VW/Porsche Wiedeking, ein stolzer Verlierer
Der Porsche-Chef hat den Kampf um VW verloren, nun verhandeln beide Konzerne über eine Fusion. Wiedeking scheiterte an sich selbst – seine Bilanz jedoch ist beachtlich
Seit diesem Montag beraten Betriebswirte, Juristen und Strategen darüber, wie das Autoimperium Volkswagen/Porsche künftig aussehen soll. Bis Ende Juni wollen die Verhandler zu einem Ergebnis kommen. Ob Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dann noch einen Platz in der Spitz des vereinten Unternehmen haben wird, ist unsicher. Die Presse jedenfalls schrieb ihn am Wochenende schon einmal ab. „Wiedeking wird abgeschmolzen“, urteilte die Süddeutsche Zeitung.
Nach 17 Jahren, in denen Wedeking Porsche von einem abgewirtschafteten Übernahmekandidaten zum profitabelsten Autokonzern der Welt machte, scheint nun doch noch genau das zu geschehen, was viele 1992 als größte Gefahr für das Zuffenhausener Unternehmen ansahen: Es wird eingegliedert in einen Großkonzern. Aus dem stolzen Traditionsbetrieb wird eine Marke unter anderen im Volkswagenkonzern – und ist dort nicht einmal die einzige Sportwagenmarke. Bugatti ist schon da. Da hilft das Wort vom „integrierten Autokonzern“ auch nicht viel.
So also könnte die Geschichte des bestverdienenden deutschen Managers enden. Die wohl größte Spekulation, die Deutschland nach dem Krieg sah, geht nicht auf. Die trickreichen Finanzgeschäfte, mit denen Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter ihren Angriff auf den um ein Vielfaches größeren Wolfsburger Konzern führten, wenden sich in der Krise gegen sie selbst.
Niemand hätte das vor fünf Jahren von diesem Mann erwartet. Denn dieser Wiedeking ist ein Kaufmann, wie man ihn sich nur wünschen kann. Einer, der langfristig denkt, der sagt: „Profit ist nicht alles, es muss auch andere Orientierungsparameter geben.“ Ein Manager, der dagegen wettert, wenn Industrien (auch die eigene) kräftig Subventionen kassieren. Der andere Manager angreift, die trotz hoher Gewinne Jobs ins Ausland verlagern. Der schon früh das allzu lockere Verteilen von Millionenprämien anprangerte. Der immer ein Sicherheitsnetz unter seine Geschäfte spannte.
Als seine Maxime formulierte Wiedeking: Zuerst komme der Kunde, weil der das Geld gebe, dann die Mitarbeiter und Partner, also die Zulieferer und Dienstleister, und erst danach die Aktionäre. Die Belegschaft feiert ihn heute noch dafür.
- Datum 23.07.2009 - 11:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Eines sollte man nicht vergessen, VW stand vor der Gefahr einer Übernahme durch ausländische Finanzkonzerne und vor der Gefahr, daß die EU das VW-Gesetz für ungültig erklärt (da herrscht bis heute noch nicht Klarheit).
Ich kann mir daher gut vorstellen, daß es auch einen Plan B gegeben hat, bzw. gibt. Der große Vorteil dieser ganzen Spekulation ist doch die Gewissheit, daß VW nicht international verteilt, sondern in deutscher Hand bleibt.
Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich muß sagen, die Porsche-Leute bauen fantastische Autos.
Verhängnisvoll für Porsche ist nach wie vor, dass insbesondere dessen Werkschutz es unterlässt, das von Womack/Jones unter dem Titel "Lean Thinking" in Umlauf gebrachte Oxymoron nicht kassiert. Von Finanzmärkten für bare Münze genommen, stiegen die Preise allenthalben durch diese Fiktion und nicht nur Porsche handelte sich immense Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe ein, sondern zerstörte Existenzen folgten und Menschen nahmen sich ihr Leben. In den bislang äußerst vernachlässigten und brach liegenden Werkschutz zu investieren, lohnt sich daher auch künftig bei Porsche, wenn die Zuffenhausener Fabrik ein ernstlicher Wettbewerber sein will.
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