Kampf gegen die Grippe Schnelle Eingreiftruppe bei Viren-Alarm

Wegen der Amerikanischen Grippe sind sie bislang drei Mal ausgerückt: Wie die Experten vom Robert-Koch-Institut in Berlin den Gesundheitsämtern helfen, Epidemien einzudämmen

Wenn bei der Schnellen Eingreiftruppe des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin das Telefon klingelt, ist das meist kein gutes Zeichen. Dann ist irgendwo in der Republik mal wieder eine Masern- oder Meningitis-Epidemie ausgebrochen oder – wie zurzeit – ein gefährlicher Grippevirus im Anmarsch.

Das Berliner Bundesinstitut wird von den örtlichen Gesundheitsämtern gerne um Unterstützung gebeten, "weil es bereits viele ähnliche Fälle bearbeitet hat und damit erfahrener im Umgang mit einer Epidemie ist", sagt Osamah Hamouda, Virologe am RKI.

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Meist können die Experten dann telefonisch oder per E-Mail helfen. Aber in acht bis zehn Fällen im Jahr muss die Truppe mit den dafür bereitstehenden Notfallkoffern ausrücken. Vor Ort kommt es dann darauf an, möglichst schnell Erregerquelle und Verbreitungswege zu identifizieren. Denn oberstes Ziel ist es, die Ausbruchszeit einer Epidemie möglichst kurz zu halten. Dafür brauchen die Epidemiologen nicht Serum und Stethoskop, sondern Telefon und Fragebogen. Und detektivisches Gespür.

Denn um einem Krankheitserreger auf die Spur zu kommen, ist wie bei Sherlock Holmes oft nicht das große Ganze wichtig, sondern das leicht zu übersehende Detail. Welche Gemeinsamkeit gibt es zwischen den Erkrankten? Haben sie sich an demselben Ort aufgehalten? Oder etwa dasselbe gegessen? Ein schnell gelöster Fall, sozusagen ein "Klassiker", ist der beliebte italienische Nachtisch Tiramisu. Unter Verwendung von rohen Eiern hergestellt, kann er bei unsachgemäßer Lagerung schon mal eine ganze Belegschaft nach einer Betriebsfeier lahmlegen – wegen einer Salmonelleninfektion.

Aber nicht immer sind Erregerquelle und Verbreitungsweg so einfach zu finden. In Bayern waren vor ein paar Jahren die örtlichen Gesundheitsbehörden bei einer Häufung von Hirnhautentzündungen zunächst ratlos. Wie und wo hatten sich die Kranken angesteckt?

Die Berliner Experten, die noch am Tag der Anforderung vor Ort waren, konnten durch Befragung feststellen, dass sich nur Besucher von ländlichen Diskotheken angesteckt hatten. Da Faschingszeit war, wurden diese besonders stark frequentiert. Auf den vollen Tanzflächen hatten sich die Bakterien durch Körperkontakt verbreiten können. Weil das Ansteckungsrisiko nach dem Ende der Faschingszeit gegen Null ging, brauchte keine teure Massenimpfung durchgeführt zu werden.

Leser-Kommentare
  1. (Verbot grenzüberschreitender Tiertransporte und der entsetzlichen Massentierhaltungen, wo sich durch den permanten Streß, die hochbelastete Stall-"Luft" sowie die Massierung zigtausender armer Tiere auf engstem Raum Seuchen aller Art in Windeseile verbreiten können), sucht die Pharmaindustrie, unterstützt von hörigen Politikern und Medien, wiederum nach milliardenschweren neuen Profitquellen.

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