Fusion Piëch serviert Porsche-Chef Wiedeking ab

Der Porsche-Chef hat den Machtkampf wohl verloren. Der VW-Aufsichtsrat kann sich im künftigen Fusionskonzern keine Spitzenposition für ihn vorstellen

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist im Übernahmekampf um VW in die Defensive geraten. Eben noch Angreifer muss er nun selbst um seinen Job fürchten. Der Aufsichtsratschef von Volkswagen, Ferdinand Piëch, fand gerade deutliche Worte zur Fusion und zu den Schulden, die sich Porsche damit eingehandelt hat: "Porsche muss seine finanziellen Probleme selbst lösen – Volkswagen wird das nicht tun", sagte Piëch am Rande einer Präsentation des neuen VW Polo auf Sardinien. Sein Unternehmen werde die finanziellen Risiken, die bei Porsche durch Optionsgeschäfte mit VW-Aktien angefallen sind, nicht übernehmen.

Porsche hatte sich bei seinen Plänen für eine Übernahme von VW finanziell übernommen. Die Stuttgarter schieben seit ihrer Beteiligung von 51 Prozent an VW einen hohen Schuldenberg von mindestens neun Milliarden Euro vor sich her. Am vergangenen Mittwoch hatten sich die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch auf einen Zusammenschluss mit dem VW-Konzern geeinigt. Innerhalb von vier Wochen soll ein Plan für einen integrierten Konzern mit insgesamt zehn Marken entstehen. Seither ringen beide Seiten um Einfluss in dem neu geschaffenen Konstrukt.

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Auf die Frage, ob Porsche-Chef Wiedeking noch sein Vertrauen genieße, sagte Piëch: "Zur Zeit noch". Kurz darauf schob er nach: "Streichen Sie das 'noch'!". Wiedeking sei zwar "persönlich bemüht, den Reifendefekt rückgängig zu machen". VW-Chef Martin Winterkorn sei für Volkswagen indes "der Bessere". Auch eine Position als Markenchef kommt aus Sicht des VW-Aufsichtsratschefs nicht in Betracht: "Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut – ich weiß nicht", sagte er.

Piëch hat mit derartigen Andeutungen bereits mehrere Managerkarrieren beendet. Zuletzt hatte Bernd Pischetsrieder gehen müssen, nachdem Piëch Zweifel angemeldet hatte, ob der VW-Chef noch das Vertrauen des Betriebsrates habe. Wiedeking bekommt damit von Piëch auch die Quittung für sein eigenes Auftreten in den vergangenen Jahren. Im monatelangen Ränkespiel um die Macht bei VW hatte sich der Machtmensch Wiedeking viele Gegner gemacht. Schon früh hatte er klar gemacht, bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben – in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. Welche Wirkung Piëchs Worte noch immer haben können, zeigte sich auch an der Börse. Der Aktienkurs des Sportwagenherstellers verlor teilweise bis zu sieben Prozent.

Nach Ansicht von Piëch steht für den VW-Aufsichtsrat vor der Fusion mit Porsche zunächst die Lösung der Finanz-Probleme des Zuffenhausener Autobauers im Mittelpunkt. Für Porsche sei es im Augenblick schwer, Geld aufzutreiben. VW treibe dagegen leichter Kredite auf. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar, sagte Piëch: "Das ist eine der Lösungen. Favorisiert ist, was schnell und schmerzarm geht." Zur Höhe eines möglichen Kaufpreises sagte Piëch nichts. "VW zahlt nur soviel, wie es an Wert bekommt."

Dem möglichen Einstieg eines dritten Investors bei Volkswagen zur Lösung der Finanzprobleme erteilte er zunächst eine Absage. "Ich kann mir keine guten Bedingungen für VW und Porsche erwarten, wenn da ein Dritter dazukommt." Zunächst müssten die akuten Probleme gelöst werden. Wenn diese erledigt sein, sei ein weiterer Investor natürlich willkommen.

Mit dem VW-Gesetz, dass dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität bei wichtigen Entscheidungen einräumt, habe er dagegen keine Probleme, sagte Piëch. "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben. Die Zeit wird zeigen, dass es geht. "Ebenso zuversichtlich zeigte er sich, was den Namen des neuen Konstrukts betraf. Von Doppelnamen wie Volkswagen-Porsche hält er wenig. Den Namen Auto-Union fände er dagegen nicht schlecht, lässt er durchblicken. Aber bis dahin dürften wohl einige Jahre vergehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Demontage der Wirtschaftsführer, die bis vor kurzem als Vorbilder herhalten durften, ist zugleich auch die Demontage ihrer Ideen und Konzepte: Fusionen, Privatisierungen, Deregulierungen - der ganze Katechismus versinkt im Orkus. Da haben die Politiker es besser: Sie haben keine Konzepte und sind auch keine Vorbilder - also kann ihnen nichts passieren!

    • TDU
    • 12.05.2009 um 14:48 Uhr

    Herr Wedeking, es ging doch auch ohne Staat und seine Schranzen. Und auch ohne die Herrschaft mittelmäßiger Kostenrechner von Herrn Piech mal abgesehen, aber der kann nicht ohne sein Netzwerk.

    Nehmen Sie doch Ihr Geld und bringen Sie ihre Erfahrungen in einen neuen "Porsche" ein. Mit umweltfreundlicher Technologie und einer Mannschaft, die hinter Ihnen steht.

  2. ... weil der arme Ferdinand "Burli" Piëch seiner Lebtag nicht verwunden hat, kein "echter" Porsche zu sein, sondern "nur" den von 1941 bis 1945 amtierenden Hauptgeschäftsführer der Volkswagenwerk GmbH zum Vater zu haben. Dieser Anton Piëch war es übrigens, der seinerzeit die Produktion vom "KdF-Wagen" weg hin zur Rüstungsproduktion (u. a. "Wunderwaffe" V 1) bewerkstelligt und hauptsächlich mit Zwangsarbeitern aus dem "Lager Wolfsburg" aufrechterhalten hat. Wer sich auch nur halbwegs mit "Fugen Ferdl" und seinem Werdegang auseinandergesetzt hat, der wußte schon von Anfang an, daß Wiedeking von vornherein auf verlorenem Posten stand – 80 Mio im Jahr hin, Gewinn größer als Umsatz her. Jetzt hat "Burli" seinen Willen und ist endlich, endlich Chef von Porsche, wie es ihm in seinem Weltbild zusteht. Brav, Burli!

    • Seckel
    • 13.05.2009 um 10:51 Uhr

    Porsche kann ohne weiteres als das gelten, was sprichwörtlich damit bezeichnet ist, wenn jemand wie die Jungfrau zum Kinde kam. Ohne eigenes Zutun Verbindlichkeiten in fast zweistelliger Milliardenhöhe sich einzufangen ist indes das Eine. Analog der Tätigkeit eines Fischers diese einzuholen der zweite Schritt. Der Erste Vorsitzende der IG Metall bot dabei anlässlich seiner Rede am 01.05.09 bereits vorab durch die wissenschaftliche Verwendung des Begriffs des "Systemischen" seine Dienste an (vgl. Galbraith, J. K.: Die moderne Industriegesellschaft, München/Zürich, 1968, S. 308). Ihn zu deklinieren bleibt dabei die Funktion von Porsche, auch wenn die IG Metall sich anbietet, das Buchstabierte gegenzulesen. Es kann in dieser Hinsicht deshalb nicht abserviert werden, weil die Herren noch nicht zu Tisch sind.

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