Ökologie Regenwald auf dem TrockenenSeite 3/3
Betroffen waren vor allem schnellwüchsige Arten mit geringer Holzdichte – zumeist Pioniergewächse, die auf Lichtungen aufkommen –, Lianen und Palmen, was die Forscher um die Artenvielfalt fürchten lässt, sollten derartige Extremereignisse zukünftig schneller wiederkehren.
Nachdem der Amazonasregenwald seit Aufzeichnungsbeginn in den siebziger Jahren stets als Kohlenstoffsenke wirkte und mehr Kohlendioxid aufnahm, als die Pflanzen ausatmeten oder die Zersetzung toter Biomasse ausgaste, kehrten sich die Verhältnisse in diesem Dürrejahr durch den flächenhaften Tod und die ausufernden Brände ins totale Gegenteil: "Da Amazonien so riesig ist, können schon kleine ökologische Veränderungen sich zu einem riesigen Einfluss auf den globalen Kohlenstoffkreislauf auswachsen", meint Phillips.
Während der Wald in normalen Jahren zwei Milliarden Tonnen CO2 absorbiert, entließ er 2005 allein durch das erhöhte Baumsterben drei Milliarden Tonnen des Treibhausgases. Zusammen mit den Rodungsfeuern, die damals 25.000 Quadratkilometer Land verwüsteten, gelangten fünf Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre – mehr als Japan und die Europäische Union pro Jahr emittieren.
Was bringt die Zukunft?
José Marengo fürchtet, dass sich die Extremwetterlage wegen der Erderwärmung zukünftig häufiger einstellt – einige Klimasimulationen deuten dies an. Erderwärmung und Abholzung könnten dann dafür sorgen, dass am Ende das gesamte Ökosystem kippt und der Regenwald zur offenen Savanne mutiert.
Ob und wann diese kritische Schwelle überschritten ist, wagt niemand vorauszusagen. Einige Ökologen vermuten, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn die Waldfläche zur Hälfte zerstört ist, andere setzen die Grenze bei 30 bis 40 Prozent Verlust an.
Nicht ganz so pessimistisch betrachtet dagegen Yadvinder Malhis Team die Chancen des Amazonasregenwaldes. Die Gruppe um den Forscher von der University of Oxford verglich die Simulationen von 19 Klimamodellen mit konkreten Daten aus dem 20. Jahrhundert und entwarnt vorsichtig: Die meisten Berechnungen unterschätzten die tatsächlichen Niederschläge in der Region, weil sie die geografischen Gegebenheiten des Beckens und ihre Wirkung auf die Wetterbedingungen zu schlecht auflösen.
Selbst die östlichen Bereiche Amazoniens, die von Natur aus trockener sind als die westlichen, erhielten demnach auch zukünftig noch genügend Wasser, um geschlossene Wälder zu erlauben. Die Gefahr, dass sie sich in offene Savannen auflösen, ist nach Malhis Meinung eher gering.
Die Vegetation wandelt sich in diesem Fall jedoch stark, immergrüne Regenwälder würden durch laubwerfende Bestände ersetzt. Sie könnten wiederkehrende Dürren verkraften, wenn sie der Mensch lässt: "Diese Saisonwälder sind anfälliger für Feuer, die momentan noch rar sind in Amazonien. Mit dem Vorrücken der Entwaldungsfront erhöht sich diese Gefahr aber. Wird dem nicht Einhalt geboten, könnte es doch noch zu einer großräumigen Umwandlung in ein savannenartiges Feuerökosystem kommen", warnt Malhi. Weitere 15 bis 26 Milliarden Tonnen Kohlendioxid könnten dann bis 2030 den Klimawandel anheizen.
Zumindest in diesem Zusammenhang hat die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise positive Folgen, denn die Preise für Soja, Rindfleisch und Land fallen rapide und die Kreditvergabe an Agrarkonzerne ist stark rückläufig. Damit schwinden auch die Anreize zur Abholzung: Verglichen mit dem Vorjahr rodeten die Brasilianer 70 Prozent weniger Wald.
- Datum 19.05.2009 - 16:48 Uhr
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- Serie Umwelt
- Quelle ZEIT ONLINE, spektrumdirekt.de
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