Alkoholwerbung Im Suff der KaribikSeite 2/2

Soweit Gotthold Ephraim. Den muss man also auch verbieten. Und wenn wir schon dabei sind: Verbieten wir gleich alle Trinklieder! Streichen wir sie aus Goethes gesammelten Werken, weg mit Novalis und Matthias Claudius. Schmeißen wir alle Bücher Charles Bukowskis aus den Handlungen, denn, puh, was wird da gesoffen! Und denken Sie an Rabelais’ Gargantua und Pantagruel – eine einzige Verherrlichung des Suffs. Überhaupt, die Franzosen. Charles Baudelaire forderte gar: "Berauscht euch mit Wein, mit Versen oder mit Tugend." Verbieten und abermals verbieten!

Doch anstatt etwas Abstraktem wie Werbung die Schuld zu geben, sollte man konkret werden. So wäre es besser, nach dem offenbaren Mangel an autonomer Entscheidungsfähigkeit zu fragen. Nach Vorbildern, die nicht von Werbeplakaten lächeln, sondern daheim auf dem Sofa sitzen. Die Werbung ist nicht Teil des Problems, sie zeigt nur ein Symptom: Denn wer wirklich dem Heilsversprechen eines Wodkamischgetränks erliegt, hat tiefgreifendere Probleme als sporadischen Alkoholmissbrauch.

Es wäre eine Alibidiskussion. Der vernünftige Weg wären striktere Alterskontrollen. Im Verkauf und Ausschank. Und falls das nicht hilft, bleibt nur die Hoffnung auf jugendliche Einsicht: Dass sich kein Kater anfühlt wie Karibikurlaub.

 
Leser-Kommentare
  1. Wrbung für Alkohol und andere Gesundheitschädigende Produkte die die Folgekosten sozialiseren?

    Sofern man überzeugt ist dies weiterhin zulassen zu müssen, sollte in letzter Konsequenz auch soweit gegangen werden das die Produzenten solcher Produkte auch an den Kosten für die Kollateralschäden beteiligt werden...

    Es geht ja wohl nicht an das auch hier wieder die Profite exklusiv den Aktionären zugetragen werden und die Folgekosten der Allgemeinheit überlassen werden...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  2. Sehr geehrter Morgenrot,
    wir haben die Debatte in einem bereits bestehenden Thread gebündelt. Folgen Sie mir hier entlang.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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