Online-ErbeE-Mail aus dem Grab

Das Geschäft mit dem Tod funktioniert auch online: Virtuelle Nachlassverwalter sorgen sich um Mails oder Netzwerkprofile von 

Ausgeschaltet - Wer löscht die Profile, wenn der Nutzer stirbt?

Ausgeschaltet - Wer löscht die Profile, wenn der Nutzer stirbt?  |  © Fuchssteiner - mem-film.de/photocase.de

Als Jeremy Toemans internetbegeisterte Großmutter starb, hatte die Familie des PR-Managers keinen Zugriff auf ihre zahlreichen Online-Konten. Ähnlich erging es den Hinterbliebenen der jungen Vietnamesin Hoang Nguyen. Weil niemand ihre Passwörter kannte, konnten ihre Internet-Bekanntschaften nicht von ihrem Tod benachrichtigt werden.

So oder ähnlich klingen die meisten Geschichten hinter Angeboten wie legacylocker.com, vitallock.com oder mywonderfullife.com. Und auch wenn jedes Unternehmen einen Gründungsmythos braucht, so weisen doch alle auf dieselben Fragen hin: Was passiert mit dem digitalen Nachlass eines Verstorbenen? Wem gehören E-Mails, Domains, Flickr-Fotos, YouTube-Videos oder Zugänge zu Shopping-Portalen?

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Für Wolfgang Burandt, Hamburger Anwalt für Erbrecht, gehören solche Hinterlassenschaften den Nachkommen, genau wie Briefe oder Wollsocken. "Das geht alles an die Erben über, die dann damit machen können, was sie wollen", sagt er.

Doch bislang gibt es keine Urteile, die diese Einschätzung untermauern. Deutsche Web-Unternehmen handeln dementsprechend willkürlich. Bei GMX, web.de oder dem Netzwerk wer-kennt-wen reicht die Vorlage des Erbscheins, um Zugriff auf die Konten zu bekommen. Bei den VZ-Netzwerken und bei Facebook können die Hinterbliebenen sogar entscheiden, ob das Profil noch einige Zeit online bleiben soll. Mail-Provider Yahoo ist da vorsichtiger. Die Erben können nur die Löschung des Accounts beantragen, einen Zugriff gestattet das Unternehmen nicht.

Wem soviel Geheimniskrämerei zuviel ist, sollte dafür sorgen, dass die Abwicklung des Online-Lebens für die Verwandtschaft nicht zum Passwort-Ratespiel wird. Legacylocker.com bietet dafür seit April seine Dienste an. Die Seite speichert beliebig viele Passwörter, dabei kann für jedes Konto ein anderer Begünstigter bestimmt werden, der im Ernstfall Zugriff erhält. Zusätzlich bietet das Unternehmen an, im Todesfall zuvor hinterlegte Briefe an die Liebsten zu schicken.

Mit einer jährlichen Gebühr von 29,99 Dollar oder einer einmaligen Zahlung von 300 Dollar gehört die Seite zu den teureren Angeboten, verspricht dafür aber hohe Sicherheitsstandards und eine persönliche Betreuung. Denn Passwörter und Briefe werden erst dann freigegeben, wenn zwei Personen den Tod bestätigt haben und die Sterbeurkunde vorgelegt wurde.

Ein ähnliches Konzept bietet vitallock.com, doch dort ist man noch lange nicht so weit: Erst im Sommer soll die Seite starten. Dafür verspricht das Unternehmen einen weitgehend kostenlosen Service.

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  • Schlagworte Brief | Domain | GMX | Passwort
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