Die deutschen Liberalen sind stets für populistische Parolen gut. Ihr jüngster PR-Coup: Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger forderte, dass die Kommando-Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr gegen Seeräuber vorgehen und Geiseln befreien sollen.

Für die Geiselbefreiung war bereits die Antiterroreinheit GSG 9 am Golf von Aden präsent. Diese Spezialeinheit der Bundespolizei ist dafür zuständig, anders als die KSK-Soldaten. Denn Piraten sind Verbrecher, keine feindlichen Soldaten. Die GSG 9 ist für Geiselbefreiungen ausgebildet, die Einheit hat mit der Erstürmung der Lufthansa-Maschine Landshut vor mehr als 30 Jahren bewiesen, dass sie solche Einsätze meistern kann.

Dennoch hat das Bundeskabinett die Befreiung der Geiseln auf dem deutschen Schiff Hansa Stavanger zu Recht abgebrochen, der Einsatz war zu riskant. Denn ein Containerschiff bietet unzählige Verstecke für die Piraten. Die Elitekämpfer hätten Raum für Raum durchsuchen müssen, die Seeräuber sind schwer bewaffnet und hätten Zeit gehabt, ihre Opfer zu töten.

Eine Befreiungsaktion ist für die Polizisten und die Geiseln risikoreich und sollte nur erwogen werden, wenn die Verhandlungen um eine Freilassung gescheitert sind. Gewalt muss eine Ultima Ratio bleiben.

Deutsche Politiker nennen die Einsätze amerikanischer und französischer Spezialeinheiten als Vorbild für Geiselbefreiungen. Doch diese Operationen fanden auf kleinen, gut überschaubaren Segeljachten und einer Rettungsinsel statt. Und dennoch starb beim französischen Angriff auf die Jacht Tanit eine der vier Geiseln, höchstwahrscheinlich durch die Kugel eines Soldaten.

Welcher Politiker, der sich jetzt mit harten Tönen zu profilieren versucht, würde die Verantwortung für ein Blutbad an Bord der Hansa Stavanger oder eines anderen deutschen Schiffes übernehmen?

Ein härteres militärisches Vorgehen gegen Geiselnehmer im Golf von Aden, wie es auch schon Politiker der Union gefordert haben, hätte zudem einen weiteren negativen Effekt: Wenn die Seeräuber sich bedroht fühlen, ziehen sie sich mit ihren Geiseln ans Land zurück. In Somalia erlebten amerikanische Spezialeinheiten bereits einen Alptraum, "Black Hawk Down" steht für eine der größten Demütigungen des US-Militärs.

Politiker sollte sich deswegen gut überlegen, was sie fordern. Sie haben anscheinend zu wenig mit Experten und Militärs gesprochen.

Rainer Arnold, SPD-Obmann im Verteidigungsausschuss des Bundestags, forderte am Mittwoch eine 24-stündige Luftaufklärung am Horn von Afrika. Eine Luftaufklärung gibt es aber dort bereits – eine Maschine der Bundesmarine ist daran beteiligt. Doch Wunderdinge sind von den Seefernaufklärern nicht zu erwaten.

Die Piraten schlagen längst auf hoher See zu, nicht mehr nur vor der ostafrikanischen Küste. Das Gebiet ist riesig, der Aufwand für eine Luftaufklärung rund um die Uhr kaum absehbar.

Zudem verwenden die Seeräuber sogenannte Mutterschiffe, mit denen sie kleine Schnellboote, Waffen und Treibstoff transportieren. Dafür benutzen sie gekaperte Fischerboote – aus der Luft sind diese nur sehr schwer als Piratenschiffe zu erkennen. Und auch die kleinen Boote einheimischer Fischer können leicht mit denen der Piraten verwechselt werden.