Schwieriger Dialog Religionsstreit spaltet Kulturpreisträger
Ein heftiger Krach zwischen Religionsvertretern stört die Verleihung des Hessischen Kulturpreises. Anders als vorgesehen, wird es keinen islamischen Preisträger geben
Das Kuratorium des Preises habe seine Entscheidung vom vergangenen Dezember geändert, teilte die Landesregierung am Mittwoch in Wiesbaden mit. Das ist eine Reaktion auf die Auseinandersetzung zwischen den Preisträgern. Für ihre Verdienste um die interreligiöse Kooperation sollen am 5. Juli nun nur der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, der frühere evangelische Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, Peter Steinacker, und der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Salomon Korn, geehrt werden. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert.
Ursprünglich hatte das Kuratorium unter Vorsitz von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) auch den in der Türkei geborenen Wissenschaftler Fuat Sezgin als Vertreter des Islams auszeichnen wollen. "Zur Überraschung der Jury lehnte Sezgin nach einigen Wochen die Auszeichnung ab", hieß es in der Mitteilung. Sezgin erklärte, sein Mitpreisträger Korn habe die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen so einseitig kommentiert, "dass es für seine politische Überzeugung und sein kulturelles Verständnis nicht hinnehmbar sei, den Preis mit ihm anzunehmen".
Darauf suchte die Jury nach einem anderem Preisträger aus der muslimischen Gemeinschaft und schlug den iranischstämmigen Schriftsteller und Orientalisten Navid Kermani vor. Kermani, geboren 1967, lebt in Köln und ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Er sei zunächst bei den anderen Preisträgern auf Zustimmung gestoßen.
Allerdings veröffentlichte Kermani zu Ostern einen Essay in der Neuen Züricher Zeitung, in dem er sich negativ über das christliche Symbol des Kreuzes äußerte: "Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie (Götzendienst)." Daraufhin hätten Kardinal Lehmann und Kirchenpräsident Steinacker erklärt, den Preis nicht gemeinsam mit Kermani annehmen zu wollen.
Die Jury habe versucht, den Beitrag der drei Religionskulturen zur Gesellschaft in Deutschland gemeinsam zu ehren. "Nach den geschilderten Erfahrungen betrachtet das Kuratorium mit großem Bedauern dieses Projekt als vorläufig gescheitert." Es wäre aber unvertretbar gewesen, die bereits ausgesprochene Ehrung für Lehmann, Steinacker, Korn und deren Lebenswerk zurückzunehmen. Man habe weiter beschlossen, den Vorgang öffentlich zu machen, "um damit Debatten anzustoßen, die aus den Erfahrungen lernen lassen".
Der Hessische Kulturpreis hätte ursprünglich am 22. März in Wiesbaden verliehen werden sollen. Die Verschiebung war offiziell mit einer Krankheit Kardinal Lehmanns begründet worden.
- Datum 13.05.2009 - 19:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 6
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Hallo
Man kann von Vertretern einer Religion die vor Intoleranz strotzt, nicht erwarten das sie sich mit Vertretern anderer Religionen auf ein Podest stellen.
Wer die Bedingungen des Preises nicht akzeptiert, und obendrein noch ein wichtiges Symbol einer anderen Religion missachtet, der hat nachdrücklich bewiesen das er des Preises nicht würdig ist.
Darüber nach zu denken wie man den Vertretern dieser Religion noch weiter entgegen kommen kann, damit sie diesen Preis akzeptieren, führt nur dazu genau dieser Intoleranz und gnadenlosen Rechthaberei Tür und Tor zu öffnen.
Gruss
Rene
Das Gekluengel der Preistraeger zeigt, wie sehr ihnen wirklich an Dialog und Verstaendigung gelegen ist. Kinderkram.
Die Verleiher des Preises haben sich vielleicht an der falschen Stelle nach moelgichen Preistraegern umgesehen. Unzaehlige Muslime, Christen und Juden sind in interreligioesen Projekten aktiv. In ihrem kleinen Rahmen tragen sie mindestens genauso zur Verstaendigung der Religionen bei, wie prominente Vertreter organisierter Religionsgemeinschaften, nur eben im Stillen, nicht im Lichte der Oeffentlichkeit.
Und dort, wo es den Menschen wirklich um Verstaendigung geht, nicht um Politik oder PR, sind meines Erachtens die wirklichen Perlen des interreligioesen Gespraechs zu finden, die eine solche Ehrung nicht nur verdient haetten, sondern auch gebrauchen koennten.
"Und sähen sie ein Stück vom Himmel niederfallen, würden sie sagen: "Das ist nur ein Haufen Wolken."
Ich fürchte, daß Kermani mit seinen aggressiven Äußerungen über zentrale Punkte des christlichen Glaubens eher eine authentische repräsentative islamische Position vertritt als sie normalerweise bei "interreligiösen Gesprächen" zu hören ist. Natürlich ist er für eine Auszeichnung für interreligiöse Verständigung damit disqualifiziert. Aber man sollte sich auch fragen, ob solche "Gespräche" nicht total sinnlos sind. Meiner Meinung nach ist das einzige positive Ergebnis, das man von solchen Gesprächen erwarten kann, die Einigung darauf, daß man einander keine Messer in den Bauch rammen sollte. Diesen Punkt kann man in fünf Minuten klären und ansonsten seine Energien sinnvolleren Zwecken zuwenden als dem "christlich-islamischen Dialog".
Auf einer anderen Seite steht, daß Kermani seine Ergüsse gefahrlos in der Neuen Züricher publizieren konnte. Ich bezweifele, daß in auch nur einem einzigen islamischen Land Islamkritik von ähnlichem Grad publiziert werden könnte, ohne daß der Autor oder Herausgeber entweder vom Staat bestraft oder vom Mob gelyncht würden.
gut so, herr sezgin,
ich wüsste auch nicht, wann sich herr korn bezüglich des nahostkonflikts jemals konzilianter gezeigt hätte, als es scharon, netanjahu und konsorten getan haben
Fuat Sezgin hat sich selbst für diese Auszeichnung disqualifiziert.
Ich möchte jedenfalls nicht, dass sich Zentralratsvize Salomon Korn selbst den Mund verbieten muss, nur um anderen designierten Preisträgern die Teilnahme an der Veranstaltung zu "ermöglichen." Soweit sind wir doch wohl hoffentlich wirklich noch nicht, oder?
Ich habe Salomon Korn in der Vergangenheit immer, als sehr sachlich und fundiert argumentierenden Gesprächsteilnehmer in Diskussionsrunden, wie z.B. den "Römerberggesprächen", erlebt. Nein, Herr Sezgin, ich fürchte damit haben Sie sich ein klassisches "Eigentor" geschossen!
Knüppel
P.S. #4 @rami79 Vielleicht sollten Sie Ihre Wortwahl überdenken: "... als es scharon, netanjahu und *konsorten getan haben ..."
(*Konsorten Plur. Mittäter, Beteiligte, Mitschuldige, im 16 Jh. aus lat. consortes)
nein, den mund verbieten soll er sich nicht, aber dass er mit einer auszeichnung für interreligiösen dialog belohnt wird, das stell ich in frage
ach ja, ich werde natürlich meine wortwahl nicht überdenken: israelische politiker, die niemals auf versöhnung mit den palästinensern gesetzt haben und stattdessen siedlungbau, krieg und demütigung vorangetrieben haben, fallen unter die wohl übiche definition von konsorten
nein, den mund verbieten soll er sich nicht, aber dass er mit einer auszeichnung für interreligiösen dialog belohnt wird, das stell ich in frage
ach ja, ich werde natürlich meine wortwahl nicht überdenken: israelische politiker, die niemals auf versöhnung mit den palästinensern gesetzt haben und stattdessen siedlungbau, krieg und demütigung vorangetrieben haben, fallen unter die wohl übiche definition von konsorten
nein, den mund verbieten soll er sich nicht, aber dass er mit einer auszeichnung für interreligiösen dialog belohnt wird, das stell ich in frage
ach ja, ich werde natürlich meine wortwahl nicht überdenken: israelische politiker, die niemals auf versöhnung mit den palästinensern gesetzt haben und stattdessen siedlungbau, krieg und demütigung vorangetrieben haben, fallen unter die wohl übiche definition von konsorten
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