"Von der Union wissen wir nur, dass sie regieren will - nicht wozu und nicht mit wem", sagte Westerwelle dem Hamburger Abendblatt. Es sei ein offenes Geheimnis, dass viele in der Union auf die Fortsetzung der großen Koalition oder sogar auf Schwarz-Grün setzten.

Westerwelle zeigte sich enttäuscht von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Erst vor kurzem habe er "ohne Not" erklärt, dass die FDP eine "bürgerliche Regierung der Mitte" wolle. "Daraufhin sagt die Kanzlerin, sie wolle keinen Lagerwahlkampf führen und kämpfe für eine starke CDU." Daraus habe er die Konsequenz gezogen: "Liberal sind wir schon, aber blöd sind wir nicht. Wir kämpfen für eine starke FDP und rennen keinem Rockschoß hinterher."

Vor diesem Hintergrund relativierte Westerwelle seine bisher strikte Absage an eine Ampelkoalition. Ein Bündnis mit SPD und Grünen sei "im Augenblick" inhaltlich ausgeschlossen. Wie SPD-Chef Franz Müntefering zufrieden feststelle, lässt der FDP-Chef damit die Tür einen Spalt offen. Vor allem dürfte die Aussage aber dazu dienen, Druck auf die CDU auszuüben, sich klarer zu Schwarz-Gelb zu bekennen.

Die FDP erwarte jetzt "ein klares Signal der Union", sagte der Parteichef. Weil sich CDU und CSU bislang aber zierten, werde die FDP mit einer formellen Koalitionsaussage bis kurz vor der Bundestagswahl warten.

Angesichts schlechter werdender Umfragewerte für seine Partei erwartet Westerwelle ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Bundestagswahl. "Wenn es wieder zu einer linken Mehrheit kommen sollte, mag es noch einmal Schwarz-Rot als Durchgangsstadium geben", sagte der FDP-Chef. "Aber spätestens nach der nordrhein-westfälischen Landtagswahl im Frühjahr 2010 marschieren SPD und Grüne zur Linkspartei, wo sie inhaltlich längst angekommen sind."