Datenhandel Regierung verabreicht Datenschutz-Placebo

Die Gesetzesnovelle zum Datenschutz galt als ein Gewinn für die Verbraucher. Aber inzwischen hat die Regierung alle Fortschritte wieder herausgestrichen

datenschutz-kamera

Die Bahn ist zum Symbol für Datenskandale geworden - verändert aber hat sich trotz solcher Spähaktionen nicht viel

Als Innenminister Wolfgang Schäuble Anfang April verkündete, man werde im Datenschutz die Einwilligungspflicht einführen und das sogenannte Listenprivileg streichen, klang es, als würden der Daten- und der Verbraucherschutz in Deutschland einen großen Schritt vorankommen. Seitdem sind Wochen vergangen. Wochen, in denen die Werbe- und Verlagsbranche alles eingesetzt hat, was im politischen Betrieb erlaubt ist, Bitten, Jammern, Flehen, Drohen.

Es sieht so aus, als wird sie Erfolg haben – die Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes ist längst nicht mehr das, was sie bei der Vorstellung durch Schäuble war. Auch ihr größter Fortschritt, die Forderung, vor einem Verkauf von Daten müssten die eigentlichen Besitzer nicht nur informiert, sondern gefragt werden, stirbt gerade.

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Die Union will stattdessen eine Alternative dazu einführen, die einer Abschaffung der Einwilligung gleichkäme. Will eine Firma ihre Kundendaten verkaufen oder verleihen, dürfte sie sich aussuchen, ob sie vorher jeden Kunden um Zustimmung bittet – was viel Mühe macht und die Gefahr birgt, dass eine Menge Nein sagen. Oder sie könnte nach dem Unionsvorschlag an jede Adresse schreiben, woher sie stammt. Die Unionslogik besagt, dass es genügt, wenn der Kunde erfahren könne, wer seine Daten verkauft hat.

Wäre die als Durchbruch gefeierte Einwilligung dann nicht erledigt? Wolfgang Bosbach, der Verhandler der Union in dieser Frage, gibt das offen zu: "Ich gehe davon aus, dass die Einwilligung der größere Aufwand ist und dass sie nicht oft genutzt werden wird", sagte er ZEIT ONLINE. Wo dann aber der Vorteil für die Betroffenen sei? "Es hat den Charme für den Verbraucher, dass er sofort sieht, woher seine Adresse kommt. Widerspricht er dann, darf sie nicht weitergegeben werden, auch nicht mit der Ursprungsquelle."

Die SPD ist dagegen, doch hat sie kaum Chancen. Das Druckmittel der Union ist die bald endende Legislatur. Immerhin bliebe es ja bei der Einwilligung, sagte Bosbach. "Bis jetzt hat die SPD den Vorschlag abgelehnt. Doch sie muss wissen: Bleibt sie dabei, bleibt es beim geltenden Recht." Also entweder die verwässerte Lösung oder gar keine.

Schutzpflicht gegenüber den Bürgern

Datenschützer ahnen Schlimmes und nennen den Unionsvorschlag "Placebo-Datenschutz". Die Verhandlungen in den kommenden Tagen würden zeigen, wie wichtig der Bundesregierung das Thema ist, sagte Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv): "Das ist der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit der Großen Koalition in Sachen Datenschutz." Der Regierungsentwurf und die Beschlüsse des Datenschutzgipfels müssten jetzt konsequent umgesetzt werden.

Leser-Kommentare
    • Olly66
    • 07.05.2009 um 12:05 Uhr

    So arbeitet die Direktmarketing-Lobby:

    "Seit Monaten setzen Lobbyisten daher die Koalitionsfraktionen mit Briefen, Broschüren und Telefonanrufen unter Druck, den Gesetzentwurf abzuschwächen und Ausnahmeregelungen zu formulieren. Den Interessenvertretern ist die Sache so ernst, dass sie zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greifen. Sie machen ihre Lobbyarbeit öffentlich. In der Business-Community "Xing" haben Direktmarketing-Firmen und Verlage im Internet vor kurzem eine Gruppe gegründet, um vor dem Regelwerk zu warnen. "Die Auswirkungen der geplanten Novelle würden nahezu alle Wirtschaftszweige in gravierendem Ausmaß treffen", heißt es dort. Registrierte Mitglieder: 1560."

    Dann finden "parlamentarische Frühstücke" statt, in denen einfältige CDU-MdBs hinterher sagen: "Ja so hab ich das bisher nicht gesehen!" So heißt hier mit den Augen der Lobbyisten.

    Form und Intensität der Einflussnahme von Lobbisten in Berlin haben exzessive Ausmaße erreicht. Das ist kein Lobbyismus mehr, das ist Korruption!

    Wir Bürger wollen das nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Olly66,

    was Sie als "Korruption" bezeichnen, was auch die meisten Bürger (sofern es sie überhaupt interessiert) ebenfalls so nennen würden, das nennen die von Ihnen gescholtenen MdBs einen ganz normalen und legalen Meinungsbildungsprozeß.

    In einer TV-Diskussion regte sich kürzlich ein Abgeordneter darüber auf, "dass er das nicht mehr hören könne, immer diese haltlosen Vorwürfe wegen ungebührlicher Lobby-Arbeit".
    Leider fasste niemand nach, um Verständnis mit dem Abgeordneten zu zeigen. Schließlich mag es kein Mensch, wenn eine offene Wunde berührt wird.

    Allgemein werden viele unsauberen politischen Praktiken jedoch wie eine unvermeidliche schicksalhafte Sache hingenommen. "Da kann man halt nichts machen", dieser Satz bedeutet den Freibrief dass durch Lobbyisten die politische Landschaftspflege weiterhin in bewährter Weise betrieben werden kann.

    So bleiben diese Praktiken formal legal - auch wenn sie nicht richtig sind.

    Hallo Olly66,

    was Sie als "Korruption" bezeichnen, was auch die meisten Bürger (sofern es sie überhaupt interessiert) ebenfalls so nennen würden, das nennen die von Ihnen gescholtenen MdBs einen ganz normalen und legalen Meinungsbildungsprozeß.

    In einer TV-Diskussion regte sich kürzlich ein Abgeordneter darüber auf, "dass er das nicht mehr hören könne, immer diese haltlosen Vorwürfe wegen ungebührlicher Lobby-Arbeit".
    Leider fasste niemand nach, um Verständnis mit dem Abgeordneten zu zeigen. Schließlich mag es kein Mensch, wenn eine offene Wunde berührt wird.

    Allgemein werden viele unsauberen politischen Praktiken jedoch wie eine unvermeidliche schicksalhafte Sache hingenommen. "Da kann man halt nichts machen", dieser Satz bedeutet den Freibrief dass durch Lobbyisten die politische Landschaftspflege weiterhin in bewährter Weise betrieben werden kann.

    So bleiben diese Praktiken formal legal - auch wenn sie nicht richtig sind.

  1. Hallo Olly66,

    was Sie als "Korruption" bezeichnen, was auch die meisten Bürger (sofern es sie überhaupt interessiert) ebenfalls so nennen würden, das nennen die von Ihnen gescholtenen MdBs einen ganz normalen und legalen Meinungsbildungsprozeß.

    In einer TV-Diskussion regte sich kürzlich ein Abgeordneter darüber auf, "dass er das nicht mehr hören könne, immer diese haltlosen Vorwürfe wegen ungebührlicher Lobby-Arbeit".
    Leider fasste niemand nach, um Verständnis mit dem Abgeordneten zu zeigen. Schließlich mag es kein Mensch, wenn eine offene Wunde berührt wird.

    Allgemein werden viele unsauberen politischen Praktiken jedoch wie eine unvermeidliche schicksalhafte Sache hingenommen. "Da kann man halt nichts machen", dieser Satz bedeutet den Freibrief dass durch Lobbyisten die politische Landschaftspflege weiterhin in bewährter Weise betrieben werden kann.

    So bleiben diese Praktiken formal legal - auch wenn sie nicht richtig sind.

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