Elektro-Antrieb Das Prinzip Carrera-Bahn

Wie bei Spielzeugautos: Elektrisch betriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft über die Fahrbahn mit Strom versorgt werden. Induktion macht's möglich.

Die Idee klingt, als sei sie von der Carrera-Bahn im Kinderzimmer inspiriert: Wenn in einigen Jahren nur noch Elektroautos durch die Welt rollen, warum sollten sie sich nicht einfach während der Fahrt Energie tanken? Spezielle Fahrspuren auf den Autobahnen könnten das ermöglichen. Über Leitungen im Fahrbahnbelag würde die Batterie des Wagens automatisch aufgeladen.

Das zumindest ist ein Projekt, an dem die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig und dem Energieübertragungsunternehmen Vahle arbeitet. Sogar eine Demonstrationsstrecke gibt es schon – im Maßstab 1:28, befahren von modifizierten Modellautos.

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"Vision Elektromobilität 2050" haben die Partner ihr Projekt getauft. Auf Schleifbügel, wie sie die Spielzeugautos haben, wollen die Erfinder im echten Leben sogar verzichten: Die Batterie lädt sich ohne Berührung auf, per Magnetfeld. "Das Prinzip heißt Induktion", erklärt Wilfried Nietschke, zuständiger Bereichsleiter der IAV. Eine Änderung des magnetischen Flusses kann elektrische Spannung erzeugen – ohne dass zwischen den beiden beteiligten Medien eine mechanische Verbindung bestehen muss.

Auf diese Art werden beispielsweise elektrische Zahnbürsten mit Strom versorgt, auch der Induktionsherd in der Küche erhitzt den Topf nach dem gleichen Prinzip. Und es gibt sogar Fahrzeuge, die heute schon per Induktion mit Elektrizität versorgt werden: unbemannte Transportfahrzeuge für den Lagerbetrieb. Mit denen kennt sich die Firma Vahle aus, Mitglied der Forschungsgruppe "Vision Elektromobilität".

Um die Idee in die Tat umzusetzen, müssten gar nicht alle deutschen Autobahnen mit den entsprechenden Leitern versehen werden. Da mehr Strom generiert werden kann, als im Moment der Übertragung verfahren wird, genügen einzelne Abschnitte als Ladestationen. Wie viel Strom übertragen wird, ist von der Zeit abhängig, die ein Fahrzeug auf der Schleife rollt. Wer schneller fährt, nimmt also weniger Strom mit. Auch wenn es im Projektnamen verankert ist: Bis zum Jahr 2050 soll es nicht dauern, bis die Technik entwickelt ist, hofft Wilfried Nietschke, der früher schon an Magnetschwebebahnen geforscht hat. In zehn bis zwanzig Jahren könnte es soweit sein, sagt der Ingenieur.

Schon viel früher könnte es möglich sein, parkende Elektroautos per Induktion aufzuladen, glaubt Nietschke. Der Stromfluss an den Stationen soll dem der momentan diskutierten Stromtankstellen entsprechen. Mit Kabeln und Steckern müsste allerdings kein Autofahrer hantieren: Da die komplette Technik im Boden versenkt werden könnte, wären auch mutwillige Beschädigungen unwahrscheinlicher als bei konventionellen Stromtanksäulen.

Über die Kosten haben sich die Partner allerdings noch keine Gedanken gemacht. Einige Details sind noch zu klären. "Der Wirkungsgrad der Übertragung liegt bei 95 Prozent", erklärt der Ingenieur Nietschke. Das klingt zunächst gut, bedeutet aber auch, dass immerhin fünf Prozent der Magnetenergie ziellos in den Äther entweichen und, wie der Induktionsherd, metallische Gegenstände erhitzen könnte. Schmuckträger beispielsweise sollten sich also während des Ladevorgangs unbedingt vom Magnetfeld fernhalten.

Die Projektpartner arbeiten gerade an einem Prototyp in Originalgröße, der die Vorteile ihrer Idee verdeutlichen soll. Nietschke berichtet von guten Gesprächen mit Autoherstellern und Stromversorgern. Und er hat, über das Laden der Elektroautos hinaus, noch eine viel größere Vision: Da sich über die Leitungen auch Steuerimpulse übertragen lassen, könnten sich auf den vernetzten Autobahnspuren Autos zu Konvois zusammenstellen lassen, die automatisch fahren, ohne dass der Fahrer lenken oder bremsen muss.

Langweilige Autobahn-Etappen könnte man dann mit einem Nickerchen auf der Rückbank verkürzen. Geht es weiter über Land, oder will man sich kurz die Beine vertreten, dann könnte man den Konvoi verlassen und das Ziel manuell ansteuern. "Das wäre sehr interessant", glaubt Nietschke. "Denn so könnten sich die Vorteile von individueller und  vernetzter Mobilität kombinieren lassen."

 
Leser-Kommentare
  1. ... welches ebenso auf mechanischem Kontakt beruht wie die Stromabnehmer und Schleifschuhe bei Straßen-, U- und Eisenbahn.

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    • Hugo_P
    • 19.05.2009 um 17:26 Uhr

    (Auch wenn die Überschrift eher was anderes suggeriert...)
    Ansonsten; soo doof ist die Idee nicht; gerade wenn es um die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie geht.
    Da wäre aber noch die große Frage zu klären, wie die Abrechnung geregelt wird...

    • Hugo_P
    • 19.05.2009 um 17:26 Uhr

    (Auch wenn die Überschrift eher was anderes suggeriert...)
    Ansonsten; soo doof ist die Idee nicht; gerade wenn es um die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie geht.
    Da wäre aber noch die große Frage zu klären, wie die Abrechnung geregelt wird...

    • Hugo_P
    • 19.05.2009 um 17:26 Uhr

    (Auch wenn die Überschrift eher was anderes suggeriert...)
    Ansonsten; soo doof ist die Idee nicht; gerade wenn es um die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie geht.
    Da wäre aber noch die große Frage zu klären, wie die Abrechnung geregelt wird...

  2. Das ginge doch bestimmt über eine Art Zähler der entweder abgelesen wird oder das Signal irgendwie zur entsprechenden Rechnungstelle schickt. Zur Not per Funksignal oder sowas.
    Aber generell klingt das System spannend und logisch, sofern man auch die Energie bereitstellen kann, die so ein System erfordert. Würde diese aus Kohlekraftwerken bestehen, ist der Effekt wieder dahin..

    • Zack34
    • 20.05.2009 um 8:59 Uhr

    ... aber häufig scheitern solche an der Realität, die letztendlich auf die Frage hinaus läuft wer die vermutlich horrenden (in diesem Fall Straßen-Umbau- und Start-) Kosten tragen soll. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen allein das schafft, womit sich die Frage nach den Gesamtkonzept stellt: wenn der Staat diese Infrastruktur ausbauen soll, dann ist klar, was das bedeutet.

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    ... dann wird Mehdorn Vorstandsvorsitzender "privatisierten" der E-Straßen-DE AG, versaubeutelt den Börsengang und alles bleibt für 100 Milliarden Euro beim Alten.

    ... dann wird Mehdorn Vorstandsvorsitzender "privatisierten" der E-Straßen-DE AG, versaubeutelt den Börsengang und alles bleibt für 100 Milliarden Euro beim Alten.

  3. ... dann wird Mehdorn Vorstandsvorsitzender "privatisierten" der E-Straßen-DE AG, versaubeutelt den Börsengang und alles bleibt für 100 Milliarden Euro beim Alten.

  4. Das Topologie Navisystem könnte dem Hybrid weiterhelfen. Er erkennt nach der Zieleingabe welche Steigungen und Gefälle und Kreuzungen kommen werden. Deshalb kann er kurz vor dem ankommen auf dem Berggipfel die Batterie restlos leerfahren, da er bei der Abwärtsfahrt problemlos geladen wird.

    Bei Autobahnabschnitten bsp. Süddeutschland Albaufstieg, kann der Hybrid nach dem laden der eigenen Batterie, die zusätzliche Energie per Induktion an die Energieunternehmen zurückgeben, und den anderen Kfz die Aufwärts fahren diese wieder einspeisen, da die Kapazität ihrer Batterien zu gering ist.

    Schön wären auch Nano-Batterien die per Schlauch eingefüllt und entleert werden können. Erst durch einen magnetischen Impuls werden Sie aussgerichtet und können dann Ihre Energie abgeben.

    Auch andere Energiespeicher wären denkbar. ZB. nanomagnete die gegeneinander ausgerichtet werden und so Energie speichern, und durch eine Art Eis so eingeforen wird. Sobald das Eis taut können Sie sich zurückdrehen und geben dabei die gespeicherte mechanische Kraft ab.

    Schön wären Nanospeicher die ähnlich wie im Benzin in einer Art Flüssigkeit Energie speichert könnten, und deshalb auch einfach zugeführt und abgepumpt werden können.

    Warten wir's ab.

    kwer-denker

  5. Das Land bzw die Städte schaffen es doch jetzt noch nicht einmal die ganzen kaputten Straßen mit riesigen Schlaglöchern zu reparieren (ich rede speziell von NRW). Dagegen sind Schotterpisten in der Regenzeit noch besser zu befahren.

    Wie sollen denn solche technologischen Straßenumbauten umgesetzt werden?
    Vielleicht in 20 Jahren, aber jetzt ist das noch Utopie.

  6. Die Idee hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem unglücklichen Transrapid, nicht nur aus technischer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht:

    - Was soll es kosten, alle (oder zumidest alle wichtigen) Straßen mit Induktionsbahnen auszustatten? Soll es günstiger sein, als Eisenbahnstrecken auf Transrapid umzurüsten?

    - Wird es überhaupt möglich, "normale" elektrische oder Hybridautos (Toyota Prius, Tesla Roadster, GM Volt...) auf Induktionsladung umzurüsten und was soll das kosten? Oder wird man neue Autos kaufen müssen?

    Ganz abgesehen davon halte ich den Wirkungsgrad von 95% für seeehr optimistisch. Industrietransformatoren, die keinen Luftspalt haben, schaffen über 98%, das ist richtig. Aber zwischen der Induktionsspule im Auto und der Fahrbahn wird es zwangläufig zig cm Luftspalt geben müssen, was riesige Streuverluste verursachen wird.

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