Thomas Hitzlsperger "20-jährige Millionäre – das ist nicht gerecht"

Thomas Hitzlsperger über die Entlohnung von Fußballern, den Mindestlohn und Geld als Motivationshilfe. Alles außer Fußball – das Kolumnengespräch

"Geld allein macht nur kurzfristig glücklich." Auf der Asienreise der Nationalmannschaft signiert Thomas Hitzlsperger Autogramme für Fans in Shanghai

"Geld allein macht nur kurzfristig glücklich." Auf der Asienreise der Nationalmannschaft signiert Thomas Hitzlsperger Autogramme für Fans in Shanghai

ZEIT ONLINE: Herr Hitzlsperger, wie viel Geld bekommen Sie im Monat?

Thomas Hitzlsperger: Es gibt zwei Personengruppen, die mir diese Frage manchmal stellen: Erwachsene, meist, wenn sie angetrunken sind, und kleine neugierige Kinder.

ZEIT ONLINE: Ihre Antwort?

Hitzlsperger: Wie viel Geld ich bekomme, will ich nicht sagen.

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Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite

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ZEIT ONLINE: Und wie viel Geld würden Sie dafür verdienen, dass Sie etwa am vergangenen Samstag einige Traumpässe gespielt haben?

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Hitzlsperger: Man sollte Fußballer nicht nach einzelnen Spielen beurteilen, mal spielen sie schlecht, mal gut. Die größte Leistung, für die viele heute sehr viel Geld bekommen, haben sie in der Jugend erbracht: Sie haben sich gegen Tausende andere Talente durchgesetzt und den Sprung zum Profi geschafft.

ZEIT ONLINE: Verdienen Sie das, was Sie bekommen?

Hitzlsperger: Wie kann man eine Million oder mehr im Jahr verdienen? Im Fußball werden so hohe Gehälter gezahlt, weil das Interesse an diesem Sport hoch ist. Wir fordern diese gigantischen Summen nicht ein. Aber die TV-Sender bezahlen viel für die Übertragung, Unternehmen für Werbung und Fans für Merchandising-Artikel. Das ergibt eine große Summe, von der unter anderem knapp 400 Erstliga-Spieler bezahlt werden. Für die besten Profis geben die Vereine das meiste aus.

ZEIT ONLINE: Die besten Kinderkrankenschwestern bekommen in Deutschland etwa 3000 Euro, die besten Fußballer mehr als 300.000 Euro im Monat. Ist das gerecht?

Hitzlsperger: Die Kinderkrankenschwester arbeitet mehr, oft in Schichten und hat mehr Verantwortung. Auf der anderen Seite sind da 20-Jährige Millionäre: Das ist nicht gerecht. Aber die Fußballer können nichts dafür, dass in ihrem Sport so viel gezahlt wird. Eigentlich müsste das Geld besser verteilt sein, doch das ist wohl eine Ungerechtigkeit, mit der wir leben müssen.

ZEIT ONLINE: Wieso müssen wir damit leben?

Hitzlsperger: Okay, einige Politiker arbeiten daran, dass es nicht schlimmer wird. Wer viel bekommt, muss auch fast die Hälfte als Steuern wieder abgeben.

Leser-Kommentare
    • ben_
    • 12.05.2009 um 18:58 Uhr
    1. Schön

    Eigentlich finde ich ja, dass es fies ist, Sportler zu interviewen und besonders zu Themen die nichts mit Sport zu tun haben. Denn viel zu oft ist das nur ein "Vorführen" und ungefähr so, als würde man Marcel Reich-Ranicki gegen Jürgen Habermas bolzen lassen. Dass Thomas Hitzlsperger aber eine goldene Ausnahme ist hat er ja im Störungsmelder schon bewiesen und mir hat das Interview wirklich gut gefallen, auch und gerade der fairen und spannenden Fragen wegen. Ich freue mich schon auf die nächsten.

    Disclaimer: Ich arbeite bei Zeit Online, habe aber gerade Urlaub und darf deswegen hoffentlich solche Lobhudeleien schreiben, ohne Haue zu bekommen.

    --
    der geist in der maschine

  1. genauso wie wie Basketball, Formel-1, Tennis, Golf etc werden nach den Regeln von Angebot und Nachfrage berechnet. Sicher werden da riesige Summen gezahlt, aber ich sage immer: es gibt Millionen Tennisspieler auf der Welt, aber nur 10 verdienen viel Geld. Was heisst viel ? Einer, der in Deutschland im Sommer auf Baedertournieren spielt und auf der Weltrangliste den Platz 530 einnimmt, hat sich auch schon ein schickes Haus gekauft und faehrt Porsche. Versuchen Sie doch mal, auf Platz 530 zu kommen. So aenhlich ist es ueberall im Profi- Sport.

    • Zel
    • 13.05.2009 um 1:55 Uhr

    Ich finde die Gehälter schon ok! Ob ich nun Hitzelsberger oder wen auch immer gegen Geld beim Fussballspielen zuschaue, dass kann ich frei entscheiden. Will ich nicht, dann muss ich auch nicht zahlen.

    Für die Zockereien von Bankstern hingegen muss ich zahlen, selbst wenn ich nur ein Giro habe und sonst nichts.

    Und Krankenschwestern, nunja. Wer nutzt denn "freiwillig" die Dienste einer Krankenschwester? Das nur in Punkto "Gerechtigkeit", dass die deutlich besser bezahlt werden müssten ist eine andere Frage und da ist klar, dass sie zu wenig verdienen. Ungerecht ist das aber nicht, nur mies.

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    Es stimmt nicht, dass, wer nicht schauen will, auch nicht bezahlt.
    Ich bezahle direkt über meine Rundfunkgebüren, indirekt über Kosten für Stadien, Polizeieinsätze etc. bzw. über Werbekosten, die z. B. meine Telefonrechnung erhöhen.
    Genauso wie ich mit meinen Steuern für betrügerisch agierende Banken bezahle, zahle ich für Kosten, die die Allgemeinheit am Fußball trägt.

    Warum ist die Bezahlung einer Krankenschwester gerecht, aber mies? Vielleicht auch noch gerecht mies?

    Es stimmt nicht, dass, wer nicht schauen will, auch nicht bezahlt.
    Ich bezahle direkt über meine Rundfunkgebüren, indirekt über Kosten für Stadien, Polizeieinsätze etc. bzw. über Werbekosten, die z. B. meine Telefonrechnung erhöhen.
    Genauso wie ich mit meinen Steuern für betrügerisch agierende Banken bezahle, zahle ich für Kosten, die die Allgemeinheit am Fußball trägt.

    Warum ist die Bezahlung einer Krankenschwester gerecht, aber mies? Vielleicht auch noch gerecht mies?

  2. Ich finde es paradox, dass man Spitzenmanagern ihr Gehalt nicht gönnt aber kein Problem damit hat, wenn Jungs einem Ball hinterherlaufen und dafür Millionen bekommen. Es ist sicher nicht einfacher, in die Vorstandsetage der Deutschen Bank zu kommen als bei Bayern München anzufangen. Ein Topmanager hat sich auch gegen Hunderte Konkurrenten durchgesetzt und hart für seine Position gearbeitet.

    Ich glaube, der durchschnittliche Fussballanhänger wünscht sich für seine Mannschaft die besten Spieler und kann es daher nachvollziehen, wenn sein Verein soviel Geld für Spieler XYZ bezahlt. Es ist ja schließlich für den Pokalsieg und Sieger sind wir doch alle gern. Geld spielt da erst einmal eine untergeordnete Rolle.

    Bei einer Bank oder einem Unternehmen fehlt diese Bindung. Als Bankkunde habe ich nichts davon, wenn an der Spitze meiner Bank ein Klasse A-Manager steht oder "nur" ein Manager aus der Kreisliga. Ich hab auch noch keinen Autokorso durch die City fahren sehen nur weil die Deutsche Bank ihren Gewinn mal wieder rekordverdächtig maximiert hat.

    Wichtig ist wohl auch dazu zu sagen, dass wir ja alle beim Sport die größten Experten sind und die Leistungen der Sportler bewerten können. Spieler A ist gut, also ist er sein Geld wert. Aber beim Manager? Den meisten Menschen bleibt doch verschlossen, was ein Unternehmensführer den ganzen lieben langen Tag so macht. Wie soll man dann wissen, ob Ackermann seine 13 Millionen wert ist?

    Nichtsdestotrotz: wer sich mit dem Thema näher beschäftigt wird eine gewisse Idiotie festellen. Einige Sportler sehen nämlich noch schlechter aus als Manager: sie verdienen nicht nur zuviel, sie gefährden auch noch extrem die Umwelt!!! (Formel 1-Fahrer z.B.)

    Ich danke der Zeit für dieses Interview und das Ansprechen dieser wichtigen Frage. Ich habe mich schon länger gefragt, warum das Einkommen von Sportlern nicht ebenso hinterfragt wird. Erläutern wir diese Frage ausführlich, lernen wir mehr über Gerechtigkeit und gerechte Einkommensverteilung als wenn wir nur ständig Manager im Fokus haben.

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    Der Unmut der Bevölkerung gegen Spitzenmanager war auch nicht auf ihr Gehalt bezogen, sondern auf das Bestehen auf Bonunszahlungen trotz schlechter Arbeit.
    Der zweite Grund ist der der persönlichen Vorteilnahme; hat eine Bank bei Spekulationen anfangs noch Gewinne gemacht, wird das Gehalt angehoben. Verspekuliert man sich allerdings werden die Kosten nicht vom Manager getragen, sondern vom Anlegern und bei staatlicher Beteiligung vom Steuerzahler!

    Verliert ein Verein den Meistertitel oder den Platz in der 1.Liga trägt weder der Fußballclubanhänger noch der Steuerzahler einen materiellen Schaden davon!

    Da ist der Unterschied!

    "Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"

    Der Unmut der Bevölkerung gegen Spitzenmanager war auch nicht auf ihr Gehalt bezogen, sondern auf das Bestehen auf Bonunszahlungen trotz schlechter Arbeit.
    Der zweite Grund ist der der persönlichen Vorteilnahme; hat eine Bank bei Spekulationen anfangs noch Gewinne gemacht, wird das Gehalt angehoben. Verspekuliert man sich allerdings werden die Kosten nicht vom Manager getragen, sondern vom Anlegern und bei staatlicher Beteiligung vom Steuerzahler!

    Verliert ein Verein den Meistertitel oder den Platz in der 1.Liga trägt weder der Fußballclubanhänger noch der Steuerzahler einen materiellen Schaden davon!

    Da ist der Unterschied!

    "Diese Zustände werden wir nicht weiter hinnehmen - gegen diesen Haufen kann man sich ja kaum mehr auf der Straße blicken lassen!"

    • Anonym
    • 13.05.2009 um 7:52 Uhr

    Halten wir es kurz: Mit seiner Hände Arbeit kann niemand eine Million Euro im Jahr "verdienen", während andere mit gleicher Hände Arbeit mit einem zwanzigstel zufrieden sein müssen.

    Salus Publica Suprema Lex

  3. Bei einem Mindestlohn von 7,50 Euro sprechen wir über ein Einkommen das Brutto in etwa bei 1300 Euro und Netto bei 920 Euro monatlich liegt. Wer nicht sehen will, dass das ein Hungerlohn ist, der wird sich auch schwer tun zu sehen, wer da eigentlich für Löhne in dieser Höhe bzw. noch weit darunter arbeitet. Eine der Daumen-Regeln hierzu könnte lauten: Jobs in Deutschland (Fußball-Profi ist kein "Job", oder?), die auch mit lediglich gebrochenem Deutsch verrichtet werden können, müssen auch nicht zwingend auf Deutschland-Niveau entlohnt werden. Es reicht Welt-Niveau. Und in den Peripherie-Ländern sieht es ungefähr so aus:

    Der Profi-Golfer Tiger Woods verdient jedes Jahr als Werbeträger des Sportartikelherstellers Nike mehr als die gesamte indonesische Arbeitnehmerschaft, die die beworbenen Artikel herstellt.

    Selbstverständlich brauchen wir hierüber eine öffentliche Debatte. Die kann nicht auf ewig als Neid-Debatte abgetan werden. Und auch nicht mit solch befreienden Erkenntnissen eines 27-jährigen, das Geld allein ja ohnehin nur kurzfristig glücklich macht.

  4. Es stimmt nicht, dass, wer nicht schauen will, auch nicht bezahlt.
    Ich bezahle direkt über meine Rundfunkgebüren, indirekt über Kosten für Stadien, Polizeieinsätze etc. bzw. über Werbekosten, die z. B. meine Telefonrechnung erhöhen.
    Genauso wie ich mit meinen Steuern für betrügerisch agierende Banken bezahle, zahle ich für Kosten, die die Allgemeinheit am Fußball trägt.

    Warum ist die Bezahlung einer Krankenschwester gerecht, aber mies? Vielleicht auch noch gerecht mies?

    Antwort auf "Schon ok"
  5. Der Fußball auf Bundesligaebene hat sich längst zu einem riesigen Wirtschaftsunternehmen entwickelt, zu einem modernen Sklavenhandel ohne emotionale Bindung der Spieler an den Verein.
    Der Markt bestimmt den Preis eines Spielers und daran ist auch nichts auszusetzen. Nur scheinen die Fans das noch nicht begriffen zu haben. Ein Beispiel:
    HSV und Werder Bremen sind Erzrivalen. Werder-Spieler werden ausgebuht und umgekehrt gehts genauso. Aber angenommen, es findet ein Austausch von zwei Spielern nach dem Motto, wer bietet mehr statt, würde aus dem Bremer ein Hamburger und aus dem Hamburger ein Bremer. Ein Neueinkauf des HSV aus Brasilien soll kürzlich gefragt haben, ob der Fluss mit den Schiffen der Rhein sei. Bei einem Hollywoodfilm würden die Fans als Statisten entlohnt, hier zahlen sie hohe Eintrittsgelder.
    Was solls, Hauptsache die Spieler zahlen in Deutschland Steuern und nicht wie unsere Fußballikone Franz Beckenbauer vom FC Bayern und DFB in Oesterreich. Das allerdings ist einfach unanständig.

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