Proteste gegen Milchpreise Hört auf zu hungern!

Seit Wochen demonstrieren Bäuerinnen für höhere Milchpreise – jetzt traten einige vor dem Kanzleramt in den Hungerstreik. Wie albern. Ein Kommentar

Gandhi hat oft gehungert. Als er in den dreißiger und vierziger Jahren die Nahrung verweigerte, erregte es Aufsehen in der Welt. 565 Gramm stark gezuckerten Zitronensaft, 56 Gramm pulverisierten Zitronensaft und Ziegenmilch waren das einzige, was der indische Freiheitskämpfer zu sich nahm. Wochenlang. Eine Kampfansage an England. Ein verzweifelter Ruf an sein Volk, um es von einem Bürgerkrieg abzuhalten.

Der Hungerstreik ist die letzte Form passiven Widerstands, die letzte Möglichkeit, sich seiner Umwelt verständlich zu machen. Zu seinem Wesen gehört die Drohung, man sei bereit, für sein Anliegen zu sterben. Er ist ein selbstverhängtes Todesurteil. Einkalkuliert ist dabei die Verpflichtung des Staates, den Hungernden vor dem Tod zu bewahren – sonst macht er sich mitschuldig. Im Jahr 1974 demonstrierte so der RAF-Terrorist Holger Meins gegen seine Haftbedingungen. Er starb nach 57 Tagen. So ein Streik ist auch immer eine Erpressung.

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Nun versammeln sich deutsche Milchbäuerinnen im urbanen Grün vor dem Kanzleramt. Zelten unter freiem Himmel, mit Thermoskanne und Wolldecken, geeint durch das Ziel ihres Protests: bessere Milchpreise! Sie verlangen von Angela Merkel, sie müsse einen Milchgipfel einberufen, um im Sinne der Bauern zu handeln. Zusätzlich zum üblichen Bettlaken bemalen sind die aufgebrachten Frauen einen Schritt weiter gegangen: Sie sind in den Hungerstreik getreten.

Wer an ihnen kopfschüttelnd vorübergeht, tut Recht daran! Von ihren Forderungen mag jeder halten, was er will – doch wer kann die Drohgebärde der Bäuerinnen ernst nehmen, die schon zu Beginn ihres Streiks sagten: Bis Montag halten wir durch. Sie könnten sich genauso gut an stillgelegte Bahngleise fesseln.

Keineswegs sollen hier die Damen ermutigt werden, die Dauer ihres Protests noch einmal zu überdenken. Bloß die Form. Ein Hungerstreik ist kein Spaß, und existentielles politisches Engagement keine Brigitte-Diät. Wir erinnern uns, wie die Schauspielerin Mia Farrow unlängst die Simulation von Gandhi gab, als sie im Internet erklärte, für Darfur künftighin zu darben. Nach ein paar Tagen schrieb sie, dass sie "echt zu kämpfen hätte". Nach zwölf Tagen beendete sie ihr Experiment.

Nun sei den Bäuerinnen geraten, ihre abenteuerliche Butterfahrt zu überdenken. Freilich: Bleibt sitzen solange ihr wollt, brüllt, schreit, pfeift, pöbelt, singt. Aber kauft euch zwischendurch eine Wurst.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Hungerstreik hat seine Wirkung nicht verfehlt. Es wird in den Medien darüber berichtet. Den Bauern sei es freigestellt, dieses Protestmittel zu wählen. Der Autor dieses Artikels scheint allerdings keine Ahnung davon zu haben, was es bedeutet zu Fasten. Denn dann wüsste er, dass ein gesunder Mensch problemlos mehrere Wochen (mindestens 3-4 Wochen) komplett auf Nahrung verzichten kann und das auch nicht mit Schmerzen oder Hungergefühl verbunden ist.

    Die Empfehlung sich eine Wurst zu kaufen und "mit dem Kopf zu schütteln", hätte ich eher von der Bildzeitung erwartet.

    Meiner Meinung nach ist etwas mehr Mitgefühl und Unterstützung für das richtige Anliegen der Milchbauern angebracht!

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    ...zur Aktion.

    Zudem bin ich etwas unsicher ob ich die Begrifflichkeit "Hungerstreik" richtig verstehe.

    Ein Streik ist die Weigerung etwas zu tun. Ein Hungerstreik folglich die Weigerung zu Hungern.

    ...zur Aktion.

    Zudem bin ich etwas unsicher ob ich die Begrifflichkeit "Hungerstreik" richtig verstehe.

    Ein Streik ist die Weigerung etwas zu tun. Ein Hungerstreik folglich die Weigerung zu Hungern.

  2. 2. DANKE

    Herr Hugendieck,
    als ich von dem Hungerstreik der Damen gehört habe, hatte ich sofort ein komisches Gefühl, konnte es aber nicht in Worte fassen. Das ist Ihnen gelungen.
    Irgendwann könnten ja alle auf die Idee kommen, ihre wirtschaftlichen Interessen mit derartigen Streiks zu untermauern. Neben Opel gehen dann die Pommesbuden und Kneipen pleite und irgendwann erwischt es McDonalds. Das kostet dann auch wieder Arbeitsplätze.
    Zum Streik an sich: Letzes Jahr kosteten 500 Gr. Quark 79 Cent, heute 45 Cent. Damals hatten wir Verbraucher die A...karte. Haben wir einen Hungerstreit initiiert?

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    Ebenso wie der Autor haben Sie das Thema verfehlt!
    Note 6!

    Wieso kann man hier eigentlich keine Minus-Noten verteilen?

    Ebenso wie der Autor haben Sie das Thema verfehlt!
    Note 6!

    Wieso kann man hier eigentlich keine Minus-Noten verteilen?

    • C.V.
    • 15.05.2009 um 15:52 Uhr

    Was ist eigendlich aus sachlichem, neutralen Journalismus geworden??? Ach ja , ich vergass - der ging unter mit der Springer - Titanic. Und riss in ihrem Strudel manch namhaften Schreiberling mit.

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    Kommentare sollen doch gerade eine Meinung transportieren.
    Warum soll da was neutral sein? Bezüglich "sachlich" musste ich sofort an "Glashaus" denken.

    Mit der Protestaktion kann ich auch wenig anfangen, irgendwie können sich Bauern wohl nicht mit den Gesetzen der Marktwirtschaft anfreunden. Wenn es Überkapazität gibt, dann sinken nun mal die Preise. Warum sollten nur andere Berufsgruppen/Unternehmen damit leben müssen, dass ihr Verdienst/Gewinn und ihre Arbeit nicht sicher sind und man sich im Berufsleben neu orientieren muss. Der Hungerstreik ist imho völlig überzogen.

    Kommentare sollen doch gerade eine Meinung transportieren.
    Warum soll da was neutral sein? Bezüglich "sachlich" musste ich sofort an "Glashaus" denken.

    Mit der Protestaktion kann ich auch wenig anfangen, irgendwie können sich Bauern wohl nicht mit den Gesetzen der Marktwirtschaft anfreunden. Wenn es Überkapazität gibt, dann sinken nun mal die Preise. Warum sollten nur andere Berufsgruppen/Unternehmen damit leben müssen, dass ihr Verdienst/Gewinn und ihre Arbeit nicht sicher sind und man sich im Berufsleben neu orientieren muss. Der Hungerstreik ist imho völlig überzogen.

  3. Dieser artikel ist so niveaulos und unseriös, dass es zum himmel schreit!
    herr hugendieck hat sich ganz offensichtlich nicht näher mit der materie der preisdebatte beschäftigt, sonst hätte er nicht so einen lächerlichen wie simplen kommentar geschrieben. Nun ja, es ist ja nichts neues, dass journalisten sich gelegentlich auf glatteis begeben, wenn sie wirtschaftliche zusammenhänge mal eben ganz einfach außer acht lassen oder sie total verzerren. genau dies fällt nämlich ins auge, wenn man sich diesen artikel durchliest. eine zumutung nenne ich das! Sich darüber zu amüsieren, wenn verzweifelte Menschen vor lauter not zu so radikalen mitteln greifen, deren ausführungen man kritisieren, aber nicht verspotten darf! allein die tatsache, dass der milchpreis, trotz des damaligen streiks, nun sogar unter dem niveau des preises liegt, der damals zum streik führte, ist alarmierend und hat seltenheitswert!
    wer keine ahnung hat sollte sich doch besser heraushalten und sich diese peinlichkeit sparen. Stilistisch wie gedanklich ist dieser artikel eine zumutung.

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    Zu granitt88: Das war von Ihnen die richtige Antwort auf eine bodenlose Unverfrorenheit gepaart mit Zynismus.Diesem Autor müsste man wirklich in die Wüste schicken. Da kann er sich dann von Tautropfen ernähren und dann würde er nicht mehr auf den Gedanken kommen, so einen Unsinn zu verfassen.

    [Anmerkung: Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    Zu granitt88: Das war von Ihnen die richtige Antwort auf eine bodenlose Unverfrorenheit gepaart mit Zynismus.Diesem Autor müsste man wirklich in die Wüste schicken. Da kann er sich dann von Tautropfen ernähren und dann würde er nicht mehr auf den Gedanken kommen, so einen Unsinn zu verfassen.

    [Anmerkung: Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  4. Kommentare sollen doch gerade eine Meinung transportieren.
    Warum soll da was neutral sein? Bezüglich "sachlich" musste ich sofort an "Glashaus" denken.

    Mit der Protestaktion kann ich auch wenig anfangen, irgendwie können sich Bauern wohl nicht mit den Gesetzen der Marktwirtschaft anfreunden. Wenn es Überkapazität gibt, dann sinken nun mal die Preise. Warum sollten nur andere Berufsgruppen/Unternehmen damit leben müssen, dass ihr Verdienst/Gewinn und ihre Arbeit nicht sicher sind und man sich im Berufsleben neu orientieren muss. Der Hungerstreik ist imho völlig überzogen.

    Antwort auf "Schade..."
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    Der Milchpreis ist derart im Keller, weil die französischen Milchbauern voll subventioniert werden und damit weit unter Herstellungspreis liefern können, den Marktpreis nur noch als Zubrot mitnehmen. Da haben EU und Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Wenn Betroffe darauf aufmerksam machen, sollten sie dafür nicht mit gehässigen Kommentaren á la Schnitzler abgewatscht werden!

    Der Milchpreis ist derart im Keller, weil die französischen Milchbauern voll subventioniert werden und damit weit unter Herstellungspreis liefern können, den Marktpreis nur noch als Zubrot mitnehmen. Da haben EU und Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Wenn Betroffe darauf aufmerksam machen, sollten sie dafür nicht mit gehässigen Kommentaren á la Schnitzler abgewatscht werden!

  5. Begreift das denn keiner? Den Bauern steht seit Jahren das Wasser bis zum Hals. In einem anderen Zeit online - Beitrag berichtete ich über die Probleme des Milchbauern GERDES bei Norddeich (http://kommentare.zeit.de...). Damals lag der Milchpreis bei 30 Cent/Liter. Wirtschaftlich notwendig wäre 40 Cent/Liter. Und wo liegen wir jetzt? Auf dem Ferienhof GERDES haben wir eine so vorzügliche Milchqualität kennengelernt, wie wir sie im Raum Hildesheim nicht wiedergefunden haben. Wir bedauern dies sehr! Ein anderes strukturelles Problem sind die Nichtgenehmigung von Windkraftanlagen für Bauer GERDES und seine Kollegen (auch darüber schrieb ich einen ZEIT online - Beitrag). Obwohl er direkt hinter dem Deich wohnt - mit ideallen Windbedingungen. Diese Menschen werden doppelt bestraft und niemanden scheint das zu erschüttern. In welch einer k a l t e n und i n h u m a n en Welt leben wir doch!!!

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com

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    Guten Tag,

    in diesem Text geht es nicht darum, den allgemeinen Protest der Milchbäuerinnen zu kommentieren oder gar zu schmähen. Es geht um den Hungerstreik und seinen Sinn in diesem Fall.

    Mit besten Grüßen,
    D. Hugendick

    ZEIT ONLINE

    Ich habe bereits beschrieben, dass die Situation der Bauern in Ostfriesland besonders schwierig, denn man verweigert ihnen den Bau von Windkraftanlagen
    (http://kommentare.zeit.de...).
    Schlimmer man die Situation nicht darstellen!

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com/klmmetzger

    Guten Tag,

    in diesem Text geht es nicht darum, den allgemeinen Protest der Milchbäuerinnen zu kommentieren oder gar zu schmähen. Es geht um den Hungerstreik und seinen Sinn in diesem Fall.

    Mit besten Grüßen,
    D. Hugendick

    ZEIT ONLINE

    Ich habe bereits beschrieben, dass die Situation der Bauern in Ostfriesland besonders schwierig, denn man verweigert ihnen den Bau von Windkraftanlagen
    (http://kommentare.zeit.de...).
    Schlimmer man die Situation nicht darstellen!

    Herzliche Grüsse

    Klaus Metzger
    HILDESHEIM
    www.twitter.com/klmmetzger

  6. Für Leute die Luxusmineralwasser trinken für 5,-Euro pro 1/4 Liter macht das Anliegen der Bäuerinen keinen Sinn.
    Heute hungern die Bäuerinnen, morgen vielleicht schon das Volk. Wenn es mal nur noch Industriebauern gibt wie gewünscht.

  7. 8. Hmm

    Schmeckt nach einem solchen Artikel der Kaffe mit Milch noch?

    Wie wäre es denn eigentlich, wenn die hart arbeitenden Bauern einen Milchrettungsschirm bekämen und dafür die Finanzzocker in den Hungerstreik treten müssten, um an Staatsgeld zu kommen? Ich fände das irgendwie besser, ganz ehrlich.

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