Nahost-Reise Papst zeigt sich mit Palästinensern solidarisch

Erneut eine heikle Etappe seiner Nahostreise: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen fuhr der Papst nach Bethlehem. Am Nachmittag besucht er Kriegsflüchtlinge

Bei seiner Ankunft in der Geburtsstadt Jesu wurde der Papst von dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas begrüßt

Am sechsten Tag seiner Reise durch den Nahen Osten traf Benedikt XVI. am Mittwochmorgen in Bethlehem ein. Der für den Nachmittag geplante Besuch des Flüchtlingslagers Aida in der Stadt ist Benedikts erster Besuch in den Palästinensergebieten als Oberhaupt der katholischen Kirche. In einem Fahrzeugkonvoi passierte er mit seiner Delegation die umstrittene israelische Sperranlage, die Bethlehem und Jerusalem trennt. Bei seiner Ankunft in der Geburtsstadt Jesu wurde er von dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas begrüßt.

Bei dem Treffen mit Abbas erneuerte Benedikt seine Forderung nach einem Palästinenser-Staat. "Der Heilige Stuhl unterstützt euer Recht auf ein souveränes palästinensisches Heimatland auf dem Gebiet eurer Vorfahren", sagte Benedikt bei der Begrüßungszeremonie vor dem Präsidentenpalast in Bethlehem. Ein solcher Staat müsse "in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen" entstehen.

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Der Papst äußerte Solidarität mit den Palästinensern und ihrem Leid. "Ich weiß, wie viel Ihr gelitten habt", sagte er. "Mein Herz ist mit all den Familien, die ihr Zuhause verloren haben", sagte er über die palästinensischen Flüchtlinge. Das Leiden sei "eine Folge des Aufruhrs, der dieses Land seit Jahrzehnten heimsucht", wandte sich der Papst an die Palästinenser und erwähnte ausdrücklich den jüngsten Krieg im Gaza-Streifen. Er rief die jungen Palästinenser auf, trotz der schwierigen Lage nicht zu verbittern und den Mut zu haben, jeder Versuchung zu widerstehen, auf Gewalt und Terror zurückzugreifen.

Präsident Abbas dankte Benedikt für seine Haltung und sein Mitgefühl "für das Leiden unseres Volkes". Er rief zu einer Friedensvereinbarung mit Israel auf der Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung auf. Der Papst "ist hier und teilt unsere Pein und unsere Ziele", sagte Abbas. Die Hoffnung, von der Benedikt gesprochen habe, "ist ein Hoffen auf ein Morgen ohne Besetzung, ohne Kontrollpunkte, Mauer, Flüchtlinge und Gefangene, dafür aber mit einem Zusammenleben im Heiligen Land."

Die seit Ende März amtierende israelische Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, den Benedikt am Donnerstag treffen soll, hat die Bildung eines Palästinenser-Staates infrage gestellt.

Im Laufe des Tages wird der Papst in Bethlehem auf dem Vorplatz der Geburtsbasilika eine Messe feiern. Danach besucht er privat die Geburtsgrotte, eine weitere heilige Stätte. Anschließend fährt Benedikt zum Caritas Baby Hospital, in dem Kinder aus Bethlehem, Hebron, Jericho, Flüchtlingslagern und Beduinen-Dörfern behandelt werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Zum Gestern:

    1933 unterzeichnet Papst PIUS XI. mit dem Dritten Reich das Reichskonkordat; dies hatte zur Folge, dass katholische Oppositionsbewegungen gegen Hitler außer Kraft gesetzt werden. Diese Duldung des NS-Regimes hätte Papst Benedikt in Yad Vashem durchaus verurteilen können. Habe ich etwas überlesen?

    Zum Heute:

    Die Anerkennung der palästinensichen Rechte auf einen eigenen Staat hat der Papst ziemlich schnörkellos gefordert. Er hätte aber an gleicher Stelle das Existenzrechts Israels genauso schnörkellos bekräftigen können.

    In diesem Kontext erkenne ich eine Bevorzugung der Rechte der Palästinenser und eine Relativierung der Rechte Israels.

    _______________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

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    Nun, Israel findet doch Unterstützung in allen westlichen Regierungen und Medien. Warum sollte der Papst denn nochmals auf ein Existenzrecht Israels hinweisen? Er unterstützt die 2 Staaten-Lösung. Das ist doch allgemein bekannt!
    Sie erkennen darin eine Bevorzugung der Palästinenser??!! Na, da ist Ihnen aber wirklich ein Kunststück gelungen....

    • Gafra
    • 13.05.2009 um 11:55 Uhr

    besagt diese Formulierung?!
    "in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen"
    Genau, auch Israels Grenzen sollen anerkannt sein!

    Nun, Israel findet doch Unterstützung in allen westlichen Regierungen und Medien. Warum sollte der Papst denn nochmals auf ein Existenzrecht Israels hinweisen? Er unterstützt die 2 Staaten-Lösung. Das ist doch allgemein bekannt!
    Sie erkennen darin eine Bevorzugung der Palästinenser??!! Na, da ist Ihnen aber wirklich ein Kunststück gelungen....

    • Gafra
    • 13.05.2009 um 11:55 Uhr

    besagt diese Formulierung?!
    "in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen"
    Genau, auch Israels Grenzen sollen anerkannt sein!

  2. Nun, Israel findet doch Unterstützung in allen westlichen Regierungen und Medien. Warum sollte der Papst denn nochmals auf ein Existenzrecht Israels hinweisen? Er unterstützt die 2 Staaten-Lösung. Das ist doch allgemein bekannt!
    Sie erkennen darin eine Bevorzugung der Palästinenser??!! Na, da ist Ihnen aber wirklich ein Kunststück gelungen....

    • Gafra
    • 13.05.2009 um 11:55 Uhr

    besagt diese Formulierung?!
    "in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen"
    Genau, auch Israels Grenzen sollen anerkannt sein!

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    aber dann müsste Israel doch erst einmal mitteilen, wo es seine Grenzen sieht.
    Bisher ist Israel weltweit der einzige Staat, der von anderen Staaten eine
    Anerkennung seines Existenzrechtes verlangt, aber nie mitteilt, wo seine Staatsgrenzen verlaufen.

    aber dann müsste Israel doch erst einmal mitteilen, wo es seine Grenzen sieht.
    Bisher ist Israel weltweit der einzige Staat, der von anderen Staaten eine
    Anerkennung seines Existenzrechtes verlangt, aber nie mitteilt, wo seine Staatsgrenzen verlaufen.

  3. ...soll Benedikt das Existenzrecht Israels anerkennen, nur, damit es auch alle gehört haben!?

    Die Gedenkstätte ist ein Ort der Stille und nicht der Ort für eine politische Rede.

    Und dass Benedikt sich jetzt den Schwachen und Unterdrückten zuwendet, entspricht urchristlichem Selbstverständnis.

  4. 5. Gerne,

    aber dann müsste Israel doch erst einmal mitteilen, wo es seine Grenzen sieht.
    Bisher ist Israel weltweit der einzige Staat, der von anderen Staaten eine
    Anerkennung seines Existenzrechtes verlangt, aber nie mitteilt, wo seine Staatsgrenzen verlaufen.

    Antwort auf "Und was meinen Sie,"
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    • Gafra
    • 13.05.2009 um 12:34 Uhr

    zu ihrer Meinung!
    Ich habe nur auf den Herrn geantwortet, der meinte, dass der Papst das Existenzrecht Israels nicht ebenso betont habe.
    Eigentlich meine ich, dass ich nicht in jeder Diskussion jede Nuance und jedes Argument wiederholen muss, welche ich schon in x Diskussionen vorher angeführt habe.
    Einfach eine kurze Antwort auf eine bestimmte Frage muss doch auch mal genügen, oder?!:-))

    • Gafra
    • 13.05.2009 um 12:34 Uhr

    zu ihrer Meinung!
    Ich habe nur auf den Herrn geantwortet, der meinte, dass der Papst das Existenzrecht Israels nicht ebenso betont habe.
    Eigentlich meine ich, dass ich nicht in jeder Diskussion jede Nuance und jedes Argument wiederholen muss, welche ich schon in x Diskussionen vorher angeführt habe.
    Einfach eine kurze Antwort auf eine bestimmte Frage muss doch auch mal genügen, oder?!:-))

    • Gafra
    • 13.05.2009 um 12:34 Uhr

    zu ihrer Meinung!
    Ich habe nur auf den Herrn geantwortet, der meinte, dass der Papst das Existenzrecht Israels nicht ebenso betont habe.
    Eigentlich meine ich, dass ich nicht in jeder Diskussion jede Nuance und jedes Argument wiederholen muss, welche ich schon in x Diskussionen vorher angeführt habe.
    Einfach eine kurze Antwort auf eine bestimmte Frage muss doch auch mal genügen, oder?!:-))

    Antwort auf "Gerne,"
  5. über das Existenzrecht des Staates Israel. Was ist mit dem Existenzrecht der palästinensischen Bevölkerung in ihrer Heimat? Der heutige Staat Israel hat nunmal nichts mehr mit dem zugesprochenen Staatsgebiet zu tun. Aus. Punkt.

    One world, one love!

  6. In einer Grussbotschaft hat sich der Papst auch mit deutschen Vertriebenen solidarisiert. Er sprach von "Heimat bedeutet Lebensfreude". Seltenes Feingefühl gegenüber deutschen Vertriebenen, denen man gern die Schuld für ihre Vertreibung in die Schuhe schiebt

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    • TDU
    • 13.05.2009 um 14:40 Uhr

    Wann wird eigentlich akzeptiert, dass der Papst nicht die Ausgewogenheit eines Poltikers schuldet. Er darf dem Täter wie dem Opfer seinen Segen erteilen, wenn er im Sinne seiner Religion handelt. Und wenn er beim Opfer ist, braucht er an den Täter nicht zu denken. Er grenzt auch nicht aus, denn er bestimmt nicht und macht keine weltlichen Gesetze, die beide betreffen.

    Und er ist zwar Deutscher, aber auch Papst von Millionen Gläubigen anderer Länder. Der Papst muss nicht mehr leisten als die, die sich haben wählen lassen, mit dem Versprechen, die Verhältnisse zu regeln.

    Ein weiterer Gesichtspunkt ist vielleicht der, dass er als Denker leere Worte scheut und weiss wie falsch Unbedachtes sein kann. Vielleicht sagt er, im Gegensatz zu manchem Politiker, dann lieber nichts, und das ist auch gut so. Interessant ist ja auch, dass manche, die mit seinem Glauben nichts zu tun haben wollen, ständig hochpolitische Antworten einfordern. Wieso eigentlich? Vielleicht sollte der Papst mal diese in Glaubensfragen in die Pflicht nehmen.

    Es wäre zu wünschen, wenn sich auch in der Frage der Judenvernichtung und beim Prozess gegen Demjanuk eine gewisse Sachlichkeit breit machen würde. Nicht wegen des Vergessens, sondern wegen der ständigen Instrumentalisierung, der gegenüber sich irgendwann auch der Gutwilligste die Ohren zuhalten könnte.

    • TDU
    • 13.05.2009 um 14:40 Uhr

    Wann wird eigentlich akzeptiert, dass der Papst nicht die Ausgewogenheit eines Poltikers schuldet. Er darf dem Täter wie dem Opfer seinen Segen erteilen, wenn er im Sinne seiner Religion handelt. Und wenn er beim Opfer ist, braucht er an den Täter nicht zu denken. Er grenzt auch nicht aus, denn er bestimmt nicht und macht keine weltlichen Gesetze, die beide betreffen.

    Und er ist zwar Deutscher, aber auch Papst von Millionen Gläubigen anderer Länder. Der Papst muss nicht mehr leisten als die, die sich haben wählen lassen, mit dem Versprechen, die Verhältnisse zu regeln.

    Ein weiterer Gesichtspunkt ist vielleicht der, dass er als Denker leere Worte scheut und weiss wie falsch Unbedachtes sein kann. Vielleicht sagt er, im Gegensatz zu manchem Politiker, dann lieber nichts, und das ist auch gut so. Interessant ist ja auch, dass manche, die mit seinem Glauben nichts zu tun haben wollen, ständig hochpolitische Antworten einfordern. Wieso eigentlich? Vielleicht sollte der Papst mal diese in Glaubensfragen in die Pflicht nehmen.

    Es wäre zu wünschen, wenn sich auch in der Frage der Judenvernichtung und beim Prozess gegen Demjanuk eine gewisse Sachlichkeit breit machen würde. Nicht wegen des Vergessens, sondern wegen der ständigen Instrumentalisierung, der gegenüber sich irgendwann auch der Gutwilligste die Ohren zuhalten könnte.

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