Life Tracking Feldforschung über sich selbstSeite 2/2

Woher kommt das Bedürfnis, Lebensdaten im Netz zu dokumentieren? Ist es eine Ausprägung der menschlichen Sammelleidenschaft? Für Christine Nowak, Kuratorin der Ausstellung "@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog", die zur Zeit im Museum für Kommunikation in Berlin zu sehen ist, sind Life Tracker klassische Tagebuchautoren. "Es kommt darauf an, wie man Tagebuch definiert", sagt sie. "Ein Tagebuch kann natürlich eine therapeutische Ich-Erzählung sein, die sehr lang und sehr tiefgehend ist. Ein Tagebuch  kann aber auch aus scheinbar banalen Fakten bestehen. Solche Tagebücher finden wir nicht nur im Netz, sondern auch auf Papier."

Ein Beispiel ist Exponat der Ausstellung: zwei Dutzend Sparkassen-Terminkalender, in denen ein unbekannter Autor nur eine Art von Daten aufgeschrieben hat – das Mittagessen des jeweiligen Tages. "An einem solchen kargen Datengerüst kann man zusätzliche Erinnerungen anknüpfen, die man nicht aufschreiben muss", sagt Nowak.

Nicholas Feltron sieht noch einen weiteren Nutzen. "Diese Online-Tools ermöglichen Nutzern Selbstfindung, ohne mehr als ein paar Minuten Zeit am Tag in Anspruch zu nehmen." Er selbst sei zum Beispiel immer wieder schockiert, wenn er bemerke, dass er in jedem Jahr weniger Konzerte besuche. Für ihn mache jedoch vor allem die Gesamtheit der Daten den Reiz des Projekts aus. "Es ist eine kunstvolle Darstellung von Banalitäten."

Als Tagebuch im klassischen Sinn sieht Feltron seinen Annual Report nicht. "Für mich ist es eher ein Versuch, aus meinem eigenen Leben Inhalte zu generieren, und daher am ehesten mit einem Reisebericht zu vergleichen." Feldforschung über sich selbst.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 14.05.2009 um 8:29 Uhr

    Wen juckts, was irgendein Typ gestern zu Mittag hatte?

    Salus Publica Suprema Lex

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Frage hat eine einfache Antwort. Der Typ selber. Ich halte ein elektronisches Tagebuch für mindestens interessant, zumal ich eh schneller und leserlicher tippe als ich schreiben kann. Dazu kommt, dass es sich übersichtlicher gestalten lässt.
    Das schöne ist daran ja gerade, dass man sich nicht nur darüber informieren kann, was man gestern gegessen hat, sondern wie oft man über das Jahr was gegessen hat. Man muss sich natürlich auf einer gewissen Ebene für sich selbst interessieren, aber das kann ja durchaus der Fall sein.

    Die Frage, wen´s außer dem Schreibenden juckt kann ich aber auch nicht beantworten. Aber es gibt anscheinend Leute die sogarfür eine solche Lektüre ihre Freizeit verwenden.

    Die Frage hat eine einfache Antwort. Der Typ selber. Ich halte ein elektronisches Tagebuch für mindestens interessant, zumal ich eh schneller und leserlicher tippe als ich schreiben kann. Dazu kommt, dass es sich übersichtlicher gestalten lässt.
    Das schöne ist daran ja gerade, dass man sich nicht nur darüber informieren kann, was man gestern gegessen hat, sondern wie oft man über das Jahr was gegessen hat. Man muss sich natürlich auf einer gewissen Ebene für sich selbst interessieren, aber das kann ja durchaus der Fall sein.

    Die Frage, wen´s außer dem Schreibenden juckt kann ich aber auch nicht beantworten. Aber es gibt anscheinend Leute die sogarfür eine solche Lektüre ihre Freizeit verwenden.

  1. Die Frage hat eine einfache Antwort. Der Typ selber. Ich halte ein elektronisches Tagebuch für mindestens interessant, zumal ich eh schneller und leserlicher tippe als ich schreiben kann. Dazu kommt, dass es sich übersichtlicher gestalten lässt.
    Das schöne ist daran ja gerade, dass man sich nicht nur darüber informieren kann, was man gestern gegessen hat, sondern wie oft man über das Jahr was gegessen hat. Man muss sich natürlich auf einer gewissen Ebene für sich selbst interessieren, aber das kann ja durchaus der Fall sein.

    Die Frage, wen´s außer dem Schreibenden juckt kann ich aber auch nicht beantworten. Aber es gibt anscheinend Leute die sogarfür eine solche Lektüre ihre Freizeit verwenden.

    Antwort auf "Ich spreche es aus"
  2. Man kann Alltagsdinge auch mit einem Handy zählen. Dazu habe ich eine kostenlose Software entwickelt: den Handylearn Counter.
    Es überrascht mich immer wieder, wofür die Leute es verwenden:
    Farben der Ratten, Anzahl der "Ähms" in einem Seminar, yogische Mantras, Anrufer und Störungen im Büro...
    Viele der Nutzer kommen aus Russland und in China.

    Das ist manchmal sogar echte Lebenshilfe:
    Einige nutzen es, um persönliche Probleme wie Depressionsanfälle aufzuzeichnen. So etwas aufzuzeichen ist ein erster Schritt, die Kontrolle darüber zu erhalten.

    Die Software gibt es, wie gesagt kostenlos, unter http://handylearn-project...

    Viele Grüße

    Karsten Meier

  3. Einen Vorteil sehe ich darin um sich die Details des Lebens vielleicht ein wenig bewusster zu machen. Das zugänglich für andere zu machen ist nicht schlecht und macht vielleicht auch mal klar, das wir eben alle mit kleinen Dingen zu tun haben. Wie oft fragt man sich denn auch was andere so tun? Diese Form lässt dann vieleicht auch mal ein spektakulär anmutendes Leben ganz normal erscheinen. Vorausgesetzt der Autor schmückt die Daten nicht der Aufmerksamkeit halber aus.

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