"Wir haben eine höhere Streikbeteiligung, als wir ursprünglich gedacht haben", sagte eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Die Eltern hätten sich sehr gut auf die Streiks eingestellt und meist andere Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder organisiert.

Ein Streikschwerpunkt war Nordrhein-Westfalen, auch in Rheinland-Pfalz, Schleswig Holstein, Hessen, Bremen und Baden-Württemberg mussten Hunderte kommunale Kitas geschlossen bleiben. Allein in Nordrhein-Westfalen blieben laut ver.di in 26 Städten kommunale Kitas dicht, mehr als 4000 Erzieherinnen kamen nicht zur Arbeit. In Rheinland-Pfalz wollten sich 1000 Erzieherinnen beteiligen, in Mainz sollten alle Kitas dicht sein. In Bremen legten einige Hundert Beschäftigte die Arbeit nieder. An 60 Kitas in Bremen und Bremerhaven war zu lesen: "Diese Einrichtung wird bestreikt." Auch in Hessen lief der Arbeitskampf laut ver.di planmäßig an. Das Saarland beteiligte sich mit zehn Einrichtungen.

In Schleswig-Holstein lag der Schwerpunkt in Kiel, wo 25 der 36 städtischen Kitas geschlossen blieben. Dort zogen 250 Erzieherinnen mit Transparenten durch die Innenstadt. Im baden-württembergischen Ulm waren 20 von 22 Einrichtungen betroffen. Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) kritisierte den Streik: "Die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen sind alles andere als unmenschlich", sagte Gönner. Angesichts des drastischen Rückgangs der Steuereinnahmen könnten Städte und Gemeinden nicht noch mehr Geld für die Kinderbetreuung aufwenden.

Ver.di-Chef Frank Bsirske drohte in Köln mit einem langen Arbeitskampf. Zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will ver.di einen tarifvertraglich geregelten Gesundheitsschutz für 220.000 Erzieher und Sozialarbeiter bei den Kommunen durchsetzen. Die Arbeitgeber werfen den Arbeitnehmervertretern vor, es gehe ihnen gar nicht um Gesundheitsschutz, sondern um bessere Bezahlung.

Bsirske kritisierte die wachsende Belastung, zunehmende Gesundheitsprobleme und eine immer stärker verdichtete Arbeit im Kita-Alltag. Nach Gewerkschaftsangaben können sich nur 26 Prozent der Erzieher und 58 Prozent der Sozialarbeiter vorstellen, bei den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen. Insgesamt besuchen dem Statistischen Bundesamt zufolge rund 2,25 Millionen Kinder Tageseinrichtungen. Bundesweit gibt es knapp 50.000 Kitas, davon 17.000 in kommunaler Trägerschaft.