Bachelor-Tagebuch Woche eins - Gleich fangen wir an
Zwei Studenten, zwei Laptops, zwei Handys, ein Schreibtisch, ein Ziel: In drei Monaten die Bachelor-Arbeit vollenden. Lene und Stephan erzählen von der ersten Woche
Montag 4. Mai 2009
Kick-off-Frühstück
Jede Prüfungsordnung sieht eine Abschlussarbeit vor. In unserem Fall eine Bachelor-Arbeit. Mindestens 40 Seiten. Dafür haben wir rund drei Monate Zeit.
Wir müssen ein Thema finden, uns eine These ausdenken, eine empirische Studie auf die Beine stellen, Erst- und Zweitbetreuer suchen, Formulare einholen, Unterschriften sammeln. Nebenbei müssen wir eigentlich auch noch Geld verdienen und am besten auch noch an die Zukunft denken und uns für einen potenziellen Masterstudiengang bewerben.
Panik ist zu vermeiden, also gehen wir das Ganze systematisch an. Nämlich mit einem Kick-off-Frühstück. Das haben wir in Projektmanagement gelernt. Das Kick-off-Frühstück soll uns dabei helfen, überhaupt erst mal anzufangen. Gut, dass unsere Motivation auf dem Höhepunkt ist. Peter Fox ruft uns energisch zu: "Alles neu!" Also los jetzt!
Nach acht Stunden an Lenes Küchentisch ist es Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Sie fällt nicht gut aus – gar nicht gut. Es beschleicht uns das ungute Gefühl, nicht genau zu wissen, was wir den ganzen Tag über getan haben. Jedenfalls haben wir beide kein Wort geschrieben. Ein Projektmanager würde sagen, wir befinden uns mitten auf dem kritischen Pfad. Denn 40 Seiten verteilt auf 90 Tage, das wären im Schnitt 0,4 Seiten pro Tag. Davon ist nichts zu sehen. Es ist der erste Tag, und wir hinken schon hinterher. Es war also eher ein Fuck-off-Frühstück! Aber lecker war's!
Bachelor-Faktor (Skala von 1 bis 10): 1 (gefühlte 8)
Seitenzahl: 0 (gefühlte 0)
Mittwoch, 6. Mai 2009
Arbeitstitel und so ...
In der Grundschule spielten wir noch "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?", in der Bachelor-Phase heißt es nun "Wer hat Angst vorm weißen Blatt?" Die Antwort lautet bei uns zumindest im letzten Fall: Wir! Im Hintergrund läuft leise Tabula Rasa von Freundeskreis. Ein Omen? Alles beginnt damit, dass ein neues Word-Dokument geöffnet werden muss. Das ist im Laufe des Studiums ungefähr 17.000 Mal passiert, warum nur ist es diesmal so schwierig?
Lene öffnet zunächst die Online-Atomuhr mit der Atomzeit aus Paris und beschließt: "Um Punkt 12 fange ich an!" Die Uhr zählt die Sekunden runter... "11:58:53 – noch eine Minute, dann speichere ich." Aber wie das Dokument nennen? "Bachelor-Arbeit.doc" soll das Ding nicht heißen, denn wenn der Titel schon stinklangweilig und unkreativ ist, dann ist auch sonst nicht mehr viel zu erwarten. Kommilitonin Nadine speichert immer schön ihre spartanische "ba.doc" zwischen. Kreativ-Kommilitone Laki schlägt ein energisches "Bums.doc" vor, Viktoria schickt ein Elan-förderndes "Na-dann-mal-los!.doc" ins Rennen.
Björn schlägt vor, einfach die mittlere Reihe auf der Tastatur einzutippen. Seine Arbeit wird demnach "asdfghjklöä.doc" heißen. Die Sache hat nur einen Haken: die Umlaute. Jeder hat sich schon einmal über einen Prof geärgert, der ein Dokument hochgeladen hat, in dessen Namen Umlaute vorkamen. Die lassen sich dann nämlich nicht öffnen. Björns Vorschlag gewinnt bei uns nicht.
Die Arbeit "Text.doc" zu nennen, wie Regina es getan hat, lässt immerhin viel Platz für Interpretation, wirkt aber doch eher uninspirierend. Lene nennt ihre Arbeit schließlich "Atomarbeit" und erklärt: "Die geht ab wie ne Bombe!" Im Hintergrund rappt Max aus dem CD-Player: "Euer erster Gehversuch war ne Bruchlandung – jetzt holt ihr euch ein Reimebuch aus der Buchhandlung." Alles klar! Wir sind dann mal in der Bib!
Bachelor-Faktor (Skala von 1 bis 10): bombastische 10
Seitenzahl: konstante 0
Freitag, 8. Mai 2009
Inhaltsverzeichnis eines Tages
Im letzten Semester muss man als angehender Absolvent nur äußert selten an der Hochschule anwesend sein. Die Credits sind gesammelt, jetzt wird gejagt – wir sind auf der Jagd nach Quellen, Büchern, Experten und Sprechstunden bei Profs. Obwohl es sich eher anfühlt wie die Jagd nach Quallen, eine wabbelige Masse, die einem immer wieder davonschwimmt und manchmal giftig ist!
Wenn wir grade nicht auf der Jagd sondern der heimischen Feuerstelle, Lenes Küchentisch, sitzen, dann sind wir dort vollkommen auf uns allein gestellt und selbst für unsere Zeiteinteilung verantwortlich. Keine Vorlesungszeiten, Präsentationen oder Projekttreffen.
Lene teilt ihre Zeit gerecht - zwischen E-Mails checken, telefonieren, StudiVZ, Facebook, dem Forum unseres Studienganges, und lustigen Videos! Das ist wohl ein Grund dafür, wieso ihre Atomarbeit nach einer Woche grandiose 118 Wörter umfasst. Alle sagen immer: "Fang mit der Gliederung an!" Lene gliedert also ihren Tag.
1. Aufstehen
1.1. Laptop anschmeißen
1.2. Zähne putzen, solange der Laptop hochfährt
1.3. E-Mails checken
2. Frühstück
2.1. Kaffee kochen
2.2. Müsli essen
3. Netzwerkpflege (offline)
3.1. Telefonieren
3.2. SMS
4. Netzwerkpflege (online)
4.1. StudiVZ
4.2. Facebook
4.2.1 neue Erasmus-Bilder sind online
4.2.2 ich nehme am Quiz "Wann wirst du heiraten?" teil
4.2.3 Ergebnis: mit 25
4.3. YouTube
5. Undercover bei skype und icq online
5.1 bringt nichts – ich schreibe jeden an der online ist
6. Vorlesung
6.1 Kurz-Präsentation
7. Kochen mit Kommilitonen
8. Kino
8.1 süßer Kartenverkäufer
8.2 schlechter Film
8.3 zu viel Popcorn
9. Zähne putzen
9.1 ab ins Bett...
9.2 Gute Nacht!
Bachelor-Faktor (Skala von 1 bis 10): 3,50 Euro Kinokarte
Seitenzahl: 118 Wörter
Wie lief Woche 2? Davon berichten Lene und Stephan kommenden Montag auf ZEIT ONLINE.
- Datum 01.09.2009 - 14:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie Bachelor Tagebuch
- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn sie so felißig an ihrer Bachelorarbeit wie an dem Tagebuch schrieben, dürfte Ihr Zeitplan ja eigentlich aufgehen!
nur so...
gleicher arbeitsaufwand... aber nur 6 (in Worten SECHS) Wochen zeit.
Also keine Panik, das ding wird wohl zu schaukeln sein *thumbs up*
Ich sitze selbst gerade an meiner BA-Arbeit und kenne dieses Gefühl, dass alles irgendwie wichtiger ist, als etwas daran zu tun...
Bei mir sind es 30-40 Seiten und ich habe jetzt noch einen Monat Zeit (4 Seiten sind geschrieben). Mein Problem ist einfach, dass mein Studiengang leider so aufgebaut ist, dass ich nebenbei noch zwei Module belegen muss, für die echt viel zu tun ist.
Ich bin auf jeden Fall gespannt zu lesen, wie es bei euch weitergeht und irgendwas sagt mir, dass mir das Ansporn geben wird auch etwas zu tun :D
Daumen hoch! Wenn ich gewusst hätte, dass die Zeit nicht nur geistreich, sondern auch noch sooo witzig sein kann, hätte ich neulich doch das Abo nehmen sollen....
Weiter so, ich freu mich schon auf die nächste Woche...
Also wirklich 40 Seiten? Da setzt man sich halt jeden Tag 3 Stunden dran und das Ding ist in 2 bis 3 Wochen fertig.
Tut mir leid das ganze klingt mir schon sehr wehleidig ... zumal man sich das Thema ja wohl selbst aussuchen kann und wenn man es schon studiert, dann sollte es einen auch interessieren und ziemlich leicht von der Hand gehen.
Ich finde den Artikel bedenklich, weil er das Bild vom faulen Studenten nur allzu farbig illustriert. Tut mir leid, aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof. Und wenigstens ein Mindestmass an Anstrengung, Enthusiasmus und Verzicht darf ja wohl auch von Studenten verlangt werden.
ätzend, aber eigentlich haben Sie ja Recht..
dann will ich ja auch nich länger daddeln, sondern mal weitermachen
vielen dank für den ansporn :)
ätzend, aber eigentlich haben Sie ja Recht..
dann will ich ja auch nich länger daddeln, sondern mal weitermachen
vielen dank für den ansporn :)
ätzend, aber eigentlich haben Sie ja Recht..
dann will ich ja auch nich länger daddeln, sondern mal weitermachen
vielen dank für den ansporn :)
Also ich finde es wunderbar zu sehen, dass man mit dem Problem nicht alleine ist. Ich schätze jeder kennt das Problem, da kann einem der Studiengang noch so Spaß machen.
Ich habe meine Diplomarbeit bereits hinter mir, und kenne es nur allzu gut. Doch leider muss ich euch auch sagen: die Panik wird schon noch kommen! Zwei Wochen und noch 30 Seiten etc. ... aber auch das wird sich am Ende alles zur vollsten Zufriedenheit klären.
Ansonste hält man es weiterhin wie Peter Fox: "meine Murmel hat mich abghängt, ich frage mich was ich wohl gerade denk"
Herrlich, ich werde definitiv ein regelmäßiger Leser sein.
Viel Glück euch beiden.
wer sich hier nicht wiederfindet, hat keine richtige bachelorarbeit geschrieben!!!
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