ZEIT ONLINE: Mr. Howard, Ihre Verfilmung des Bestsellers Da Vinci Code hat mehr als 750 Millionen Dollar eingespielt, aber die Kritiker haben Ihren Film verrissen. Interessiert Sie die Meinung der Journalisten?

Ron Howard: Die Meinung der Zuschauer ist mir in diesem Fall wichtiger, weil ich ja in erster Linie pure Unterhaltung produziere. Ich versuche aber trotzdem, mir einen Überblick über den Pressespiegel zu verschaffen, weil ich dadurch oft auch etwas dazulernen kann. Ich habe grundsätzlich auch verstanden, was die Kritiker an meinem Film Da Vinci Code gestört hat. Ich fand interessant, dass sich sogar die Journalisten ein schnelleres Tempo und somit einen höheren Unterhaltungsfaktor gewünscht hätten.

ZEIT ONLINE: Haben Sie diese Wünsche berücksichtigt, als Sie nun Dan Browns Buch Illuminati verfilmt haben?

Howard: Wir werden sehen, was die Kritiker darüber denken, aber ich habe das Tempo um einige Stufen angezogen.

ZEIT ONLINE: Eine Bombe tickt im Vatikan, und Professor Langdon muss sie innerhalb weniger Stunden finden. Ist es Zufall, dass Ihre Inszenierung der Geschichte stark an die Erfolgsserie 24 erinnert?

Howard: Nein. Meine Firma produziert die Serie. In einem frühen Stadium habe ich mit meinem Geschäftspartner Brian Grazer genau darüber geredet. Die Story von Illuminati war ja dafür prädestiniert. Die Geschichte von Da Vinci Code hingegen spielt über weite Strecken in der Vergangenheit, es musste vieles erklärt werden. Dies erforderte eine sehr formale, klassische Inszenierung, die vielen etwas langweilig erschien. Über die Zeit werden aber hoffentlich immer mehr Leute Ihre Meinung über Da Vinci Code ändern. Denn die Detailtreue und die Feinheiten unserer Inszenierung erkennt man oft erst beim zweiten oder dritten Sichten des Films.

ZEIT ONLINE: Wie stellen Sie sicher, dass Illuminati auch für Zuschauer spannend bleibt, die das Buch bereits gelesen haben?

Howard: Ich habe mir sehr viel größere Änderungen erlaubt als bei Da Vinci Code. Diese kreativen Freiheiten allein werden die Kontroverse entfachen. Ich habe verschiedene Charaktere in einer Person zusammengefasst, Nationalitäten geändert, Actionszenen hinzugefügt und gekürzt. Bei Buchverfilmungen ist es generell wichtig, dass man als Regisseur so vorgeht, als ob kein Zuschauer das Buch gelesen hätte. Man gibt einfach sein Bestes und hofft auf gute Reaktionen. Aber in diesem Fall wird der Film auch für die Leser des Buchs spannend bleiben, weil sie wegen meiner Änderungen einfach nie sicher sein können, was als nächstes passiert.

ZEIT ONLINE: Der Vatikan hat Ihnen nicht nur sämtliche Drehgenehmigungen verweigert, sondern zudem zum Boykott Ihres angeblich gottlosen Films aufgerufen. Haben Sie derart harsche Reaktionen erwartet?

Howard: Sie haben mich nicht überrascht. Die meisten Religionen, die so stark institutionalisiert sind wie die katholische Kirche, scheinen in Meinungsverschiedenheiten generell eine starke Gegenposition einzunehmen. Angesichts der Turbulenzen und der vielen schlechten Presse, mit denen sich der Vatikan in den vergangenen fünf bis sechs Jahren auseinandersetzen musste, geht ihnen ein Blockbuster über eine Verschwörung innerhalb des Vatikans natürlich völlig gegen den Strich, auch wenn unsere Geschichte fiktiv ist. Es gab so viele kontroverse, schockierende und verstörende Nachrichten aus dem Vatikan, dass sie keinesfalls wollen, dass ein Autor sich auf dieser Grundlage eine Geschichte zusammenbastelt.