Kriegsverbrechen Ausgelieferter Demjanjuk in deutscher HaftSeite 3/3

Damals ging es um einen anderen Vorwurf als heute: Demjanjuk sollte jener Iwan sein, der sich im Lager Treblinka durch besondere Grausamkeit den Beinamen "Iwan der Schreckliche" erwarb. Er wurde zum Tode verurteilt, doch der Oberste Gerichtshof Israels hob das Urteil 1993 auf: KGB-Akten waren aufgetaucht, denen zufolge jener Iwan mit Nachnamen Marchenko hieß.

Demjanjuk durfte zurück in die USA, wurde erneut US-Bürger – obwohl seine Tätigkeit als Wachmann der SS ja erwiesen war. In einem neuen Verfahren bürgerten die USA ihn noch einmal aus; seine Anwälte nutzten jede Chance, erst den Prozess und dann die Abschiebung hinauszuzögern. Deshalb kann er erst jetzt vor Gericht gestellt werden – wenn seine Anwälte nicht noch in letzter Minute eine weitere Hintertür finden.

 
Leser-Kommentare
  1. falls sich seine schuld erweist : tod durch den strang

  2. ich bin zur Zeit sehr genervt, bitte seien Sie daher ob meiner gereizten Kommentare nachsichtig... aber tatsaechlich bin ich der Meinung, dass erwiesene Massenmoerder (gerade in diesem Alter) keine andere Strafe als den Galgen verdient haben.

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    Da die Todesstrafe abgeschafft wurde, kann sie auch nicht für diesen mutmaßlichen Mörder gelten ...
    Oder sollte man ein Kastensystem für das Recht einführen? Gute Mörder und weniger gute Mörder, Demjanuk sollte ja eigentlich als "Zugewanderter gelten, warum nicht für ihn einen "Kulturbonus" wie heutztage üblich? *Vorsicht Zynismus*

    Was unterscheidet Demjanuks Gesinnung von vor 70 Jahren mit der seiner heutigen "Kritiker"? Beiden dürften aus einem Gefühl der moralischen Stärke und Überlegenheit heraus handeln ...

    Andererseits kennt das Recht die "Verjährung". Wie lange liegen seine mutmaßlichen Untaten zurück? Gibt es Wiederholungsgefahr, geht von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit aus?
    Wer mehr als 64 Jahren nach Kriegsende immer noch Nazi-Verbrecher jagt, sollte sich fragen lassen, ob das Rechtssystem ein Rechtssystem ist, welches wirklich der Lebenswirklichkeit adäquat oder nur völlig einseitig-eingestaubt ist.....

    Meinen Sie Sterbehilfe ? Oder geht es Ihnen um die Einführung einer "Sonderbehandlung". Vielleicht noch ein bisschen Folter, um ein sauberes Geständnis zu erhalten ?
    Mal ernsthaft: Wen trifft denn die Todesstrafe ? Der Delinquent ist tot, ob schuldig oder unschuldig. Tote zeigen keine Reue. Bestraft sind doch nur die Angehörigen, die zurückbleiben. Und jeder Schritt in Richtung peinlicher Bestrafung (im alten Sinne von Pein) führt zur Verrohung der Gesellschaft. Schauen Sie sich die Exzesse an, die unter der letzten Regierung der USA salonfähig wurden.

    Da die Todesstrafe abgeschafft wurde, kann sie auch nicht für diesen mutmaßlichen Mörder gelten ...
    Oder sollte man ein Kastensystem für das Recht einführen? Gute Mörder und weniger gute Mörder, Demjanuk sollte ja eigentlich als "Zugewanderter gelten, warum nicht für ihn einen "Kulturbonus" wie heutztage üblich? *Vorsicht Zynismus*

    Was unterscheidet Demjanuks Gesinnung von vor 70 Jahren mit der seiner heutigen "Kritiker"? Beiden dürften aus einem Gefühl der moralischen Stärke und Überlegenheit heraus handeln ...

    Andererseits kennt das Recht die "Verjährung". Wie lange liegen seine mutmaßlichen Untaten zurück? Gibt es Wiederholungsgefahr, geht von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit aus?
    Wer mehr als 64 Jahren nach Kriegsende immer noch Nazi-Verbrecher jagt, sollte sich fragen lassen, ob das Rechtssystem ein Rechtssystem ist, welches wirklich der Lebenswirklichkeit adäquat oder nur völlig einseitig-eingestaubt ist.....

    Meinen Sie Sterbehilfe ? Oder geht es Ihnen um die Einführung einer "Sonderbehandlung". Vielleicht noch ein bisschen Folter, um ein sauberes Geständnis zu erhalten ?
    Mal ernsthaft: Wen trifft denn die Todesstrafe ? Der Delinquent ist tot, ob schuldig oder unschuldig. Tote zeigen keine Reue. Bestraft sind doch nur die Angehörigen, die zurückbleiben. Und jeder Schritt in Richtung peinlicher Bestrafung (im alten Sinne von Pein) führt zur Verrohung der Gesellschaft. Schauen Sie sich die Exzesse an, die unter der letzten Regierung der USA salonfähig wurden.

    • Anonym
    • 12.05.2009 um 8:37 Uhr

    dass so einige der in Deutschland lebenden Täter, wegen ihres Alters und ihrer Krankheiten als nicht verhandlungsfähig eingestuft wurden.
    Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde ein derartiger Fall , eingestellt.
    Demjanjuk stand doch bereits vor einem israelischen Gericht und man konnte ihm nicht die Identität nachweisen und Deutschland mit seiner Gerichtsbarkeit fühlt sich dazu in der Lage ?
    Wenn er der Täter ist, haben wir aber leider nicht die Möglichkeit der entsprechenden Höchstbestrafung.
    Dieser Prozess wird ein Desaster.
    Es ist dann nur ein Symbolakt vollzogen worden, ob das dann reicht ?

    Herzlichst
    Orpheus

  3. Falls dann eines Tages das Kapital geschlossen werden kann und sich alle irgendwie daran Beteiligten der nachfolgenden Generationen näher kommen können...

    Wäre das nicht endlich auch mal was positives anstatt das alles immer wieder vor zu holen und breit zu treten?

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    Dieses Kapitel in unserer Geschichte kann und darf, wie ich finde, nicht geschlossen werden. Es ist ein historisches Mahnmal, das sich der Mensch selbst gesetzt hat. Es geht allerdings weder um die Kriminalisierung der Nachkommen der Täter (Stichwort Erbschuld) noch um die Heroisierung der Alliierten, sondern darum, zu zeigen und zu verinnerlichen, wozu Menschen, ja, ganze Kulturen, fähig sind, in der Hoffnung, dass sich die Schrecken des dritten Reichs niemals wiederholen.
    Allerdings finde ich den bisherigen Ansatz der Durchexerzierung der historischen Ereignisse (Sprichwörtlich "bis zur Vergasung") völlig misslungen. Natürlich, die meisten Deutschen können mit Schlagwörtern wie "Reichspogromnacht", "Wannseekonferenz" und "Auschwitz" etwas anfangen und assoziieren damit Verbrechen und hohe Opferzahlen, aber die Geschehnisse erscheinen - sicherlich auch aufgrund der absurden Grausamkeiten - so abstrakt und immateriell, dass sie gleichsam ungreifbar und unbegreiflich bleiben. Wie kann man schon für eine amorphe Masse von 6 Millionen Menschen Mitleid empfinden (nur um ein Beispiel genannt zu haben).
    Mein Ansatz wäre, dass die Alltagskultur sowohl der Täter als auch der Häftlinge viel stärker beleuchtet wird. Wenn man ein Leben im KZ ansatzweise nachempfinden kann, wird die Abschreckung gewiss sehr viel größer sein, als wenn man weiß, wie Hitler an die Macht kam (was selbstverständlich nicht minder interessant ist!) und wieviel Menschen in den darauffolgenden Jahren starben. Nur wer begreift, dass die Täter Menschen wie jedermann waren kann verhindern, dass etwas ähnliches jemals wieder passiert.

    Von dieser Warte gesehen finde ich die medienwirksame Verhandlung um Demjanjuk durchaus gerechtfertigt.

    Grüße,
    Oli

    Dieses Kapitel in unserer Geschichte kann und darf, wie ich finde, nicht geschlossen werden. Es ist ein historisches Mahnmal, das sich der Mensch selbst gesetzt hat. Es geht allerdings weder um die Kriminalisierung der Nachkommen der Täter (Stichwort Erbschuld) noch um die Heroisierung der Alliierten, sondern darum, zu zeigen und zu verinnerlichen, wozu Menschen, ja, ganze Kulturen, fähig sind, in der Hoffnung, dass sich die Schrecken des dritten Reichs niemals wiederholen.
    Allerdings finde ich den bisherigen Ansatz der Durchexerzierung der historischen Ereignisse (Sprichwörtlich "bis zur Vergasung") völlig misslungen. Natürlich, die meisten Deutschen können mit Schlagwörtern wie "Reichspogromnacht", "Wannseekonferenz" und "Auschwitz" etwas anfangen und assoziieren damit Verbrechen und hohe Opferzahlen, aber die Geschehnisse erscheinen - sicherlich auch aufgrund der absurden Grausamkeiten - so abstrakt und immateriell, dass sie gleichsam ungreifbar und unbegreiflich bleiben. Wie kann man schon für eine amorphe Masse von 6 Millionen Menschen Mitleid empfinden (nur um ein Beispiel genannt zu haben).
    Mein Ansatz wäre, dass die Alltagskultur sowohl der Täter als auch der Häftlinge viel stärker beleuchtet wird. Wenn man ein Leben im KZ ansatzweise nachempfinden kann, wird die Abschreckung gewiss sehr viel größer sein, als wenn man weiß, wie Hitler an die Macht kam (was selbstverständlich nicht minder interessant ist!) und wieviel Menschen in den darauffolgenden Jahren starben. Nur wer begreift, dass die Täter Menschen wie jedermann waren kann verhindern, dass etwas ähnliches jemals wieder passiert.

    Von dieser Warte gesehen finde ich die medienwirksame Verhandlung um Demjanjuk durchaus gerechtfertigt.

    Grüße,
    Oli

  4. In Israel war er angeklagt, als "Iwan der Schreckliche" in Triblinka gewütet zu haben. Es stellte sich aber heraus, dass er dies nicht war, daher wurde er wieder frei gelassen.

    Wenn er in Sobibor als Wachmann tätig war, dann ist eine Verurteilung zu Lebenslänglich - auch jetzt noch - das Mindeste, was zu fordern ist.

    Allerdings halte ich die Aufmerksamkeit der Medien an diesem Fall für stark übertrieben - ein weiterer Beleg für die tieftraurige Sensationslust unserer Zeit.

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    • Anonym
    • 12.05.2009 um 9:35 Uhr

    aber Sobibor liegt in Polen.
    So wäre Polen für seine Verurteilung zuständig.
    Demjanjuk ist kein deutscher Staatsbürger, für mich ist das alles sehr undurchsichtig.

    Orpheus PS Wenn der Prozess der Wahrheitsdienung hilfreich ist und er wirklich dieser Täter ist, dann ist eine Verurteilung auch richtig.
    Ich traue aber unseren Gerichten nicht so richtig.

    Orpheus

    • Anonym
    • 12.05.2009 um 9:35 Uhr

    aber Sobibor liegt in Polen.
    So wäre Polen für seine Verurteilung zuständig.
    Demjanjuk ist kein deutscher Staatsbürger, für mich ist das alles sehr undurchsichtig.

    Orpheus PS Wenn der Prozess der Wahrheitsdienung hilfreich ist und er wirklich dieser Täter ist, dann ist eine Verurteilung auch richtig.
    Ich traue aber unseren Gerichten nicht so richtig.

    Orpheus

  5. So wie ich das verstanden habe hat Demjanjuk ja aber überhaupt Niemanden ermordet, sondern er war "nur" Wachmann.
    Das heisst keineswegs, dass ich der Meinung bin man sollte ihn in Ruhe lassen, weil er nichts Schlimmes getan hat! Aber Wachmann ist eben nicht automatisch Mörder.

    Die Tatsache, dass man ihn schon einmal für eine anderen Kriegsverbrecher erklärt und zum Tode verurteilt hat, hinterlässt bei mir übrigens einen etwas bitteren Nachgeschmack.
    Es scheint ja, als ob man so darauf konzentriert war irgend jemanden für die Verbrechen der Nazis zu bestrafen, dass man den erstbesten Iwan genommen hat und gar nicht so genau gefragt hat ob man überhaupt die richtige Person bestraft...
    Fast wäre er also schon einmal für die Verbrechen eines Anderen ermordet worden - ein gutes Beispiel dafür, warum Todesstrafe-Forderungen auch bei Personen die rechtskräftig als Naziverbrecher verurteilt wurden äusserst fragwürdig sind.

    • flavio
    • 12.05.2009 um 9:34 Uhr

    [So wie ich das verstanden habe hat Demjanjuk ja aber überhaupt Niemanden ermordet, sondern er war "nur" Wachmann.][ Aber Wachmann ist eben nicht automatisch Mörder.]
    Nach dieser Logik wäre Hitler ja auch kein Mörder gewesen.

    • Anonym
    • 12.05.2009 um 9:35 Uhr

    aber Sobibor liegt in Polen.
    So wäre Polen für seine Verurteilung zuständig.
    Demjanjuk ist kein deutscher Staatsbürger, für mich ist das alles sehr undurchsichtig.

    Orpheus PS Wenn der Prozess der Wahrheitsdienung hilfreich ist und er wirklich dieser Täter ist, dann ist eine Verurteilung auch richtig.
    Ich traue aber unseren Gerichten nicht so richtig.

    Orpheus

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