Kindheit Bullerbü lag nie in DeutschlandSeite 2/2

Zwar gilt das längst nicht mehr für die Mehrheit der Kinder in Deutschland. Sie hat inzwischen sogar Bullerbü hinter sich gelassen: Nie gab es so viel Verständnis, Einfühlung, Wohlstand, so viele Chancen, etwas zu lernen und sich selbst zu verwirklichen. Kinder wählen selbst, ob sie Klavier lernen oder Graffiti-Künstler werden. Eltern wählen unter vielen Ratschlägen, ob vielleicht auch einer von Michael Winterhoff ("Warum unsere Kinder Tyrannen werden") zu ihnen und ihrem Kind passt. Die meisten erleben das Familienleben als harmonisch, wie zum Beispiel das Generationen-Barometer zeigt.

Laut World Vision-  und Shell-Studie haben auch die meisten deutschen Kinder und Jugendlichen ein viel innigeres Verhältnis zu ihren Eltern als ältere Generationen. Sie fühlen sich geborgen und bekommen mehr Aufmerksamkeit als je zuvor, obwohl häufiger als früher beide Eltern berufstätig sind.

Sicher bergen die neuen Möglichkeiten auch für diese privilegierte Mehrheit neue Gefahren. Wer so viel selbst entscheidet, kann auch nur sich selbst für sein Scheitern verantwortlich machen. Der Druck ist stark, etwas Besonderes zu sein. Diese Unsicherheiten gab es früher nicht. Mit ihnen, mit dem Verkehr, den Medien, Computerspielen, Online-Communities, mit dem Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und Verantwortung müssen nicht nur die Kinder lernen umzugehen.

Aber wer wollte deshalb all das wieder loswerden? Wer wollte, die Möglichkeiten, die uns unser freies Leben bietet, eintauschen gegen die frühere Zucht, Ordnung und Ungerechtigkeit?

Für die behüteten Kinder haben wir schon viel erreicht. Jetzt müssen wir uns um die kümmern, die bislang aussortiert wurden in Randbezirke, Restschulen und den Knast. In den Schulen wird die Diskussion darüber schon laut geführt. Für keinen Rektor und Bildungspolitiker ist sie mehr zu überhören. Die Schulen sind dabei, sich zu öffnen gegenüber der Individualität jedes einzelnen Kindes.

Aber das reicht nicht. Die Bundesrepublik muss noch mehr investieren, in gut ausgebildete, angemessen bezahlte Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen. Sie muss Geld geben für Ganztagsschulen und Kindergärten. Zusätzlich müssen wir die Eltern stark machen, die sich aufgegeben haben, damit sie wieder an die eigenen oder wenigstens an die Chancen ihrer Kinder glauben. Vor allem aber müssen wir die letzten Reste schwarzer Pädagogik aus unseren Köpfen verbannen. Im Umgang mit den eigenen Kindern praktizieren wir sie zwar nicht mehr. Aber wenn es um die Randgruppen der Gesellschaft geht, hilft sie uns immer noch, Menschen schnell und bequem abzuschreiben.

Was wünschen Sie sich für Deutschland? Was haben wir in 60 Jahren unserer Geschichte erreicht? ZEIT-ONLINE-Redakteure nehmen dazu Stellung. Bisher erschienen: Johannes Kuhns Plädoyer für mehr bürgerschaftliches Engagement und Karsten Polke-Majewskis Lob der Solidarität. Diskutieren Sie mit und schreiben Sie auf, welche Werte Ihrer Meinung nach heute wichtig sind!

 
Leser-Kommentare
    • Isaidy
    • 24.05.2009 um 12:54 Uhr

    dem ich unumwunden zu 100 % zustimme. Es ist ein Segen, dass auch in Deutschland ganz langsam erkannt wird, dass die Schule sich dem einzelnen Kind öffnen muss und nicht mehr versucht wird, die Kinder durch Raster zu pressen, denen sie sich anzupassen haben oder ihre Bildung bleibt auf der Strecke. Es ist ein Fakt - wie der Artikel es schon beschreibt - das Sozialhilfe heutzutage in diesem Land über Generationen vererbt wird, die betroffenen Kinder kaum Möglichkeiten haben, diesem Teufelskreis zu entrinnen. Sicher sind in erster Linie die Eltern für die Erziehung und auch Bildung ihrer Kinder verantwortlich, nur wenn dort schon das Versagen vorliegt, dann darf man nicht auch noch der Nachkommenschaft die angemessenen Chancen entziehen und sich damit abfinden, dass "Bodensatz" "Bodensatz" bleibt. Das ist einem Land wie der Bundesrepublik nicht würdig und zudem eine gigantische Verschwenung an Bildungsressourcen. Viele Bundesländer haben das für ihr Schulsystem heute schon begriffen, führen heute wesentlich mehr Schüler an das Abitur oder die Mittlere Reife heran als seinerzeit, als Kinder mit 10 Jahren auf einen Bildungsweg festgelegt wurden und nur mit einer Menge Selbstdisziplin und Förderung des Elternhauses auf dem zweiten Bildungsweg einen höheren Abschluss erlangen konnten. Die heutigen Heranwachsenden sind Produkte unserer Gesellschaft und die Leistungsträger von morgen. Aus moralischer, aber auch aus volkswirschaftlicher Sicht ist es unverzichtbar, jeden seinen Möglichkeiten gemäß zu fördern und sich nicht mit dem bequemen Mantra der Ober-, Mittel-, und Unterschichten zu begnügen. Wir sollten weder in einer Stände- noch in einer Kastengesellschaft enden und diese Klassifizierung daher äußerst vorsichtig verwenden

    • Timo K
    • 24.05.2009 um 13:33 Uhr

    "Zusätzlich müssen wir die Eltern stark machen, die sich aufgegeben haben, damit sie wieder an die eigenen oder wenigstens an die Chancen ihrer Kinder glauben."

    Das sollte kein Zusatz sein, sondern Grundsatz.
    Das schlimmste Wort in der Diskussion ist der "Stallgeruch".
    Und er ist ja da, in der Realität da draussen, aber es nutzt wenig das Pferd zu striegeln, ohne ausmisten.

    Danke für den schönen Artikel.

  1. Das Bestreben, Bildungschancen für die Kinder von Hartz-IV-Empfängern zu verbessern, ist an sich lobenswert.
    Nur, was will man machen, wenn sie zu träge sind,

    - morgens aufzustehen und in die Schule zu gehen
    - dort aufmerksam zu sein und mitzuarbeiten
    - Hausaufgaben zu machen
    - oder auf Prüfungen zu lernen?

    Den Eltern ist das sehr oft egal, denn Hartz IV ist ja sicher! Erst wenns an Wohnung, Kleidung, Nahrung (+ Zigaretten und Alk) und den Fernseher geht, bewegt sich was.

    Ich wäre für einen Modellversuch: den Hartz-iv-Familien, wo die Kinder das Quali nicht schaffen, den Fernsehanschluß zu sperren, und erst nach bestandener Prüfung freizugeben. Das hat nichts damit zu tun, Kinder zu Untertanen zu erziehen, sondern das bedeutet, ihnen die Fähigkeiten mitzugeben, die sie für das ÜBERleben in der parlamentarischen Demokratie benötigen!

    Was sich dann ereignen würde, stände dann hier in der ZEIT wohl unter der Überschrift "Wunder der Disziplin"!

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    Tut mir leid, aber hier findet wieder eine Pauschalisierung statt, die absolut unerträglich ist.
    Es gibt auch in Mittelstandsfamilien Kinder, die vor dem Fernseher verkommen, und wenn ich mich im Freundeskreis meiner Kinder umsehe, sind es leider zu oft die Oberschicht Kinder, die sich wie die letzten Rotzlöffel benehmen, andere verprügeln und abschätzig behandeln. Es liegt an der Erziehung, aber zu behaupten, in Hartz IV Familien würde die Trägheit regieren ist schlicht und ergreifend unwahr. Ich zaehle mich zur oberen Mittelschicht, aber einige der Freunde meines Sohnes kommen auch aus unteren Schichten, sind aber dennoch höflich, spielen zivilisiert miteinander und zeigen auch bei arbeitslosen Eltern keinerlei Verwahrlosung. Und was bitte soll dieser Blödsinn mit nehmt ihnen das Fernsehen weg, dann wird das schon was. Dieser oberlehrerhafte Erziehungsdünkel ist unerträglich. Jeder sollte zunächst vor seiner eigenen Haustüre kehren. Aber es ist einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen, als zu erkennen, dass in unserer Gesellschaft generell etwas sehr falsch läuft, wenn wir gleichzeitig Hartz IV Sätze kürzen und sich Top Manger über Grenzen für ihre unsäglich hohen Gehälter beschweren.
    Maß halten bitte, und zwar in jeder Schicht......

    "Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."

    • Oyamat
    • 24.05.2009 um 14:40 Uhr

    Das scheint auch eine der Denkweisen zu sein, in die der menschliche Geist gern von selbst zurückfällt: "Strafen müssen her! Härtere Strafen! Noch härtere!"

    Wo käme man auch hin, wenn man es wagen wollte, positiv zu motivieren? Da würde ja das faule Pack noch Sondervergünstigungen bekommen! Ach was, *leiden* sollen sie - wenn sie nur noch am Fernsehen Gefallen finden, muß die Strafe eben da ansetzen.

    Ich halte das für ebensolche "schwarze Pädagogik", wie sie der Artikel moniert. Was wir tun sollten? Wenn die Schüler morgens nicht aus dem Bett kommen, mag das ihrer Physiologie geschuldet sein; die entsprechenden Studien, auch zur beeinträchtigten schulischen Leistungsfähigkeit, liegen ja vor. Aber jede Wette, daß sie mehrheitlich doch *gut* aus dem Bett kämen, wenn man sie dafür etwas tun ließe, was sie tun wollen. Begeisterung müsste die Schule wecken, dann würde sich die Frage, ob die Kinder kommen, ob sie mitarbeiten, ob sie lernen, gar nicht mehr stellen. Und auf die Prüfungen könnte man dann bestenfalls sogar verzichten - zumindest soweit sie als Strafe für Faulheit begriffen werden (sollen) und nicht als letztlich wertfreie Standortbestimmung.

    Nicht noch mehr Entzug, noch mehr Frustration, noch mehr Unterdrückung derer, die eh schon aufgeben wollen oder aufgegeben haben, ist der Weg, sie wieder zu gewinnen. Der liegt genau im Gegenteil: Ihnen zuzugestehen, daß sie *mehr* brauchen, und ihnen dementsprechend stärker zu helfen. Noch mehr Zwang ist schon lange kein Ausweg mehr, der führt nur tiefer in die Sackgasse.

    • Yadgar
    • 24.05.2009 um 18:47 Uhr

    "PROLOCAUST - Die Vernichtung der europäischen Unterschicht 2011-2025"

    "In den ersten Jahren nach der Regierungsübernahme durch die braun-schwarze Koalition unter "Führer und Bundeskanzler" Voigt [...] fanden die "Säuberungen" noch eher unsystematisch statt; die Pläne für ein zentralisiertes System von sogenannten Standortoptimierungscentern waren noch in Ausarbeitung, daher waren es zunächst vor allem sich spontan aus jungen, radikalisierten Angehörigen der Mittelschicht, häufig Studenten der Betriebswirtschaftslehre, rekrutierende Todesschwadrone, die eine Blutspur durch die Unterschichtviertel zogen. Diese formell illegalen, aber bereits unter der Vorgängerregierung stillschweigend geduldeten paramilitärischen Verbände bildeten nach der Konsolidierung des Regimes den Kern der Standortsicherungsstaffel (SSS).

    Ideologisch orientierten sich diese frühen Avantgardetruppen des Prolocausts an einer kruden Mischung aus rechtem Liberalismus (Friedman, von Mises) und vulgärem Soziobiologismus, aber insbesondere nach dem Regierungswechsel im Juni 2011 zunehmend auch dezidiert an nationalsozialistischen Vorbildern, wie ein Liedtext aus einem Blog von 2012/13 zeigt:

    (entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
    (aus: PROLOCAUST, Bd. 1, S. 189, Teheran 2046)

    Tut mir leid, aber hier findet wieder eine Pauschalisierung statt, die absolut unerträglich ist.
    Es gibt auch in Mittelstandsfamilien Kinder, die vor dem Fernseher verkommen, und wenn ich mich im Freundeskreis meiner Kinder umsehe, sind es leider zu oft die Oberschicht Kinder, die sich wie die letzten Rotzlöffel benehmen, andere verprügeln und abschätzig behandeln. Es liegt an der Erziehung, aber zu behaupten, in Hartz IV Familien würde die Trägheit regieren ist schlicht und ergreifend unwahr. Ich zaehle mich zur oberen Mittelschicht, aber einige der Freunde meines Sohnes kommen auch aus unteren Schichten, sind aber dennoch höflich, spielen zivilisiert miteinander und zeigen auch bei arbeitslosen Eltern keinerlei Verwahrlosung. Und was bitte soll dieser Blödsinn mit nehmt ihnen das Fernsehen weg, dann wird das schon was. Dieser oberlehrerhafte Erziehungsdünkel ist unerträglich. Jeder sollte zunächst vor seiner eigenen Haustüre kehren. Aber es ist einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen, als zu erkennen, dass in unserer Gesellschaft generell etwas sehr falsch läuft, wenn wir gleichzeitig Hartz IV Sätze kürzen und sich Top Manger über Grenzen für ihre unsäglich hohen Gehälter beschweren.
    Maß halten bitte, und zwar in jeder Schicht......

    "Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."

    • Oyamat
    • 24.05.2009 um 14:40 Uhr

    Das scheint auch eine der Denkweisen zu sein, in die der menschliche Geist gern von selbst zurückfällt: "Strafen müssen her! Härtere Strafen! Noch härtere!"

    Wo käme man auch hin, wenn man es wagen wollte, positiv zu motivieren? Da würde ja das faule Pack noch Sondervergünstigungen bekommen! Ach was, *leiden* sollen sie - wenn sie nur noch am Fernsehen Gefallen finden, muß die Strafe eben da ansetzen.

    Ich halte das für ebensolche "schwarze Pädagogik", wie sie der Artikel moniert. Was wir tun sollten? Wenn die Schüler morgens nicht aus dem Bett kommen, mag das ihrer Physiologie geschuldet sein; die entsprechenden Studien, auch zur beeinträchtigten schulischen Leistungsfähigkeit, liegen ja vor. Aber jede Wette, daß sie mehrheitlich doch *gut* aus dem Bett kämen, wenn man sie dafür etwas tun ließe, was sie tun wollen. Begeisterung müsste die Schule wecken, dann würde sich die Frage, ob die Kinder kommen, ob sie mitarbeiten, ob sie lernen, gar nicht mehr stellen. Und auf die Prüfungen könnte man dann bestenfalls sogar verzichten - zumindest soweit sie als Strafe für Faulheit begriffen werden (sollen) und nicht als letztlich wertfreie Standortbestimmung.

    Nicht noch mehr Entzug, noch mehr Frustration, noch mehr Unterdrückung derer, die eh schon aufgeben wollen oder aufgegeben haben, ist der Weg, sie wieder zu gewinnen. Der liegt genau im Gegenteil: Ihnen zuzugestehen, daß sie *mehr* brauchen, und ihnen dementsprechend stärker zu helfen. Noch mehr Zwang ist schon lange kein Ausweg mehr, der führt nur tiefer in die Sackgasse.

    • Yadgar
    • 24.05.2009 um 18:47 Uhr

    "PROLOCAUST - Die Vernichtung der europäischen Unterschicht 2011-2025"

    "In den ersten Jahren nach der Regierungsübernahme durch die braun-schwarze Koalition unter "Führer und Bundeskanzler" Voigt [...] fanden die "Säuberungen" noch eher unsystematisch statt; die Pläne für ein zentralisiertes System von sogenannten Standortoptimierungscentern waren noch in Ausarbeitung, daher waren es zunächst vor allem sich spontan aus jungen, radikalisierten Angehörigen der Mittelschicht, häufig Studenten der Betriebswirtschaftslehre, rekrutierende Todesschwadrone, die eine Blutspur durch die Unterschichtviertel zogen. Diese formell illegalen, aber bereits unter der Vorgängerregierung stillschweigend geduldeten paramilitärischen Verbände bildeten nach der Konsolidierung des Regimes den Kern der Standortsicherungsstaffel (SSS).

    Ideologisch orientierten sich diese frühen Avantgardetruppen des Prolocausts an einer kruden Mischung aus rechtem Liberalismus (Friedman, von Mises) und vulgärem Soziobiologismus, aber insbesondere nach dem Regierungswechsel im Juni 2011 zunehmend auch dezidiert an nationalsozialistischen Vorbildern, wie ein Liedtext aus einem Blog von 2012/13 zeigt:

    (entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
    (aus: PROLOCAUST, Bd. 1, S. 189, Teheran 2046)

  2. Tut mir leid, aber hier findet wieder eine Pauschalisierung statt, die absolut unerträglich ist.
    Es gibt auch in Mittelstandsfamilien Kinder, die vor dem Fernseher verkommen, und wenn ich mich im Freundeskreis meiner Kinder umsehe, sind es leider zu oft die Oberschicht Kinder, die sich wie die letzten Rotzlöffel benehmen, andere verprügeln und abschätzig behandeln. Es liegt an der Erziehung, aber zu behaupten, in Hartz IV Familien würde die Trägheit regieren ist schlicht und ergreifend unwahr. Ich zaehle mich zur oberen Mittelschicht, aber einige der Freunde meines Sohnes kommen auch aus unteren Schichten, sind aber dennoch höflich, spielen zivilisiert miteinander und zeigen auch bei arbeitslosen Eltern keinerlei Verwahrlosung. Und was bitte soll dieser Blödsinn mit nehmt ihnen das Fernsehen weg, dann wird das schon was. Dieser oberlehrerhafte Erziehungsdünkel ist unerträglich. Jeder sollte zunächst vor seiner eigenen Haustüre kehren. Aber es ist einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen, als zu erkennen, dass in unserer Gesellschaft generell etwas sehr falsch läuft, wenn wir gleichzeitig Hartz IV Sätze kürzen und sich Top Manger über Grenzen für ihre unsäglich hohen Gehälter beschweren.
    Maß halten bitte, und zwar in jeder Schicht......

    "Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."

    Antwort auf "Wunder der Disziplin"
    • Oyamat
    • 24.05.2009 um 14:40 Uhr

    Das scheint auch eine der Denkweisen zu sein, in die der menschliche Geist gern von selbst zurückfällt: "Strafen müssen her! Härtere Strafen! Noch härtere!"

    Wo käme man auch hin, wenn man es wagen wollte, positiv zu motivieren? Da würde ja das faule Pack noch Sondervergünstigungen bekommen! Ach was, *leiden* sollen sie - wenn sie nur noch am Fernsehen Gefallen finden, muß die Strafe eben da ansetzen.

    Ich halte das für ebensolche "schwarze Pädagogik", wie sie der Artikel moniert. Was wir tun sollten? Wenn die Schüler morgens nicht aus dem Bett kommen, mag das ihrer Physiologie geschuldet sein; die entsprechenden Studien, auch zur beeinträchtigten schulischen Leistungsfähigkeit, liegen ja vor. Aber jede Wette, daß sie mehrheitlich doch *gut* aus dem Bett kämen, wenn man sie dafür etwas tun ließe, was sie tun wollen. Begeisterung müsste die Schule wecken, dann würde sich die Frage, ob die Kinder kommen, ob sie mitarbeiten, ob sie lernen, gar nicht mehr stellen. Und auf die Prüfungen könnte man dann bestenfalls sogar verzichten - zumindest soweit sie als Strafe für Faulheit begriffen werden (sollen) und nicht als letztlich wertfreie Standortbestimmung.

    Nicht noch mehr Entzug, noch mehr Frustration, noch mehr Unterdrückung derer, die eh schon aufgeben wollen oder aufgegeben haben, ist der Weg, sie wieder zu gewinnen. Der liegt genau im Gegenteil: Ihnen zuzugestehen, daß sie *mehr* brauchen, und ihnen dementsprechend stärker zu helfen. Noch mehr Zwang ist schon lange kein Ausweg mehr, der führt nur tiefer in die Sackgasse.

    Antwort auf "Wunder der Disziplin"
  3. Hört doch endlich mal auf mit dieser ewigen Gleichmacherei und "Deutschland ist XY" Pauschalisierungen. Es gibt kein "toitsches Volk" und auch keine von Kiel bis Garmisch gleichen Lebensbedingungen, -umstände, Mentalitäten oder sonst irgendwas.
    Die Statistiken belegen zudem ganz eindeutigst dass es auch bei der Kinderzahl und Kinderarmut ein eklatantes Nord-Süd-Gefälle gibt.
    Die Kinderzahl ist in Süddeutschland auf einem Stand der zwar auch von Landkreis zu Landkreis variiert aber zumindest die Bevölkerungszahl stabil halten würde. Daher ja auch die demographisch umso verschärftere Situation im geographischen Norden der Republik (also "Hannover" wie "Berlin" gleichermaßen), dort ist die Kinderzahl nicht nur zu gering um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, die Kinderarmut ist auch höher und zusätzlich wandern die jungen Menschen und Familien in Massen gen Süddeutschland oder (in geringerer Zahl) gleich in's Ausland. Allein darum ist es keine Spielerei sondern essentiell die Situation nicht im "Bundesdurchschnitt" zu betrachten. Nebenbei räumt man dabei auch mit Mythen auf. Zum Beispiel ist aufjedenfall die Kinderbetreuung in den Neuen Ländern die beste was die Zahl der verfügbaren Plätze in Kindergärten und Horten angeht (ich verzichte absichtlich auf dieses furchtbar sterile norddeutsche Wort der "Kindertagesstätte"). Aber das bringt diesen Regionen gleich Null was Kinderzahl angeht, und "dennoch" ist die Kinderarmut dort höher.
    Zudem ja, je nördlicher je ruppiger wird das Klima (nicht nur vom Wetter her) allgemein - darunter haben natürlich auch Familien zu leiden. Aber nicht nur. Fragt man die sog. "Auswanderer" dann hat man das Gefühl dass sie sich weniger um Steuersätze kümmern wenn sie auswandern, sonst würde zB keiner nach Skandinavien ziehen wollen wo die Steuern noch etwas höher sind als in der Bundesrepublik, sondern letztlich flüchten die Leute vor der mießen Stimmung und dem Eindruck der Perspektivlosigkeit. Sprich, es passt gesellschaftlich nicht mehr. Die Leute fühlen sich schlicht und einfach nicht wohl. Es geht also nicht nur um Kinder. Und da kann der "Staat" auch nichts tun, solange man damit Behörden meint zumindest. Was sich auch daran festmachen lässt dass alle "Ruckreden" daran nichts ändern konnten. Ich weiss nicht wie, aber würde ich nicht in Bayern leben würde ich Deutschland mit Sicherheit ebenso verlassen und hier niemals ein Kind großziehen wollen. Daran kann auch keine staatliche Fürsorge und Elterngeld usw. was ändern, das ist eher ein Teil der Bedrückung die ich empfinde wenn ich an Deutschland denke. Aber Bayern und Deutschland san ja eh zweierlei, insofern komme ich damit klar. Und die Massen an Zugereisten hier offensichtlich auch. Die Schweizer rufen bereits die "Deutsche Invasion" aus weil dort inzwischen über 200.000 Deutsche leben. Die Einwohnerzahl Bayerns ist seit den späten 1980ern um über 2 Millionen gestiegen. Der Großteil davon ist reine Binnenwanderung aus dem Norden. Die Leute stimmen einmal mehr in der deutschen Geschichte mit den Füßen ab. Ich bin gespannt wann entlang des Maines der erste Grenzzaun errichtet wird... dass diese Abstimmung von den Politikern verstanden wird ist nämlich nicht ersichtlich. Es wird nur beschwichtigt und ausgewichen. Ich denke darüber nach bei der nächsten Wahl für die Bayernpartei zu stimmen, deren Hauptziel ist die Eigenstaatlichkeit Bayerns. Es wird Zeit dieses sinkende Schiff zu verlassen. Ich jedenfalls habe keine Lust mehr mir das Geld unter der Überschrift "Solidarität" aus der Tasche ziehen zu lassen, damit in Berlin Schlösser gebaut werden können.

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    Das ist ja wieder mal etwas patriotisch (Kommentar Nr 7 Landburli).

    Ich war 20 Jahre im "Süden" (also in Bayern) und 20 Jahre im Norden (Westfalen und Holstein). Letzteres freiwillig, und zwar nachdem ich im Süden geweilt hatte.

    Und mal ehrlich, die Menschen im Norden sind weniger arrogant (eigenen Beitrag nochmal lesen), oft freundlicher, und vor allem weniger ruppig (Mia san mia. Holts Maol. Wuist ana gschepat? - ist das Norddeutsch?).

    München ist übrigens die Stadt in D mit der geringsten Kinderquote, soweit ich weiss.

    Sicher, manchen treibt's heute in den Süden. Aber es sind sowohl die Berge als auch die wirtschaftliche Not. Wäre doch schön, wenn's auch die Freundlichkeit, Toleranz und das Verständnis der Bewohner wäre, gell?

    Das ist ja wieder mal etwas patriotisch (Kommentar Nr 7 Landburli).

    Ich war 20 Jahre im "Süden" (also in Bayern) und 20 Jahre im Norden (Westfalen und Holstein). Letzteres freiwillig, und zwar nachdem ich im Süden geweilt hatte.

    Und mal ehrlich, die Menschen im Norden sind weniger arrogant (eigenen Beitrag nochmal lesen), oft freundlicher, und vor allem weniger ruppig (Mia san mia. Holts Maol. Wuist ana gschepat? - ist das Norddeutsch?).

    München ist übrigens die Stadt in D mit der geringsten Kinderquote, soweit ich weiss.

    Sicher, manchen treibt's heute in den Süden. Aber es sind sowohl die Berge als auch die wirtschaftliche Not. Wäre doch schön, wenn's auch die Freundlichkeit, Toleranz und das Verständnis der Bewohner wäre, gell?

  4. Diese These ist leider zu wahr.
    Der Anteil der "Unterschichtskinder" an der Gesamtzahl der Studenten ist von circa 24% auf circa 13% gesunken, nachdem Bafög durch Studienkredite ersetzt und Studiengebühren eingeführt wurden.
    Das hat nichts mit der vom Autor stereotypisierten "Unterschichtskultur" zu tun, in der man sich intelektuell damit zufrieden gibt, die Hartz4-Mitteilung entziffern zu können.

    "Nie gab es soviel Verständnis, Einfüllung, Wohlstand, so viele Chancen etwas zu erreichen und sich selber zu verwirklichen. Kinder wissen selbst, ob sie Klavier lernen ...."

    Es gibt viele Menschen, mittlerweile auch in der Mittelschicht, die ihren Kindern all dieses ermöglichen würden, es finanziell aber einfach nicht mehr können.
    Ich selber bin froh, dass ich in einer Universitätsstadt lebe. Das macht es meinem Sohn in eiun paar Jahren einfacher, ein Studium zu absolvieren.
    Problematisch wird es für Eltern, die mehrere Kinder haben.
    Wie viel muss man verdienen, um Klavier- Reitstunden, Ballett etc. Klassenfahrten, Nachhilfeunterricht, PCs, Führerscheine und andere Annehmlichkeiten, die der Autor den selbstbestimmten Kindern zugesteht, bezahlen zu können?

    • Yadgar
    • 24.05.2009 um 18:47 Uhr

    "PROLOCAUST - Die Vernichtung der europäischen Unterschicht 2011-2025"

    "In den ersten Jahren nach der Regierungsübernahme durch die braun-schwarze Koalition unter "Führer und Bundeskanzler" Voigt [...] fanden die "Säuberungen" noch eher unsystematisch statt; die Pläne für ein zentralisiertes System von sogenannten Standortoptimierungscentern waren noch in Ausarbeitung, daher waren es zunächst vor allem sich spontan aus jungen, radikalisierten Angehörigen der Mittelschicht, häufig Studenten der Betriebswirtschaftslehre, rekrutierende Todesschwadrone, die eine Blutspur durch die Unterschichtviertel zogen. Diese formell illegalen, aber bereits unter der Vorgängerregierung stillschweigend geduldeten paramilitärischen Verbände bildeten nach der Konsolidierung des Regimes den Kern der Standortsicherungsstaffel (SSS).

    Ideologisch orientierten sich diese frühen Avantgardetruppen des Prolocausts an einer kruden Mischung aus rechtem Liberalismus (Friedman, von Mises) und vulgärem Soziobiologismus, aber insbesondere nach dem Regierungswechsel im Juni 2011 zunehmend auch dezidiert an nationalsozialistischen Vorbildern, wie ein Liedtext aus einem Blog von 2012/13 zeigt:

    (entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
    (aus: PROLOCAUST, Bd. 1, S. 189, Teheran 2046)

    Antwort auf "Wunder der Disziplin"

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