ZEIT ONLINE: Glauben Sie an Gott?

Victor Ash: Ich bin Christ, ich glaube an Jesus und seine Botschaft. Aber ich bin keine besonders religiöse Person, die jeden Sonntag in die Kirche geht und Mitglied einer religiösen Organisation ist.

ZEIT ONLINE: Sie bemalen auf dem diesjährigen Kirchentag in Bremen die Außenseiten eines Bunkers. Wie kam die Verbindung mit dem Kirchentag zustande?

Ash: Vergangenen November hat mich der Kurator Adrian Nabi zusammen mit dem Kunstraum Bethanien in Berlin gefragt, ob ich eine Idee für die Gestaltung eines Bunkers hätte. Mir wurde das Motto Mensch, wo bist du? vorgegeben, und ich mochte es.

ZEIT ONLINE: Was hat Sie daran gereizt, für den Kirchentag zu arbeiten?

Ash: Es waren - neben dem Thema - mehr die gewaltige Größe des Projekts und der Symbolismus, die mich interessierten. Aber natürlich bin ich auch sehr froh darüber, dass viele Menschen meine Gemälde auf dem Kirchentag sehen werden.

ZEIT ONLINE: Haben Ihre anderen Kunstwerke ebenfalls einen religiösen Hintergrund?

Ash: Ich wurde in Portugal geboren, und dort ist die katholische Religion allgegenwärtig. Religion nimmt einen großen Teil der Kultur ein, aus der ich komme, und ich denke, dass das manchmal in meiner Arbeit sichtbar wird. Im Jahr 2004 malte ich für eine Ausstellung in Kopenhagen eine Reihe von Bildern, die Gebete hieß. Davor machte ich Installationen in Galerien, die Engel repräsentierten. Ästhetisch ließ ich mich von den Kirchen in Nordportugal inspirieren.

ZEIT ONLINE: Die Wurzeln Ihres Schaffens liegen in der Graffitikunst. Wie stark beeinflusst Graffiti Ihre heutige Arbeit?

Ash: Schon in den 1990er Jahren versuchte ich, von der Ästhetik der typischen Graffitischriften, wie sie in den New Yorker U-Bahnen zu finden sind, wegzukommen. Meine Arbeit sollte meine Kultur und meine Erfahrungen widerspiegeln. Heute inspiriert mich vor allem der ursprüngliche Geist des Graffitis, und ich versuche, den Wettbewerb und die Kompromisslosigkeit, wie man sie beim Sprühen auf der Straße lernt, zu bewahren.Außerdem mag ich es, dass ich beim Arbeiten von vielen gesehen werden kann und dass ich etwas im öffentlichen Raum schaffe, was man gerne anschaut.