Bienenschutz Die Imker verschwindenSeite 3/3

Tautz: Für lebende Völker gibt es extrem strenge Kontrollvorschriften, die selbst innerhalb der Europäischen Union den grenzüberschreitenden Handel einschränken. Das gilt erst recht für den Austausch über Kontinente hinweg. Ungewünschte Privatinitiativen kann man aber nicht ausschließen.

spektrumdirekt: Gibt es denn schon Fortschritte im Kampf gegen die Bienenplagen?

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Tautz: Die Völker, die wir hier als Haustiere einsetzen, entstanden ja nur selten in den Regionen, in denen sie heute eingesetzt werden. In ihnen wurde zudem die natürliche Auslese außer Kraft gesetzt, da die Imker Krankheiten und Parasiten bekämpfen. Auf zwei Inseln vor der kroatischen beziehungsweise der schwedischen Küste führt man dagegen echte Selektionsexperimente durch: Viele hundert Völker bleiben dort sich selbst überlassen. Nach einigen Jahren sollten dann nur noch jene übrig sein, die Viren, Pilzen oder Schmarotzern widerstehen konnten – ein gesunder Grundstock für neue Züchtungen, so hofft man.

spektrumdirekt: Hat die Imkerei eine Zukunft in Deutschland?

Tautz: Ja, denn es gibt auch eine ganze Reihe an jungen Menschen, die sich dafür interessieren. Häufig hören diese zwar auf, wenn sie in ein Alter kommen, in denen sie einen Beruf ergreifen oder eine Familie gründen. Andererseits beginnen viele von ihnen später im Leben wieder damit, wenn sie sich an ihr altes Hobby erinnern. Diese Zweiteilung schlägt sich in der Altersverteilung der Imker nieder: Wir haben einen – kleineren – Gipfel bei den jungen und einen größeren bei den älteren Menschen.

Das Problem der Imkerei ist also nicht die Überalterung an sich, wie dies immer wieder dargestellt wird, sondern dass insgesamt zu wenige junge Menschen nachkommen, die die älteren auf Dauer ersetzen können. Wir von der Bienengruppe gehen deshalb vermehrt in die Schulen, um den Nachwuchs für Bienen zu begeistern, weil es sich auch um eine hochinteressante Wissenschaft handelt, die man auch als Hobbyimker betreibt. Wenn wir dort genügend werben, bin ich optimistisch, dass wir die Bienen und die Hobbyimkerei in Deutschland erhalten.

spektrumdirekt: Wie kann denn der Konsument den einheimischen Bienenzüchtern am besten unter die Arme greifen?

Tautz: Das ist ein wirklich deprimierender Punkt. Rein wirtschaftlich betrachtet, könnte ich es verstehen, wenn in Supermärkten ausschließlich ausländischer Honig angeboten würde, sofern dieser deutlich billiger wäre als einheimische Produkte. Das ist aber überhaupt nicht der Fall, dennoch findet sich in vielen Läden kaum ein Honig aus Deutschland. In der Bundesrepublik existieren jedoch sehr viele hervorragend organisierte Imkerverbände, die gerne Auskunft geben über die Honigsorten und wo es diese zu kaufen gibt. Der hiesige Honig wird außerdem sehr streng kontrolliert, was bei Importware nicht immer der Fall ist – der Verbraucher täte sich damit also auch selbst einen Gefallen.

spektrumdirekt: Herr Tautz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Daniel Lingenhöhl

Weitere zum Teil frei verfügbare Artikel zum Thema Artenvielfalt/Artensterben finden Sie im Dossier Artenvielfalt und Artensterbenbei spektrumdirekt.de

 
Leser-Kommentare
  1. Der Nutzen für die Landwirtschaft ist klar, doch sowohl die Bienen selbst als auch deren Produkte wie Wachs, Propolis und natürlich Honig stellen ein gewaltiges Potential für Naturmedizin und Kosmetik dar.
    Abgesehen davon, dass Honig eines der wertvollsten und gesündesten Lebensmittel ist und in keiner Küche fehlen sollte. Es wäre schon super, wenn Köche in in ihren Kochsendungen verstärkt Honig verwenden und auch für einheimischen Honig werben würden. Ich habe einen Imker vor Ort, der seinen Honig auf Wochenmärkten verkauft. Die Geschmacksvielfalt aus allen möglichen einheimischen Blüten findet man im Supermarkt nicht, denn dort sind die meisten Honigangebote Verschnitte. Das bischen Mehrkosten für den einheimischen Honig zahle ich gerne. Er ist es mir wert.
    Zum Thema Berufsimker:
    Es ist verständlich, dass die Hobbyimker dem Berufsimker skeptisch gegenüber stehen und ich denke auch, dass die Imkerei nicht überkommerzialisiert werden sollte. Qualität muss oberstes Gebot sein, aber allein durch Hobbyimkerei kann dieser Segen der Natur nicht effektiv genutzt werden.
    Ich hätte z.B. nichts gegen Berufsimker im öffentlichen Dienst des Staates.

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