Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und die Hinterbliebenen von Winnenden wollen mit einer Unterschriftenaktion breiten Widerstand gegen die Waffenrechtspläne der Koalition organisieren. BDK-Chef Klaus Jansen sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Was die Koalition beschlossen hat, ist reine Kosmetik. Diesen Kniefall vor der Waffenlobby werden wir Union und SPD nicht durchgehen lassen." Der BDK und das Aktionsbündnis Winnenden würden eine Internetseite veröffentlichen, um den Protest gegen die völlig unzureichenden Koalitionspläne bundesweit zu bündeln.

Die Innenexperten der großen Koalition hatten sich am Dienstagabend in Berlin darauf verständigt, dass Waffenbesitzer stärker kontrolliert werden sollen. Auslöser der geplanten Gesetzesänderung war der Amoklauf eines Schülers im baden-württembergischen Winnenden.

Wer sich Kontrollen verweigert, muss mit behördlichen Sanktionen rechnen. Wer seine Waffen nicht ordnungsgemäß aufbewahrt, riskiert nach Angaben des SPD-Abgeordneten Michael Hartmann bis zu drei Jahre Gefängnis, wenn seine Waffen entwendet werden.

Wie Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte, ist außerdem geplant, Spiele wie Paintball, Gotcha oder Laserdom, bei denen die Tötung des Gegner simuliert wird, mit Bußgeldern zu ahnden.

Beide Bundestagsfraktionen müssen dem Verhandlungsergebnis noch zustimmen, damit es Ende Mai in den Bundestag eingebracht werden kann. Dann wäre ein Inkrafttreten der Reform noch vor der Wahl im September möglich.

Die Koalition verständigte sich ferner darauf, die Altersgrenze für das Schießen mit großkalibrigen Waffen von 14 auf 18 Jahre zu erhöhen. Auch sollen die Behörden künftig häufiger prüfen können, ob die Voraussetzungen für einen Waffenbesitz noch vorliegen.

Geplant ist außerdem, Waffen mit biometrischen Sicherungen zu versehen. Schließlich soll es eine Amnestieregelung für unerlaubten Waffenbesitz geben.

BDK-Chef Jansen kritisierte, dass die Koalition die Hauptrisiken für Amoktaten mit ihren Gesetzesplänen nicht ausschalte. SPD-Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper sprach hingegen von einem "guten Ergebnis". Die Koalition habe ein ganzes Bündel von Maßnahmen geschnürt. "Das verbesserte Waffenrecht bedeutet einen deutlichen Fortschritt für die Sicherheit im Land."