Staatsfinanzen Schätzerkreis erwartet 320 Milliarden Steuerausfälle

Bund, Länder und Kommunen müssen sich auf weniger Einnahmen einstellen als bislang geplant. Bis 2013 fehlen rund 320 Milliarden Euro in den Staatskassen

Das Ausmaß der Steuerausfälle für die Staatskassen nimmt Konturen an: Bis 2013 müssen sich Bund, Länder und Kommunen auf rund 320 Milliarden Euro weniger Einnahmen einstellen als bisher geplant. Das zeichnete sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei den Beratungen der Steuerschätzer in Bad Kreuznach ab. Das endgültige Ergebnis soll am Donnerstag bekannt gegeben werden.

Für dieses Jahr könnten sich die Steuerausfälle für die öffentlichen Haushalte infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise auf rund 45 Milliarden Euro im Vergleich zu früheren Prognosen belaufen. Das Minus dürfte im nächsten Jahr nochmals größer ausfallen.

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Steuerausfälle in diesem Ausmaß hat es bisher noch nicht gegeben. Zuletzt war befürchtet worden, dass die Mindereinnahmen im Vergleich zu früheren Prognosen sich sogar auf bis zu 350 Milliarden Euro summieren könnten und der Gesamtstaat allein in diesem Jahr auf Einnahmen von 48 Milliarden Euro verzichten muss. Zu Buche schlägt nicht nur der Konjunktureinbruch, sondern auch die von der Koalition bereits beschlossene Steuerentlastung für Bürger und Wirtschaft.

Unterdessen kommt die Union im Streit über den Zeitplan für Steuersenkungen nach den Bundestagswahlen nicht zur Ruhe. Aus Sicht der CDU-Spitze ist eine Entlastung angesichts der Haushaltslage vor 2012 unmöglich. Sie hält weitere Steuersenkungen erst für die zweite Hälfte der nächsten Wahlperiode für realistisch. Ein Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung sagte, die interne Einigung stimme genau mit dem überein, was Ministerpräsident Günther Oettinger seit Langem fordere. Angesichts der Milliarden-Löcher im Bundeshaushalt sei eine Entlastung frühestens 2012/2013 denkbar.

Offenbar ist dies aber nicht die offizielle Parteilinie. So lässt Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel den Zeitplan weiter offen. "Es gibt noch keine Festlegung", sagte ein Parteisprecher. Dagegen hatte die Passauer Neue Presse zuvor berichtet, dass Merkel Steuersenkungen für 2010 und 2011 ausschließe. Die CSU-Kritik folgte umgehend. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte Steuersenkungen möglichst rasch nach den Wahlen. Er hält es für nicht sinnvoll, sich auf die zweite Hälfte der Wahlperiode festzulegen. "Steuersenkungen so schnell wie möglich - das muss unsere Botschaft gegen die Krise sein."

Auch Steinbrück sieht bis 2013 keine Möglichkeit für Steuererleichterungen. Sein Sprecher Torsten Albig sagte, angesichts der Steuerausfälle könne eine Steuersenkung bis 2013 von niemandem verantwortlich betrieben werden. Haushaltspolitiker der Unions-Fraktion im Bundestag rechnen mit einer Schuldenexplosion allein beim Bund bis 2013 um fast 500 Milliarden Euro. Die Gesamtverschuldung des Staates würde dann auf weit mehr als zwei Billionen Euro steigen.

Die Debatte wurde auch durch eine OECD-Studie zur Steuer- und Abgabenlast in 30 Industrieländern angeheizt. Danach werden in kaum einem anderen Land die Einkommen von Gering- und Durchschnittsverdienern mit so hohen Sozialabgaben und Steuern belastet wie in Deutschland. Bei Top-Einkommen hingegen sinkt laut der Untersuchung von einem bestimmten Verdienst an die Belastung wieder.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht in dieser hohen Steuerbelastung mittlerer Einkommen eine Wachstumsbremse: "Wir müssen sie sobald wie möglich deutlich senken." Die Entlastungen durch das zweite Konjunkturpaket seien ein guter Anfang, aber bei Weitem nicht ausreichend.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, Gutverdiener stärker in die Pflicht zu nehmen. Während Unternehmen und Spitzenverdienste vergleichsweise geschont würden, seien die Arbeitnehmer die "Packesel der Nation", sagte DGB-Vorstand Claus Matecki dem Tagesspiegel. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte Reformen in allen Zweigen der Sozialversicherung. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin verwies darauf, dass der Löwenanteil der Belastungen gerade im Niedriglohnbereich die Sozialabgaben ausmachten. Deshalb müssten diese gesenkt werden.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Weltfinanzsystem-Krise zeigt nun langsam ihre häßliche Fratze, wobei die fühlbaren Auswirkungen in Form von fühlbaren Kürzungen erst noch kommen werden!

    Ein 8-Minuten-Interview mit Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt UNCTAD,

    macht eindrucksvoll deutlich, wie das Weltfinanzsystem grundlegend geändert werden müsste, damit aus dem

    abzockenden Banken-Casino-System wieder ein der Wirtschaft dienendes Kredit-Versorgungs-System wird.

    Über Finanzmärkte, Marktwirtschaft und Konjunkturprogramme-
    -zum grundlegenden Wandel des Weltfinanzsystems:

    http://www.wdr.de/tv/moni...

    Dass dies nur über internationale weltinnenpolitische Verträge möglich deutlich ist, macht das Interview ebenfalls deutlich:

    Das von neoliberalen Deregulierungswahn deregulierte Weltfinanzsystem mus endlich weltethos- und weltinnenpolitikbasiert reguliert werden:

    Der globale Markt erfordert ein globales Ethos:

    http://www.weltethos.org/...

  2. Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir bereits einen Schritt weiter.

    Dass es immer Unterschiede im Lohnniveau geben wird ist klar. Aber es sollte eine Kopplung der Höchsteinkommen an die Niedrigstlöhne geben. Einen Faktor der in Stein gemeißelt sein muss. Wer sich nicht dran hält, die Welt ist groß; geh mit Gott aber geh. Bei 6 Milliarden (80 Mio. in D) Menschen werden sich bestimmt immer ausreichend qualifizierte für die entsprechenden Jobs finden die z.B. einen Manager erfordern. Und wie die Krise eindeutig beweist; aus Managerhintern kommt auch nur verdautes Essen.

    Außerdem ist es, zumindest in meinen Augen, eine Frage der Logik, dass Konsum nur entstehen kann wenn Wohlstand, in Form von Geld, möglichst gleichmäßig verteilt ist. Dann ist nämlich tatsächlich viel Geld in der Realwirtschaft unterwegs. Dann können Massenprodukte gekauft werden und nicht nur ab und zu ein Sondermodell von dem 10 Stück pro Jahr gefertigt werden. Das mag auch eine Wirtschaft ankurbeln. Aber ganz bestimmt nicht die Weltwirtschaft. Eher so eine Art Protektionswirtschaft.

    So wie es heutzutage aussieht ist 70% des Geldes in den Händen von 20% der Bevölkerung und die "lassen es arbeiten". Mit anderen Worten - es liegt in einem Bankserver und Excel errechnet Zinsen.

    Klar ist auch, dass die entsprechenden Großverdiener (>50000€/Jahr - wobei das für mich schon den Ersparnissen mehrerer Jahrzehnte gleichkäme) sich beschweren werden wenn man ihnen, zum Wohle aller, etwas wegnimmt. Aber dieses Problem ist hausgemacht. Man vermisst nicht was man nicht kennt. Wäre das Steuer- und Abgabensystem von vornherein auf ordentliche Nachhaltigkeit getrimmt worden, wären solche ausufernden Reichtümer nie entstanden. Zumindest hätte man eher reagieren können.

    Aber wenn der Bock auch zugleich Gärtner ist,....-die Politik, der beste Freund der Wirtschaft....Bürger, was ist das?

    • OIKOS
    • 13.05.2009 um 23:09 Uhr

    In Anbetracht der Tatsache, daß es in unserem Land Menschen gibt, die mit 470 Euro Rente im Monat auskommen müssen, dürfen die Steuern nicht gesenkt werden. Gegen Sozialabbau!

  3. Steuerausfülle von 320 bis 350 Mrd. € geistern seit Tagen durch die Presse. Damit reiht sich auch Zeit-on-Line in den Reigen der Angstmacher ein. Im Text folgt dann der Hinweis, dass es sich um die Summe der mittelfristigen Finanzplanung handelt. Für das Jahr 2009 könnten Steuerausfälle von 70 Mrd. € möglich sein. Dieser Ausfall tritt nur dann ein, wenn auf das ganze Jahr und nicht auf einen Teil des Jahres es bei einen Rückgang des BSP von 6 Prozent bliebe. Dabei gibt es Hinweise vom IFO-Institut, dass die Talsohle etwa Mitte des Jahes erreicht sein dürfte. Also mit ein gesamtjährlichen Rückgang des BSP von 6% nicht unbedingt zu rechnen ist.

    In Wirklichkeit geht es wohl mehr darum, die Begehrlichkeiten der Fachminister zu bremsen, die noch mehr Staatsknete haben wollen. Egal, wo sie herkommt. In diesen Canon reiht sich auch die CSU ein, die eine Steuersenkung noch in 2010 fordert, damit sie ihre Mehrheiten in Bayern verteidigen kann.

    Im Ergebnis darf man feststellen, die Planungen sind zu einer Posse verkommen, die nichts mehr Seriösität zu tun hat. Hysterie fördert Angst und Angst war immer schon ein schlecher Ratgeber. Man denke an die Machtergreifung nach Weimar.
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    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

  4. 350 Milliarden in 4 Jahren? Warum kommt einem das inzwischen wie "Peanuts" vor - angesichts von allein 480 Milliarden Bankenbürgschaften in D seit Ende 2008? Die Symbolik hinter diesen verschobenen Relationen: Don't panic - das Zeug ist eh bald nichts mehr wert, und bald kommt wieder die Rentenmark!

    • peto1
    • 14.05.2009 um 9:52 Uhr

    Die Mammons von heute sind die Banken und sie werden Angebetet von der Regierung...man fühlt sich heute wie in der Eisen zeit, bald kommt auch die Hexenjagd in die mode, also alle rotharigen nehmt euch in acht.

  5. ...... indem der UN-Chef-Ökonom Flassbeck ja ebenfalls zu Worte kommt :-)

    Zum Glück gibt es ja doch einige Experten, denen man vertrauen kann !

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