Filmfestival Cannes würdigt die digitale Kunst

Der Animationsfilm "Up" wird heute Abend in Cannes das Filmfestival eröffnen. Die Entscheidung ehrt die Jury

Es gibt Momente in Filmen, die sind so kunstvoll inszeniert, dass sie die Szene aus dem gesamten Film herausheben. Wie in Giganten, als James Dean in das Haus der Familie Benedict stürzt, um von seiner endlich erfolgreichen Suche nach Öl zu berichten. Die gesamte Besetzung stand damals vor der Kamera. Der Regisseur George Stevens hatte jede ihrer Bewegungen choreographiert wie in einem Ballett.

Oder die Verstrickung, die die Coen-Brüder Ethan und Joel für Burn after Reading inszeniert haben, bevor es zu jenem kurzen Moment kommt, in dem Brad Pitt als blondgesträhnter Fitnesstrainer von minderem Verstand dem Tod ins Auge sieht, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was vor sich geht. Solche Szenen sind reine Filmkunst. Schauspieler und Regisseure werden ausgezeichnet, wenn es ihnen wieder einmal besonders gut gelungen ist, solche Augenblicke zu schaffen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sich Können, Einsatz und Inspiration zu solchen Bildern verdichten.

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Neben der Jahrhunderte alten Kunst des Schauspiels hat seit wesentlich kürzerer Zeit auch der Animationsfilm sein Publikum gewonnen. Zunächst handgezeichnet, inzwischen längst am Computer entworfen, füllen schlicht gemachte Zeichentrickfilme die Bildschirme. Doch auch Animationsfilme können zur Kunst werden und traumhafte Momente erschaffen. So ein gelungener Animationsfilm ist Ratatouille aus dem Disney-Studio Pixar, der die Geschichte der begnadeten Ratte Rémy erzählt, die es zum Meisterkoch bringt.

Beinahe noch besser war der vorangestellte Kurzfilm Lifted des Regisseurs Gary Rydstrom. Wie ein jugendlicher Außerirdischer während einer Prüfung versucht, Tausende identisch aussehender Schalthebelchen auseinanderzuhalten und dabei scheitert, ist zu komisch, zu traurig. Gary Rydstrom ist für seine Kunst, urmenschliche Gefühle wie Selbstüberschätzung und Angst in Bilder und Geräusche zu übersetzen, bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Auch die Macher von Ratatouille, Brad Bird und Jan Pinkava, sind Oscar-Preisträger.

Dennoch haftet Animationsfilmen der Ruch des Uneigentlichen an. Es gibt keine Schauspieler, die fein agieren. Aber genügend Menschen hinter den Bildern, die ihr Handwerk so beherrschen, dass einmalig komische Situationen entstehen. Häufig arbeiten Animationsfilmer wie Regisseure und Schauspieler guter Komödien mit dem Mittel der Überzeichnung. Animationsfilmer wenden es nur stärker im Wortsinne an. Ihr Handwerk verlangt wie das der herkömmlichen Filmer viele technischen Fertigkeiten und mindestens ebenso viel Fantasie.

Nun erlaubt es der digitale Fortschritt, dass Animationfilme in die dritte Dimension vordringen – ohne eine seekrank machende Rot-Grün-Brille. Up (Oben), erzählt die Geschichte eines alten Mannes, der sich auf eine kuriose Reise in seinem fliegenden Haus begibt, um sich einen Lebenstraum zu verwirklichen.  Eine Premiere, die es zu würdigen gilt. Deshalb hat die Jury in Cannes  dem Film Up, der ebenfalls aus dem Hause Pixar stammt, die Ehre erteilt, das 62. Filmfestival an der Croisette zu eröffnen. Das ehrt auch die Jury.
 

 
Leser-Kommentare
    • Fokko
    • 13.05.2009 um 18:42 Uhr

    Diese Computeranimationen sind ja ganz lustig. Aber mit richtigen Zeichentrickfilmen, wie es die Disney-Filme bis zu, sagen wir mal, Basil und Arielle
    kann man diese Machwerke nicht vergleichen.

    Wer nicht richtig zeichnen kann, aber von 3D-Animation was versteht, soll sich auf das Designen von digitalen Welten werfen. Aber bitteschön die Finger von Filmen weg und echte Zeichner ran lassen.

    Fokko
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