Gesundheitswesen
Ärzte wollen Prioritätenliste für medizinische Leistungen
Tabletten gegen Magenschmerzen sind Luxus, sagt Ärztekammerpräsident Hoppe. Er fordert, dass solche Medikamente künftig nicht mehr von Krankenkassen bezahlt werden
Von "Rationierung“ redet der Ärztekammerpräsident seit Jahren. Für Jörg-Dietrich Hoppe ist sie im deutschen Gesundheitswesen schon so sehr Realität, dass ihn daran nur noch die Frage interessiert, wie man "den Mangel ehrlich verwalten kann“. Sein Vorschlag: eine "Prioritätenliste“, mit der sich die Gewährung medizinischer Leistungen für Kassenpatienten künftig für alle nachvollziehbar regulieren lässt. "Wenn wir Ärzte zugeteiltes Geld bekommen, können wir bei den Ausgaben auch nur nach Zuteilung arbeiten“, sagte Hoppe der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Die Rangliste müsse nach Nützlichkeit gestaffelt sein, fordert Hoppe. "Menschen, die in höchster Not sind und starke Schmerzen haben“, also etwa Schlaganfall- oder Krebspatienten, müssten an erster Stelle stehen. Weniger notwendige Behandlungen oder "Wunschleistungen“ dagegen sollten gar nicht mehr erstattet werden.
Der Ärztepräsident hält etwa Medikamente gegen Magenschmerzen oder hohe Cholesterinwerte für Luxus, denn hier helfe ja auch Mäßigung bei Alkohol und fettem Essen. Im Detail sollten die Prioritäten durch einen "Gesundheitsrat“ aus Ärzten, Ethikern, Juristen und Patientenvertretern festgelegt werden. Die Festlegung sei "international erprobt“, praktiziert werde sie bereits in Großbritannien, Skandinavien, Neuseeland, Australien und teils auch in den USA.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hält von Hoppes Idee gar nichts. "Wir lehnen das strikt ab“, sagt Ministeriumssprecherin Dagmar Kaiser. Was medizinisch notwendig sei, müsse bezahlt werden, "das gilt auch für innovative Methoden“. Und was die Gesundheitspolitik überhaupt nicht benötige, sei ein neues Gremium. Das Parlament entscheide über Rahmenbedingungen, die Ausführung obliege der Selbstverwaltung – "das genügt“.
Heftige Kritik kommt auch von den Krankenkassen. Wenn die Mediziner Leistungskürzungen forderten und zugleich beklagten, nur zugeteiltes Geld zu bekommen, dann sei klar, dass es ihnen nicht um Patienteninteressen, sondern nur um mehr Geld für sich selber gehe, sagt Spitzenverbands-Sprecher Florian Lanz.
- Datum 20.5.2009 - 15:21 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 2
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







mal wieder um die Ausgrenzung von Menschen.
Wie (fast) immer!
rheinelbe
Es sollte eigentlich logisch und sogar zwingend erforderlich sein, dass begrenzte Finanzmittel in einem sozialen Sicherungssystem möglichst effizient genutzt werden müssen. Das ist das Grundprinzip der "Priorisierung". Im "sozialdemokratischen" Schweden ist dies geübter Standard. Vielleicht, weil dort "sozial" anders als in Deutschland nicht gleichzeitig "dumm" bedeutet.
Die Krankenhäuser und Ärzte in Deutschland bekommen durch die Politik begrenzte Mittel zur Verfügung gestellt, die Politiker geben aber unbegrenzte Wahlversprechen ab. Das kann so nicht funktionieren und müsste jedem klar sein. Die Politiker in Deutschland sind halt einfach zu feige 1 und 1 zusammen zu zählen und die Bevölkerung (das eigentliche Drama) liebt es auch noch fortlaufend belogen zu werden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren