Waldbrände "Wir müssen lernen, mit dem Feuer zu leben"Seite 4/4

spektrumdirekt: Wie müsste sich unser Verhalten bezüglich des Feuers verändern?

Goldammer: In Deutschland haben wir eine Entwicklung, die jener in Südeuropa ähnelt, denn auch hier zu Lande ziehen die jungen Menschen in die Städte und entsiedeln sich abgelegene Gebiete. Zunehmend fallen Flächen brach, insbesondere in Problemzonen wie Hanglagen in den Mittelgebirgen oder Heideland. Sie verwildern oder werden aufgeforstet: Der Mix aus Kultur– und Waldland löst sich teilweise auf. Die Freiräume, die einen Waldbrand stoppen konnten, überwachsen, und die empfindlichen Areale vergrößern sich.

Wir sollten also lernen, mit dem Feuer zu leben. Und die Akzeptanz dafür wächst zunehmend. In den 1970er Jahren durften wir aus emotionalen Gründen und wegen des Brennverbots im Bundesnaturschutzgesetz beziehungsweise den Landesnaturschutzgesetzen Feuer nicht als Maßnahme der Landschaftspflege und zum Schutz der Artenvielfalt einsetzen. Heute nutzt man dagegen in vielen Bundesländern und Vegetationstypen zunehmend das kontrollierte Feuer, um Offenlandstrukturen – insbesondere Heidelandschaften – zu erhalten.

spektrumdirekt: Herr Goldammer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Daniel Lingenhöhl.

 
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