Eine Regierung in den Zuckungen eines quälend langen Todeskampfes ist niemals ein erbauliches Spektakel. Mal Farce, mal Tragödie, weiß man nie, ob man lachen oder weinen soll. Eines ist unverkennbar: Die Macht driftet immer rascher weg von Gordon Brown. "Im Amt, aber nicht mehr an der Macht." So hatte Gordon Brown einst die dahinsiechende konservative Regierung von John Major verspottet.

Nun muss er erleben, dass der Spruch den beklagenswerten Zustand seines eigenen Regimes beschreibt. Die Indizien für den Verfall mehren sich. Gerade verweigerten Labour-Hinterbänkler ihrem Premier die Gefolgschaft - das Unterhaus stimmte gleich zweimal gegen die Regierung. Nun ist es eine Schauspielerin, Joanna Lumley, die de facto Gordon Browns Politik diktiert.

Joanna Lumley ist die Gallionsfigur des Protestes gegen die schändliche Behandlung der Ghurkas durch die Regierung. Letzte Woche hatte sie, umrahmt von Oppositionsführer David Cameron und Nick Clegg, dem Chef der Liberaldemokraten, vor dem Unterhaus die Abstimmungsniederlage der Regierung mit dem traditionellen Schlachtruf der Ghurkas gefeiert.

Nun ist es ihr gelungen, Brown auszutricksen: Nach einem Treffen unter vier Augen, zu der er sich angesichts der lautstarken Empörung im Land gezwungen sah, lobte ihn Lumley öffentlich als "integren Mann" und verkündete, der Premier habe ihr versprochen, bis Ende Mai das "Ehrenhafte und Richtige für die Ghurkas zu tun".

Downing Street war perplex. Ein Sprecher versuchte, diese Interpretation des Gespräches abzuschwächen. Doch der Premier kann sich aus dieser Situation nicht mehr herauswinden. Die öffentliche Empörung ist zu groß, die Behandlung der Ghurka-Veteranen wird als "schändlich" empfunden.

Seit fast zweihundert Jahren haben Ghurkas in der britischen Armee gedient. Bei dem Versuch, sich auch noch Nepal einzuverleiben, war das britische Empire am entschlossenen Widerstand der wilden nepalesischen Kämpfer gescheitert. Die Briten schalteten rasch um, schlossen einen Friedensvertrag mit dem Königreich und sicherten sich das Recht, fortan Ghurkas für die eigene Armee zu rekrutieren. Die Ghurkas, zu deren Ausrüstung auch heute noch der traditionelle Kukri, ein rund 50 cm langer Dolch gehört, sind berühmt für ihre Tapferkeit. Ihr Motto lautet "lieber tot als feige".

In zahllosen Kriegen und Konflikten haben sie für Großbritannien ihr Leben riskiert. Sie kämpften gegen Nazis, im Dschungelkrieg von Burma, in den Wüsten Arabiens und sind derzeit in Afghanistan im Einsatz. Doch der britische Staat dankt es ihnen schlecht. Die neue, kleinlich-bürokratische Regelung, die vom Unterhaus abgelehnt wurde, sah vor, nicht allen Ghurka-Veteranen automatisch das Recht zu gewähren, ihren Lebensabend in Großbritannien zu verbringen.