lähmen lassen, steht noch nicht fest.
    Die üblichen Umfragen beleuchten Sympathiewerte, an denen sich die wirklichen Einstellungen und Chancen für unsere Zukunft nicht ermitteln lassen.
    Wer mit der offensichtlichen Angst von Menschen spielt, kann sich nie sicher sein, in einer der Lawinen, die dabei ausgelöst werden können, selbst zu den Opfern zu gehören.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte Umfrage | Angst | Staatsfinanzen | Russland
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