Finanzkrise EZB greift Banken noch mehr unter die Arme

EZB-Chef Trichet hat den Banken weitere Liquiditätshilfen angekündigt. Im Kampf gegen die Finanzkrise senkte die Zentralbank zudem ihren Leitzins auf 1 Prozent

Für die Experten kam die Entscheidung nicht überraschend: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins für den Euro-Raum erneut um 0,25 Punkte auf 1,0 Prozent. Mit der siebten Senkung seit Oktober erreicht der Leitzins damit ein historisches Tief. Dennoch schloss EZB-Präsident Jean-Claude Trichet weitere Zinssenkungen nicht aus: "Wir haben nicht beschlossen, dass dies der niedrigste Stand ist, den wir niemals unterschreiten könnten." In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null. In Großbritannien beließ die Bank von England den Leitzins heute auf dem Tiefststand von 0,5 Prozent.

Um den Kreditfluss zu erhalten, kündigte Trichet nach der Ratssitzung in Frankfurt noch weitere Maßnahmen an. Überraschend war dabei vor allem der Ankauf von auf Euro lautenden Covered Bonds (Pfandbriefen). Dabei handelt es sich offenbar um eine Art Vorratsbeschluss - der EZB-Rat habe "im Prinzip" entschieden, sagte Trichet. Details sollen im Juni bekannt gegeben werden. Das Volumen der Käufe könne etwa 60 Milliarden Euro betragen. Außerdem verlängert die Zentralbank die Laufzeiten ihrer Refinanzierungsoperationen mit dem Geschäftsbanken auf zwölf Monate. Bislang können sie sich für maximal ein halbes Jahr Geld bei der EZB borgen.

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Darüber hinaus bekommt die Europäische Investitionsbank (EIB) ab Juli Zugang zur Liquidität der Zentralbank. Diese Maßnahmen sollen zusammen dafür sorgen, dass Banken auch weiterhin Kredite für Firmen und Haushalte zur Verfügung stellen. Außerdem erhalten über den Ankauf von covered bonds auch viele Firmen direkt Unterstützung.

Die jüngsten Konjunkturdaten und Umfragen ließen auf eine Stabilisierung "auf sehr niedrigem Niveau" hoffen, sagte Trichet. "Die Konjunktur dürfte auch für den Rest des Jahres schwach bleiben, ehe sie sich im Laufe des nächsten Jahres erholen wird."

An den Aktien- und Devisenmärkten waren die Reaktionen auf die Zinssenkung sofort sichtbar: Der Euro stieg, der Dax konnte seine Kursgewinne ausbauen.

 
Leser-Kommentare
    • wseibt
    • 07.05.2009 um 14:30 Uhr

    Es ist nur zu begrüßen, dass die EZB die Leitzinsen senkt.

    Jedoch nutzen diese Senkungen derzeitig so gut wie niemandem.
    Es fehlt an der Stelle den Banken der Wille und der Mut, den Kunden die entsprechende Senkungen weiter zu geben. Weiterhin ist das entsprechende Risikomanagement der Banken hochgradig sensibilisiert, sodass kaum Kredite vergeben werden.

    Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, gehört allerdings der Wille der Banken dazu, die Unternehmen wieder mit Kapital auszustatten. Es ist jedoch darauf zu achten, welchen Verwendungszweck die Darlehen haben!

    Die Krise muss an dieser Stelle genutzt werden um durch innovative Neuentwicklungen gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können.
    Bleibt das Kapital an dieser Stelle aus, führt das somit unweigerlich zu einer Verschärfung der Krise.

    Wolfgang Seibt
    24852 Langstedt

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