Musik-Downloads Wer tauscht, soll ausgesperrt werdenSeite 2/2

Das klingt, als wäre das " three-strikes -Modell" die nettere und schonendere Variante. Dabei braucht es für eine gerichtliche Verurteilung eben die Begutachtung des Falls durch einen unabhängigen Richter. Mit " three strikes " aber wird der Industrie ein Werkzeug an die Hand gegeben, nach eigenem Gutdünken ihre Interessen zu vertreten, unabhängig davon, ob sie dabei Grundrechte verletzt.

"Ich vermisse in der deutschen Politik die Erkenntnis, dass ein qualitativ geschäftsfähiges Internet nur durch das Zusammenspiel von technologischer Infrastruktur und Inhalten entstehen kann", erklärte Gorny. Daran, dass eine geschäftsfähige Demokratie nur entstehen kann, wenn sich jeder an ihre Regeln hält, erinnerte er nicht.

Gorny lieferte der Politik auch ein Argument, falls sie nach Begründungen für solchen Freiheitsentzug suchen sollte: Wer den massenhaften Diebstahl von Musik, Filmen, Hörbüchern, Games und Software im Internet in den Griff bekomme, könne der Kreativwirtschaft einen internationalen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Doch dieser Gedanke ist zweifelhaft. Immerhin gibt es eine Studie , die belegt, dass jene, die Musik im Netz tauschen, auch sehr viel mehr legal kaufen als andere. Wer tauscht, interessiert sich für Musik, so sehr, dass er dafür auch Geld ausgibt. Nicht umsonst propagieren Gegner solcher Modelle wie der kanadische Autor und Blogger Cory Doctorow, dass die Industrie nur ihre eigenen Kunden verjage: "Wenn Du deine Kunden verklagst, damit sie Sachen von dir kaufen, werden sie nicht mehr lange deine Kunden sein."

 
Leser-Kommentare
  1. Ein offener Brief an Herrn Gorny und seine Kollegen:

    Liebe Chefs der Musikmaf...industrie,

    NOCH ist Deutschland offiziell ein Rechtsstaat, d.h. der teilweise Entzug von bürgerlichen Rechten (Freizügigkeit aber eben AUCH das Recht auf freie Information) darf hierzulande ausschliesslich (!) nach einem Strafverfahren (!!) von einem Richter (!!!) angeordnet werden.

    Es tut mir leid, Sie enttäuschen müssen, aber weder dürfen Sie nach eigenem Ermessen sog. "Raubkopierer" (ein rechtlich umstrittener Begriff) einsperren noch ihnen den Zugang zu Informations- und Kommunikationsmedien sperren. Wenn Ihnen das nicht passt, dann müssen Sie eben klagen und dann wird ein Richter
    entscheiden, ob Ihre Argumente schlüssig sind oder nicht.

    Was fordern wir denn als nächstes? Der ADAC will dann wohl einfordern, dass Autodiebe am nächsten Baum aufgehängt werden dürfen, oder wie (Pferde gibts ja nicht mehr so viele...).

    Ja, das unberechtigte Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken ist Diebstahl und damit illegal. Selbstjustiz ist das auch - merken Sie sich das endlich mal. Es ist schon eine bodenlose Frechheit, das von Ihnen bezahlte "Gutachter" als neutrale Sachverständige bei Hausdurchsuchungen die Beweise gegen Verdächtige sichern dürfen.

    Schlichtweg verschlafen hat Ihre gesamte Industrie den Wandel an Infrastruktur, Technologie aber auch sich wandelnde Nutzung von fremden Inhalten. Ich verweise hier nur einmal auf die Bereicherung musikalischer Werke durch kreative Arbeit anderer, die daraus ein neues Werk "remixen" - Youtube ist hierfür ein Beispiel. Für Sie ein Verbrechen, dessen Ergebnisse entfernt werden müssen, für andere eine intellektuelle und künstlerische Bereicherung. Kommen Sie endlich an in der neuen Welt, die eben nicht mehr nur Ihr schlichtes auf passiven Konsum ausgerichtetes Geschäftsmodell akzeptiert. Oder gehen Sie unter und werden zu einem historisch interessanten aber quasi ausgestorbenen Geschäftszweig, reihen Sie sich ein bei Webern, Hufschmieden und Bibelkopisten, auch diese hielten sich einmal für unersetzlich. Sie waren es nicht, die Musikindustrie ist es auch nicht. Schon heute spüren Sie ebenfalls, das Musiker sich nicht länger damit abfinden wollen, Ihnen den Grossteil des verdienten Geldes in den Rachen zu werfen - so kommt der Druck von beiden Seiten. Anpassen oder untergehen, Ihre Wahl. Sich zum Ankläger, Richter und Henker in Personalunion aufschwingen - das wird Ihnen auf lange Sicht als Industrie den Untergang bringen.

    Mit dem Ihnen gebührenden Grad an Freundlichkeit grüsst

    ein durch Konsumverweigerung (nicht "raubkopieren")
    an Ihren Verlusten mitschuldiger Bürger.

    • ben_
    • 14.05.2009 um 18:46 Uhr

    Dieter Gorny kenn ich nur aus der Textzeile "… alle waren da, alles was Rang und Namen hat, sogar Dieter Gornys Mutter kam mit Damenbart …" aus dem Song "Flaschenpost" von Eins Zwo vom legendären 98er Album "Sport".

    Und klar, findet Dieter Gorny das dufte, was in Frankreich gerade angestoßen wurde. Ist ja sein Job, sowas zu sagen. Ernstnehmen kann ich ihn trotzdem, oder gerade deswegen nicht. Hab ich doch überdies nur ein Grinsen im Gesicht weil noch mehr Eins Zwo im Ohr: "Und Deine neuen Freunde mit ihren lustigen Dogmen haben immer nich keinen Platz in meinem Walkman."

    --
    der geist in der maschine

  2. Ich kann dazu nur eins sagen. Nur weil Frankreich in den Graben springt sollten wir nicht nachspirngen , aber unsere momentanen Machthaber ändern ja Vorzugsweise das Grundgesetz.

  3. "Die deutsche Musikindustrie hätte auch gern so viel Macht und Drohpotenzial. Schon länger fordert sie: Wer das Urheberrecht verletzt, dem sollte das Internet entzogen werden."

    Das ist wohl jetzt Mode: Politiker und Lobbyverbände fordern ständig die weitere Durchlöcherung der Grundrechte. In Kürze, zum 23. Mai 2009, dem 60. Jahrestag des Grundgesetzes, werden wir es wieder in voller Schönheit erleben dürfen: Feierstunden, Festakte, Sonntagsreden voller Huldigungen und Lobpreisungen auf unser Grundgesetz. Und schon am nächsten Tag wird wieder losgelegt. Dann kommen wieder neue Forderungen, die Grundrechte einzuschränken. Träum' ich das nur oder sind wir schon in China?

  4. "...dass "die Grundrechte und Freiheiten der Endnutzer, insbesondere gemäß Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union zur Meinungs- und Informationsfreiheit, keinesfalls ohne vorherige Entscheidung der Justizbehörden eingeschränkt werden dürfen". "

    Anderer Leute Eigentum ohne Erlaubnis zu nutzen oder schlicht zu klauen, das hat doch überhaupt nix mit der Informationsfreiheit (!) oder gar der Meinungsfreiheit (!!) zu tun.
    Die Leute, die sowas beschließen, haben offenbar keine Ahnung, was im Internet millionenfach passiert: "Internet? Ach, das macht meine Sekretärin".

    Heißt Artikel 11 dann auch: Toll, dann muss ich ja keine GEZ mehr bezahlen, denn ich will mich in der Glotze ja nur "informieren".

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mw2009
    • 14.05.2009 um 20:25 Uhr

    Ihr Vergleich mit der GEZ hinkt gewaltig. GEZ ist eine Sache für sich.

    Vergleichbar wäre, wenn ein Ladendieb nicht nur Hausverbot in dem betroffenen Geschäft bekäme, sondern die Stadt und kein Geschäft, kein Amt, keine Bücherei usw. mehr betreten dürfte.
    Das Abklemmen vom Netz käme dem in etwa gleich, das Internet besteht ja nicht nur aus Tauschbörsen.

    ...könnte man schnell zum Schluss kommen, dass auch bei Ihnen "die Sekretärin das Internet macht".

    • IllI
    • 14.05.2009 um 21:54 Uhr

    ... ich hoffe Ihnen ist das klar ...
    nehmen wir z.B. mal den Begriff "Diebstahl" oder "klauen".
    Meines Wissens nach, handelt es sich dabei um die Entwendung eienr beweglichen Sache. Entwendung hingegen wird als verbringen von einem Ort zum anderen erklärt.
    Jetzt sagen Sie mir bitte mal wo sich der Musiktitel befindet, nachdem jemand ihn herrunter geladen hat. Weiterhin beim Urheber, oder auf der Datenbank auf der er gespeichert ist.
    Ich halte wenig von Diebstahl, ob von materiellem oder imateriellem Eigentum, aber man muss doch sehen, dass es z.B. nicht möglich ist, sich Töne, Buchstaben oder Zeichenketten an sich patentieren zu lassen. Und das aus gutem Grund wie ich finde. Unsere Gesellschaft wäre lange nicht da wo sie sich heute befindet, vieleicht wäre das besser, aber darüber zu phiolosophieren übersteigt meine Lust heute Abend.
    Wenn jetzt ein Musiker ein heiden Geld für etwas verlangt, das mitunter zu mehr als der Hälfte aus bisher dagewesenem besteht frage ich mich wer hier wen ausnimmt.
    Eine Schwedische Hörbuchautorin stellte vor kurzem ihr neuestes Werk kostenlos ins Internet mit der Bitte und ihren Kontodaten, die Downloader mögen ihr doch den für sie angemessenen Preis überweisen. Innerhalb eienr Woche hatte sie ihre Ausgaben wieder drin.
    Die Menschen sind nicht vin Grund auf schlecht und deswegen sollte man ihnen nicht mit so einer Scheiße (entschuildigen sie meine Ausdrucksweise, aber genau darum handelt es sich nunmal) drohen.
    Nur weil sich eine MI weiterhin bereichern will sollte die Internetgemeinde nciht klein bei geben.
    _________________

    Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-

    • mw2009
    • 14.05.2009 um 20:25 Uhr

    Ihr Vergleich mit der GEZ hinkt gewaltig. GEZ ist eine Sache für sich.

    Vergleichbar wäre, wenn ein Ladendieb nicht nur Hausverbot in dem betroffenen Geschäft bekäme, sondern die Stadt und kein Geschäft, kein Amt, keine Bücherei usw. mehr betreten dürfte.
    Das Abklemmen vom Netz käme dem in etwa gleich, das Internet besteht ja nicht nur aus Tauschbörsen.

    ...könnte man schnell zum Schluss kommen, dass auch bei Ihnen "die Sekretärin das Internet macht".

    • IllI
    • 14.05.2009 um 21:54 Uhr

    ... ich hoffe Ihnen ist das klar ...
    nehmen wir z.B. mal den Begriff "Diebstahl" oder "klauen".
    Meines Wissens nach, handelt es sich dabei um die Entwendung eienr beweglichen Sache. Entwendung hingegen wird als verbringen von einem Ort zum anderen erklärt.
    Jetzt sagen Sie mir bitte mal wo sich der Musiktitel befindet, nachdem jemand ihn herrunter geladen hat. Weiterhin beim Urheber, oder auf der Datenbank auf der er gespeichert ist.
    Ich halte wenig von Diebstahl, ob von materiellem oder imateriellem Eigentum, aber man muss doch sehen, dass es z.B. nicht möglich ist, sich Töne, Buchstaben oder Zeichenketten an sich patentieren zu lassen. Und das aus gutem Grund wie ich finde. Unsere Gesellschaft wäre lange nicht da wo sie sich heute befindet, vieleicht wäre das besser, aber darüber zu phiolosophieren übersteigt meine Lust heute Abend.
    Wenn jetzt ein Musiker ein heiden Geld für etwas verlangt, das mitunter zu mehr als der Hälfte aus bisher dagewesenem besteht frage ich mich wer hier wen ausnimmt.
    Eine Schwedische Hörbuchautorin stellte vor kurzem ihr neuestes Werk kostenlos ins Internet mit der Bitte und ihren Kontodaten, die Downloader mögen ihr doch den für sie angemessenen Preis überweisen. Innerhalb eienr Woche hatte sie ihre Ausgaben wieder drin.
    Die Menschen sind nicht vin Grund auf schlecht und deswegen sollte man ihnen nicht mit so einer Scheiße (entschuildigen sie meine Ausdrucksweise, aber genau darum handelt es sich nunmal) drohen.
    Nur weil sich eine MI weiterhin bereichern will sollte die Internetgemeinde nciht klein bei geben.
    _________________

    Aus so krummem Holz wie der Mensch geschnitzt, lässt sich nichts gerades zimmern. - i.kant-

    • mw2009
    • 14.05.2009 um 20:25 Uhr

    Ihr Vergleich mit der GEZ hinkt gewaltig. GEZ ist eine Sache für sich.

    Vergleichbar wäre, wenn ein Ladendieb nicht nur Hausverbot in dem betroffenen Geschäft bekäme, sondern die Stadt und kein Geschäft, kein Amt, keine Bücherei usw. mehr betreten dürfte.
    Das Abklemmen vom Netz käme dem in etwa gleich, das Internet besteht ja nicht nur aus Tauschbörsen.

  5. Der Herr Gorny ist ein Representant von einer Industrie der es so geht wie den Herrsteller von Schreibmaschinen. Doch die Schreibmaschinenhersteller wollen die Textverarbeitungsprogramme verbieten und es jetzt mit eigenen Sheriffs durchsetzen. Wenn das mit dem Grundgesetz vereinbar ist kann man auf den Rechtsstaat nichts mehr geben. Ein solcher Eingriff in die Grundrechte muss einen Richtervorbehalt haben, sonst schlage ich vor Deutschland einfach meistbietend an die nächste Lobby zu versteigern.

  6. ...könnte man schnell zum Schluss kommen, dass auch bei Ihnen "die Sekretärin das Internet macht".

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