Wahlkampf 2009 Zaghafte SozialdemokratenSeite 2/2
Westen hatte Verständnis, war aber entsetzt. Erklären? Überzeugen? Vernunftpolitik? Gewiss doch, aber um Himmels willen nicht so! Obama kann die Menschen elektrisieren, schrieb Westen. Das sei sein großes Talent! „Aber wenn du Strom hast, dann ist es das Letzte, was du möchtest, ihn abzuschalten und dich stattdessen im Detail von Transistoren, Elektronen und überhaupt der ganzen Elektrotechnik zu verlieren.“
Obama, so erzählte Westen seinen Berliner Zuhörern, hatte und hat vor allem ein Problem: Er vermeide es instinktiv, aber auch aus Überzeugung, seinen politischen Gegner direkt zu attackieren, ob politisch oder gar persönlich. So zögere er auch weiterhin, die politische Ursache der Finanzkrise zu benennen, nämlich die konsequente Deregulierungspolitik der Republikaner seit Präsident Reagan. „Es wurden Fehler gemacht“, das sei das Äußerste, was man von ihm zu hören bekomme.
„Franklin Roosevelt hat es nicht versäumt, die Große Depression der 30er Jahre an den schuldigen Präsidenten zu binden: Er sprach von Hoover’s depression.“ Wenn Obama es weiterhin vermeide, die Fronten zu klären und die Schuldigen zu benennen, würden die Amerikaner in zwei Jahren die dann noch spürbaren Folgen der Wall-Street-Katastrophe mit Obama verknüpfen. Das könnte gut der Anfang vom Comeback der Republikaner und damit der wahren Schuldigen werden.
Es war, als hätte der Guru aus dem Westen das Problem der deutschen Sozialdemokraten studiert, um ihnen eine Botschaft zu vermitteln. Doch dass viele Zuhörer an ihre Minister in der Großen Koalition dachten, vor allem an die Zurückhaltung des Kanzlerkandidaten gegenüber der Kanzlerin, war vom Gast keineswegs beabsichtigt. Er wisse nicht, ob seine Erfahrungen übertragbar seien, versicherte er ein ums andere Mal. Wie soll man einem Amerikaner auch das innere System einer Großen Koalition vermitteln? Und dann hatte Westen doch noch eine Wahlkampferinnerung parat, die wie eine stille Post an Frank-Walter Steinmeier wirkte. Die Wende im US-Wahlkampf 2008 sei am 16. September gekommen, einen Tag nach dem Zusammenbruch der Lehmann-Borthers-Bank. Das war der Tag, an dem Obama seinen Gegner John McCain ausdrücklich als Erben der verfehlten Politik der Republikaner bezeichnete. Wer ihn wähle, der wähle weitere vier Jahre Bush-Politik.
„The Day the Momentum Changed“ überschrieb der Autor am 22. September seine Huff Post-Kolumne. Heute, im Rückblick, sagt er: „Obama war in den Umfragen soeben von McCain überholt worden. Von da an ging es wieder bergauf. Das war die Entscheidung.“
- Datum 13.05.2009 - 10:16 Uhr
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- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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sinnvoller, nachzuforschen, was SIE SELBST falsch macht, beziehungsweise, was Obama richtig macht. Schließlich unterscheidet er sich von ihr doch prinzipiell darin, dass ER Erfolg hat...
Gab es etwa in der Vergangenheit keine Situationen, wo man hätte etwas lernen können, und hat die Bundesregierung daraus gelernt.
Unter Lernen versteht man den absichtlichen (intentionales Lernen) und den beiläufigen (inzidentelles und implizites Lernen), individuellen oder kollektiven Erwerb von geistigen, körperlichen, sozialen Kenntnissen und Fertigkeiten. Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses (verarbeiteter Wahrnehmung der Umwelt oder Bewusstwerdung eigener Regungen) aufgefasst.
Kennt jemand auch nur einen Politiker aus der Bundesregierung, der dazu in der Lage wäre? Wir brauchen ein Politik und Politiker Upgrade.
... hat Herr Obama letzten November die US-Praesidentschafts-Wahl gewonnen, und zwar ziemlich ueberzeugend, mit Siegen in Staaten die bislang traditionell fuer republikanische Kandidaten stimmten (wie Virginia und Indiana). Er hat Rekord-Spenden gesammelt, eine Menge neuer Helfer mobilisiert, und hat immer noch 65% Zustimmung in der Bevoelkerung. Allzu viel kann er also bislang nicht falsch gemacht haben.
Dass in jeder Kampagne, und in jeder Praesidentschaft, auch Fehler gemacht werden, ist logisch. Obama's politische and sonstige Fehler sind jedoch bis jetzt eher geringfuegig. Wenn ich die SPD waere, wuerde ich momentan eher darauf schauen, was Obama alles richtig gemacht hat, nicht was er falsch gemacht hat.
Und bezueglich des Punktes, Obama vermeide die direkte Attacke auf den Gegner: Das tut er keineswegs. Allerdings geht er bei seinen Attacken ueberlegt vor und vermeidet Angriffe, denen die faktische Basis fehlt. So ist vielleicht der "Guru" Herr Westen der Ansicht, dass die Alleinschuld an der Finanzkrise in der "republikanischen Deregulierung seit Reagen" liegt ... bewiesen ist das deshalb aber noch lange nicht. (Und selbst wenn es so waere, was ja moeglich ist, hatte die "republikanische Deregulierung" auch unzaehlige Vorteile, die man fairerweise mit in die Rechnung einbeziehen muss, aber ich will mich da jetzt nicht lange mit aufhalten.) Also vermeidet Obama hier schlauerweise eine unnoetige Attacke, die ihm vielleicht 5 Minuten auf cable news eingebracht haetten, aber kein bisschen zur Loesung der Probleme der USA beigetragen haette. (Es ist zwar richtig, dass Obama sich im Wahlkampf bei zwei, drei Gelegenheute dazu hat hinreisen lassen, unbasierte Attacken zu fahren. Allerdings waren das m.E. genau die Momente, in denen er am wenigsten ueberzeugte.)
Bei der Bevoelkerung kommt sein Verzicht auf plumbe Attacken jedenfalls sehr gut an. Die Amerikaner sind naemlich nicht alle so bescheuert, wie viele immer denken. Wenn Obama weiterhin besonnen regiert, und weiterhin wohlueberlegte Aussagen macht (die durchaus eine emotionale Ebene ansprechen koennen) anstatt einfach nur "soundbites" abzusondern (wie es 3/4 des SPD-Personals tut), wird ihm die Bevoelkerung auch bei der naechsten Wahl die Stange halten.
...wir brauchen erst einmal einen deutschen george w bush, um einen deutschen obama wertschätzen zu können...
die spd resp. franky steinmeier hätte den new yorker lesen sollen, schon vor längerem, bzw. um das nachzumachen auch schon viel früher anfangen müssen...
http://www.newyorker.com/...
Obama hat gewonnen weil er frischen Wind ins Land gebracht hat, ansonsten hätte Clinton die Primaries und auch die Wahl gewonnen. Und er hat Charisma. Und er hatte fast keine Altlasten (Rev. Wright ist nichts im Vergleich zur Agenda 2010). Kann sich irgendjemand da draußen Steinmeier als Visonär vorstellen, als eloquenten, mitreißenden Redner. Bei der deutschen Sozialdemokratie klingt ein "Jesch wie gänn" gerdezu lächerlich, zumal die SPD an der Regierung beteiligt ist. Doch Obamas größter Trumpf war G.W. Bush, der fehlt der SPD gewaltig. Und Obama profitierte von der Wirtschaftspolitik Bushs, Steinmeier müsste sich von seiner eigenen Arbeit distanzieren.
Man könnte wahrscheinlich noch Stunden damit verbringen, die Unterschiede zwischen Obama und Steinmeier aufzuzählen. Eines lässt sich aber mit Bestimmheit sagen, wenn die SPD glaubt so gewinnen zu können, dann tut sie das, was sie in letzter Zeit am besten konnte: sich selbst etwas vormachen und dabei die Realität immer mehr aus den Augen zu verlieren...
Kann man in der deutschen Politik nicht einmal etwas machen, ohne irgendwo abzukupfern? Die CDU schreit Jes wie Kän, die SPD holt sich irgendeinen Berater für viel Geld ins Haus.
Leute von der Union und der SPD! Merkt Ihr nicht, dass Ihr immer bloß am Abkupfern seit? Ein Politiker vom Schlage Obamas wäre in Euren Parteien undenkbar. Man hätte ihn längst kaltgestellt oder aus der Partei der Parteiräson wegen hinausgeekelt.
Macht endlich Eure eigenen Kampagnen - und lasst sie nicht immer von anderen aus Amerika machen. Bloß weil etwas aus Amerika kommt, bedeutet noch lange nicht, dass es auch gut für uns und bei uns praktikabel ist.
es ginge darum, seine Wähler endlich einmal ernst zu nehmen und ihren Auftrag zu erfüllen.
es ginge darum, seine Wähler endlich einmal ernst zu nehmen und ihren Auftrag zu erfüllen.
Der amerikanische Wahlkampf-Guru Drew Westen hat die deutschen Sozialdemokraten besucht und ihnen erzählt, was Obama falsch machte. Ob die deutschen Linken davon lernen?
...Bis dahin habe ich gelesen...weiter konnte ich nicht, der Lachkrampf hat mich davon abgehalten...
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