Porsche & VW Die Kurve gekriegt
Porsche und VW haben sich auf eine Fusion geeinigt - und damit womöglich den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt
Der Traum ist geplatzt. Die Familien Porsche und Piech werden nicht zu Alleinherrschern über das vereinte Porsche-Volkswagen-Imperium. Und die verwegenen Übernahmestrategen an der Spitze der Porsche SE – Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter – müssen ihren großen Plan revidieren. Der David aus Stuttgart wird den Goliath aus Wolfsburg nicht am Nasenband führen.
Damit ist der wohl größte Übernahmeversuch in der Geschichte der Bundesrepublik gescheitert. Am politischen Widerstand des zweiten Großaktionärs Niedersachsen, angeführt von Ministerpräsident Christian Wulff, der es geschickt verstand, die Bundesregierung und die großen Parteien für seine Zwecke einzusetzen. Vor allem aber an der dramatisch veränderten Finanzlandschaft, in der Milliardenkredite eben nicht mehr vom Himmel fallen. Plötzlich sahen sich die Angreifer von Porsche, die ihren Coup auf trickreiche Finanztransaktionen aufgebaut hatten, einem Schuldenberg von rund neun Milliarden Euro gegenüber, der auch das profitabelste Autounternehmen der Welt – welches Porsche immer noch ist – auf Dauer zu überfordern drohte.
Zuletzt war das Duo Wiedeking/Härter, das immer auf das Vertrauen der Mehrheitsfraktion der Familien Porsche und Piech vertrauen konnte, arg in die Defensive geraten. Der machtbewusste Minderheitsführer in der Familie, Ferdinand Piech, Miteigner und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen, hatte sogar mithilfe von VW-Chef Martin Winterkorn den Gegencoup geplant: die Übernahme des operativen Geschäfts von Porsche durch Volkswagen.
Doch die von Wiedeking und Härter aus der Not heraus geborene Idee, die beiden Unternehmen zu fusionieren, könnte am Ende die bessere Lösung werden – für alle Seiten. Eine allmächtige – aber, wie man weiß, oft streitende – Großfamilie Porsche/Piech wird den neuen Konzern nicht beherrschen. Die Macht wird künftig geteilt zwischen dem Porsche/Piech-Clan, dem Land Niedersachsen und voraussichtlich einem weiteren Großaktionär, dem Emirat Katar. Arbeitnehmer und Gewerkschaften werden in der neuen Konstruktion weiter eine starke Position haben – stärker als bei vergleichbaren deutschen Konzernen. Am Ende könnte durch die neue Verteilung von Macht und Anteilen eine stabile Struktur entstehen, die VW/Porsche dringend braucht, um sich auf das wesentliche zu konzentrieren: die Bewältigung der Autoabsatzkrise.
Aber wer hat nun gewonnen?
Für die Unternehmen mag das zweitrangig sein. Zwei Sieger stehen jedoch fest: Einer ist Christian Wulff, der Ministerpräsident Niedersachsens. Ohne ihn wird es keine Lösung geben. Wie immer auch im Detail der neue "integrierte" Autokonzern aussehen wird: Das Land wird sich seinen Einfluss bei gravierenden Standort-Entscheidungen zu sichern wissen. Gewonnen haben auch die Vernunft und die Einsicht, dass man sich gemeinsam um die Unternehmen kümmern muss, statt sich in Rivalitäten zu verlieren.
- Datum 11.05.2009 - 15:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... dürfte für VW sehr teuer werden.
Der Konzern selbst hat bei der nahezu weltweit schwächelnden Nachfrage und zugleich erf. Investitionen keinerlei Vorteile von Porsche als neuer Marke.
Allein Porsche wird damit gerettet, genauso wie die pers. Interessen des Herrn Piech (Porsche-Beteiligung) auch.
Im schlimmsten Fall zieht Porsche noch - wie gesagt bei der kritischen Marktlage - VW noch mit runter, Milliardenschulden inkl.
Es stimmt, dass die Finanzierungsproblematik damit gelöst sein dürfte, aber mir ist schleierhaft warum Sie annehmen, dass die Führung des Konzerns unproblematischer wird, wenn mehr Gruppen ihre Interessen versuchen durchzusetzen.
Gerade der Einfluss des Landes Niedersachsen birgt die Gefahr, dass betriebswirtschaftlich unsinnige Entscheidungen aus populistischen Gründen vorangetrieben werden. Dass Wulff EU-widrige Gesetze auf Bundesebene vorangetrieben hat, um sein Einfluss zu sichern, stimmt nicht gerade optimistisch.
Eine sehr starke Gewerkschaft könnte dem noch Vorschub leisten, wenn deren Führung populistische Töne anschlägt. Gerde die dringend notwendige Neuausrichtung des Konzerns könnte so schwierig werden.
Eigentlich ist der Porsche-Clan ähnlich pleite wie Fr. Schaeffler. Man versucht nun trotzdem das Beste herauszuholen.
50% von Porsche geht an das Land Niedersachsen (20%) und die anderen VW-Aktionäre (30%). Dabei sind die Vorzugsaktien noch gar nicht mitgerechnet. Die anderen 50% behält der Porsche-Clan. Im Gegenzug geht 50% von VW an den Porsche-Clan. Das Geschäft dürfte noch nicht ausgeglichen sein. Wieviel muss dann der Porsche-Clan noch dazubezahlen? Das konnte man bisher nicht richtig lesen.
Man kann nur hoffen, dass Hr. Wulff und die anderen Aktionäre bei dem Geschäft genau hinsehen.
Arbeitgeberpräsident Hundt bezifferte jüngst den Anteil derjenigen, denen die Arbeit inzwischen entfiel auf 20% über alle Branchen hinweg. Das heißt, dass auch Industrien wie die Autobauer und somit auch Volkswagen oder Porsche eine um diesen Anteil zu niedrige Produktivität pro Arbeitseinheit lediglich erreichen. Diese gravierende Frage eines jeden Standorts kann jedoch nicht durch das so genannte VW-Gesetz entschieden werden. Tatsächlich kann damit das Land Niedersachsen bei einer solchen arbeitspolitischen Entscheidung nur stimmlos bleiben.
Inzwischen habe ich Zahlen gelesen.
Die Familie Porsche besitzt für 38 Millarden Euro Aktien an VW. Dazu gehört ihr Porsche, das 9 Milliarden wert ist. Wegen des Aktienkaufs hat sie 8 Milliarden Euro Schulden bei den Banken.
Wenn die Familie Porsche ihren Anteil an VW von 50% auf 40% senken würde, dann könnte sie Schulden bezahlen.
Sie hat aber beschlossen, dass der VW-Konzern Porsche kaufen soll. Mit dem Geld, das die Familie Porsche dafür erhält, kann sie ihre Schulden bezahlen.
Jetzt müssen die anderen Anteilseigner, insbesondere das Land Niedersachsen, zustimmen. Soviel zum Ablauf.
Was einen aber doch erstaunt, ist die Größe der Zahlen. Das Vermögen der Familie beträgt ca. 40 Milliarden Euro. Banken geben 8 Milliarden Kredit. Das sind Größenordnungen, die man sich kaum vorstellen kann.
Was interessant wäre: Wieviel hat die Familie Porsche für die Aktien wirklich bezahlt? Wieviel hat sie erzockt? Das werden wir wohl nicht erfahren.
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