Paintball-Verbot Ein Sieg für die Waffenlobby

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden will die Große Koalition Paintball verbieten. Das Waffenrecht rührt sie kaum an – und setzt auf sinnlose Symbolpolitik

Große Zufriedenheit herrscht dieser Tage bei den Innenpolitikern der Großen Koalition. Nach wochenlangen Beratungen wollen sie endlich die richtige Antwort auf die Frage gefunden haben, welche Konsequenzen der Staat aus dem Amoklauf von Winnenden zu ziehen habe.

Wer allerdings gehofft hatte, die Großkoalitionäre würden das Nahe liegende tun und verhindern, dass Jugendliche überhaupt noch tödliche Schusswaffen in die Hände bekommen, der darf sich wundern: Es wird weiterhin erlaubt sein, großkalibrige Waffen im heimischen Waffenschrank zu lagern. Auch der Vorschlag, wenigstens die Munition aus Privatwohnungen zu verbannen, ist vom Tisch. Jugendliche dürfen weiter im Schützenverein das Zielen üben, ab 18 Jahren gern auch mit großkalibrigen Waffen.

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Statt der Sportschützen und ihren scharfen Waffen haben die Großkoalitionäre ein anderes Übel ausgemacht: Paintball-Spieler, die sich in leer stehenden Industriehallen mit Farbmunition beschießen. Geht der Vorschlag der Innenexperten von SPD und Union noch im Mai durchs Parlament, was wahrscheinlich ist, wird Paintball künftig verboten sein. Wer es dennoch spielt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss bis zu 5000 Euro Strafe zahlen.

Bloß kein blinder Aktionismus – das war die einhellige Meinung der Innenpolitiker aller Parteien nach der Bluttat von Winnenden. Doch genau das ist es jetzt geworden. Mit dem Paintball-Verbot setzt die Große Koalition auf sinnlose Symbolpolitik.

Denn Paintball, von dem SPD-Mann Wiefelspütz behauptet, es sei sittenwidrig, ist nichts anderes als eine moderne Variante des uralten "Räuber und Gendarm". Dass sich Menschen in solchen Spielen messen, ist natürlicher als jeder Top-Model-Wettbewerb. Wenn eine Gesellschaft Spiele wie Paintball toleriert, spricht das nicht für ihre angebliche Kriegslüsternheit, sondern nur dafür, dass sie es geschafft hat, den urmenschlichen Drang, sich mit anderen zu messen, in geregelte und ungefährliche Bahnen zu lenken. Fechten und Boxen sind nichts anderes.

Paintball wird gespielt von Anwälten und Ärzten, von Bauarbeitern und Bankern. Gern werden die Hallen im Rahmen von Managerseminaren gebucht, um die Teamfähigkeit des Führungspersonals zu trainieren. Entscheidend ist aber: Kein Jugendlicher kann durch das Spiel zu einem Amoklauf animiert werden, denn erlaubt ist Paintball in Deutschland erst von einem Alter von 18 Jahren an.

Nicht zu Unrecht sehen sich die rund 20.000 Paintball-Spieler in Deutschland jetzt als Bauernopfer einer Politik, die nach dem Amoklauf Ergebnisse vorweisen muss. Denn ursächlich dafür, dass die Schießerei mit Farbkügelchen bald verboten sein wird, ist weniger die Aggressivität des Spiels als vielmehr die der Schützenlobby.

Leser-Kommentare
  1. Nun weis auch der Letzte das Politiker ihre Waehler fuer Vollidioten halten!

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    das wirklich Schlimme ist doch, dass Sie damit recht haben.
    Ich lese gerne die Zeit, doch guck dir mal die Verkaufszahlen von "Bild" an.
    Ich finde diese Zahlen sprechen schon eine sehr deutliche Sprache, wie es um Deutschland steht.
    Auf das immer besser werdende TV Programm will ich jetzt mal ga nicht eingehen.

    das wirklich Schlimme ist doch, dass Sie damit recht haben.
    Ich lese gerne die Zeit, doch guck dir mal die Verkaufszahlen von "Bild" an.
    Ich finde diese Zahlen sprechen schon eine sehr deutliche Sprache, wie es um Deutschland steht.
    Auf das immer besser werdende TV Programm will ich jetzt mal ga nicht eingehen.

  2. Amokläufer, Populisten und politische Idioten

    Forderungen nach einer Verschärfung des Waffengesetzes, ein Verbot von Gewaltvideos und Gewaltspielen hört man in jüngster Zeit wieder sehr häufig. Die Fordernden sind mitunter Volksvertretern, welche ein Rollenspiel nicht von einem „Killerspiel“ unterscheiden könne.
    Es wirkt schon absurd, die Gründe für eine solche Tat, größtenteils in der fiktionalen, nicht jedoch in der Realen Welt zu suchen.
    Doch halt, Paintball ist da genau richtig, um von der eigenen politischen Unfähigkeit bzw. Unwillen abzulenken.
    Immer offensichtlicher scheint, dass wir, von Lobbyisten und nicht von unseren Politikern regiert werden.

    Die Diskussion die seit Winnenden wieder ins Rollen gekommen ist, wirkt schon fast surreal.
    Die Schuldigen waren erst Mitwisser im Internet anschließen, wie „BILD“ zeigte, Schützenvereine die Jugendlichen an „Großkalibrigen“ Luftgewehren den Umgang mit Waffen erlernen, der Vater (wohl auch zurrecht) der komplette Berufsstand der Lehrer und nun schlussendlich die Gotchaspieler.

    Des Pudels Kern sollte weniger die Frage bilden, unter welchen Umständen er an die Waffe gelangte ist oder wie er den Plan entwickelt hat und ob Anzeichen dafür erkannt hätten werden müssen.
    Die eigentlich offensichtliche Frage sollte doch viel mehr lauten: „Was führt dazu, dass ein Jugendlicher solch einen Hass entwickelt.
    Man las von Depressionen, möglich das dies etwas dazu beitragen kann.
    Unbestritten ist jedoch, dass eine Depression eine Erkrankung des Geistes ist. Möglicherweise sollte man diese jedoch nicht als ein isoliertes Problem des Einzelnen betrachten, sondern als Symptom einer krankenden Gesellschaft.
    Liegen die Gründe für dieses Grauen in dem Verarmen an zwischenmenschlichen Beziehungen und Werten durch die sich immer weiter ausbreitende Oberflächlichkeit der heutigen Konsumgesellschaft.
    Hat dieser Junge vielleicht sich und 15 andere getötet, als er feststellte, dass er mit der heutigen Lifestyle und Konsumgesellschaft nicht schritt halten konnte?
    War es die Erkenntnis, dass ihm verwärt blieb, was anderen leicht fällt?
    War dies sein Weg, „Protest“ an unserer Gesellschaft zu äußern?

    Endgültig wird man diese Frage wohl nie beantworten können.
    Doch sollte jedem klar sein, dass das schärfste Waffengesetz, das weitest reichende Verbot von Gewaltspielen, Videos oder Paintball nicht verhindern wird, dass ein junger Mensch mit der „richtigen“ Motivation solch eine Tat erneut ausführt.

  3. Also manchmal gibt es wirklich Dinge, zu denen einem nichts mehr einfaellt, das ist einfach nur laecherlich und man kann nur Kommentar 1 beipflichten!

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    ... als da davon gefaselt wurde, dass Kinderpornosperren Kinder vor Missbrauch schützen. Und jetzt gehts mir auch schon wieder so.

    [Rest entfernt, bitte diskutieren Sie sachlich und mäßigen Sie Ihre Ausdrucksweise/ Redaktion; svb]

    ... als da davon gefaselt wurde, dass Kinderpornosperren Kinder vor Missbrauch schützen. Und jetzt gehts mir auch schon wieder so.

    [Rest entfernt, bitte diskutieren Sie sachlich und mäßigen Sie Ihre Ausdrucksweise/ Redaktion; svb]

    • pekka
    • 08.05.2009 um 16:16 Uhr

    ab sofort muss auch räuber und gendarm verboten werden, denn unsere kinder müssen vor diesem sittenwidrigen spiel geschützt werden, auch piratenkostüme darf es in ukunft nicht mehr geben, denkt doch mal an unsere kinder

  4. Kein Politiker, kein Gesetz und kein Verbot wird jemals im Gehirn angesammelte Hassgefühle besänftigen können.
    Dieser Schritt geht - wie kann man das anders auch erwarten - völlig in die falsche Richtung.

    Aber hej! Nicht wundern, wenn bald Völkerball auch verboten wird.

    Und solche Idioten wählen wir...noCo

    • cure
    • 08.05.2009 um 16:18 Uhr

    Wenn nach so einer Lachnummer von Entscheidung auch noch "große Zufriedenheit" herrscht, dann ist das wohl eine Kapitulation des Verstandes vor der Unfähigkeit. Wir werden nicht von intelligenten und vernünftigen Politikern regiert, sondern sind Opfer von unfähigen Machtversessenen, die, anstelle sich um ein Problem wirklich zu kümmern, der Lobby das Recht geben, die am lautesten schreit.

    Das durch solch unnütze Aktionen kein Vertrauen in die Politik entsteht, übersehen die werten Damen und Herrn leider.

    Dieser Regierung kann ich nur mein Misstrauen bezüglich ihrer Regierungsfähigkeit aussprechen.

  5. Nachdem hier in der werten Leserschaft ziemlich einhellig die Meinung vertreten wird, dass ein Paintball-Verbot populistischer Aktionismus ist, spare ich mir jede weitere Argumentation in dieser Richtung. Ich sehe es halt auch so.

    Aber ich muss den Autor doch kritisieren, dass er für diesen jämmerlichen Versuch der Politik die Waffenlobby verantwortlich macht. Immerhin haben wir hier in Deutschland keine US-amerikanischen Verhältnisse mit einer NRA, sondern kleine Schützenvereine, die Landesjagdvereine und ähnliches (Der Rüstungslobby, die es sicher in dieser Form gibt, dürfte eine Verschärfung des nationalen Waffenrechts eh ziemlich wurscht sein). Die Vereine als Waffenlobby hinzustellen wäre sicher zuviel des Guten.

    Ich bin selber Jäger und könnte die Jagd mit einer bei der Polzei verschlossenen Waffe bzw. Munition nicht mehr ausüben (das würde zwar sicher manchen Tierfreund Recht sein, aber das ist ein anderes Thema). Kontrollen der Waffenunterbringung (auch nach bisherigem Recht möglich) gab es zwar etwa jährlich zu Zeiten der DDR, seit 1990 aber nicht mehr. Das war den Behörden wohl zu arbeitsintensiv...

    Der Vorschlag in den Vereinen zentrale Depots einzurichten, dürfte and den Kosten (immerhin stehen dann da Duzende an Waffen mit der zugehörigen Munition) und dem Personal (wer soll denn die Ausgabe und Rücknahme kontrollieren?) scheitern.

    Also immer her mit guten Ideen, aber sie müssen auch Sinn machen und praxistauglich sein.

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    Die Lösungen die mir vorschweben bauen auf eine Kooperation mit dem Schützenverein. Amokläufe mit Schußwaffen wie in Winnenden wären nicht möglich, wenn es keine *funktionsfähige* Waffen zu Hause gäbe.

    1.) Bei zerlegbaren Waffen sollte mindestens ein kritisches (schwer zu beschaffendes Teil) immer im Vereinsheim lagern. Verantwortung für die Ablieferung/Ausgabe trägt ein Waffenwart des Vereins.
    2.) Wenn das nicht möglich ist, könnte man Schlösser für Abzug oder Lauf entwickeln, bei denen nur ein Waffenwart des Vereins den Schlüssel hat. Auch das würde verhindern, dass man funktionierende Waffen mit nach Hause nimmt.
    3.) Man kann natürlich auch die komplette Waffe an einem sicheren Ort lagern
    4.) Wenn 1.), 2.) oder 3.) technisch nicht möglich sein sollten, dürfen in Zukunft nur noch Waffen in Deutschland verkauft werden, die 1.) oder 2.) ermöglichen.

    PS: Um die Jäger geht es nicht, sondern um Schützenvereine und ihre vielen Millionen Waffen zu Hause.

    • Olly66
    • 08.05.2009 um 16:38 Uhr

    wenn zentrale Verwahrung, dann nur Munition. Waffen und Munition getrennt:
    Nicht in 2 Schränken, sondern in 2 entfernten Gebäuden!

    Die Einschätzung bezüglich des Paintballverbots ist in diesem Forum und wohl auch außerhalb relativ einhellig.

    Aber:
    Ein Sieg der Waffenlobby?
    Das ist in etwa so als ob Kritik an der Steueroase Schweiz ein Sieg der Österreich-Lobby wäre. Die "Waffenlobby", soweit es so etwas in Deutschland in echter organisierter Form gibt, hat ganz bestimmt kein Interesse an völlig an der Realität vorbeigehender Anlassgesetzgebung. Wenn so ein Gesetzesvorschlag nämlich reingeht sind das nächste Mal eben die Jäger oder die Schützen drann. Die Vertreter dieser Gruppen sind sicher nicht so blöd das nicht zu wissen...
    Es ist ganz einfach: Langsam gehört einmal das Verbieten verboten.

    Ich wäre für Folgendes: Es ist grundsätzlich verboten, Schusswaffen zu Hause zu lagern - es gibt aber Ausnahmeregelungen für Jäger etc., Leute die wie Sie durch Ihren Beruf zwingend auf Waffen angewiesen sind und bei denen andere Lösungen einfach nicht praktikabel sind.

    Meiner Einschätzung nach dürfte gerade von Jägern und deren Kindern eh keine grosse Amoklauf-Gefahr ausgehen.

    Die Lösungen die mir vorschweben bauen auf eine Kooperation mit dem Schützenverein. Amokläufe mit Schußwaffen wie in Winnenden wären nicht möglich, wenn es keine *funktionsfähige* Waffen zu Hause gäbe.

    1.) Bei zerlegbaren Waffen sollte mindestens ein kritisches (schwer zu beschaffendes Teil) immer im Vereinsheim lagern. Verantwortung für die Ablieferung/Ausgabe trägt ein Waffenwart des Vereins.
    2.) Wenn das nicht möglich ist, könnte man Schlösser für Abzug oder Lauf entwickeln, bei denen nur ein Waffenwart des Vereins den Schlüssel hat. Auch das würde verhindern, dass man funktionierende Waffen mit nach Hause nimmt.
    3.) Man kann natürlich auch die komplette Waffe an einem sicheren Ort lagern
    4.) Wenn 1.), 2.) oder 3.) technisch nicht möglich sein sollten, dürfen in Zukunft nur noch Waffen in Deutschland verkauft werden, die 1.) oder 2.) ermöglichen.

    PS: Um die Jäger geht es nicht, sondern um Schützenvereine und ihre vielen Millionen Waffen zu Hause.

    • Olly66
    • 08.05.2009 um 16:38 Uhr

    wenn zentrale Verwahrung, dann nur Munition. Waffen und Munition getrennt:
    Nicht in 2 Schränken, sondern in 2 entfernten Gebäuden!

    Die Einschätzung bezüglich des Paintballverbots ist in diesem Forum und wohl auch außerhalb relativ einhellig.

    Aber:
    Ein Sieg der Waffenlobby?
    Das ist in etwa so als ob Kritik an der Steueroase Schweiz ein Sieg der Österreich-Lobby wäre. Die "Waffenlobby", soweit es so etwas in Deutschland in echter organisierter Form gibt, hat ganz bestimmt kein Interesse an völlig an der Realität vorbeigehender Anlassgesetzgebung. Wenn so ein Gesetzesvorschlag nämlich reingeht sind das nächste Mal eben die Jäger oder die Schützen drann. Die Vertreter dieser Gruppen sind sicher nicht so blöd das nicht zu wissen...
    Es ist ganz einfach: Langsam gehört einmal das Verbieten verboten.

    Ich wäre für Folgendes: Es ist grundsätzlich verboten, Schusswaffen zu Hause zu lagern - es gibt aber Ausnahmeregelungen für Jäger etc., Leute die wie Sie durch Ihren Beruf zwingend auf Waffen angewiesen sind und bei denen andere Lösungen einfach nicht praktikabel sind.

    Meiner Einschätzung nach dürfte gerade von Jägern und deren Kindern eh keine grosse Amoklauf-Gefahr ausgehen.

    • Olly66
    • 08.05.2009 um 16:34 Uhr

    Dummheit und Lobbyhörigkeit unserer Politnasen sind kaum noch überbietbar.
    Ich zitiere BAP: "Ihr sit widderlich!"

    Zudem ist es eine zynische Verhöhnung der Opfer.

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