USA New York historisch
Die Stadt am Hudson River feiert ihre Entdeckung vor 400 Jahren

© Eva Schweitzer
Der Broadway war einst die Hauptstraße des Örtchens Neu-Amsterdam, die Wall Street heißt so, weil hier einst die Stadtmauer stand
In den Sommermonaten des Jahres 1609 segelte ein britischer Entdecker an der ostamerikanischen Küste einen Fluss hinauf, der heute seinen Namen trägt: Henry Hudson sollte im Auftrag der Dutch East India Company eine Nordwest-Passage zum Pazifik finden. Die holländische Handelsgesellschaft, für die er unterwegs war, suchte eine alternative Schiffsroute nach Asien, weil der Weg um Afrika herum wegen der Piraterie zu gefährlich war.
Hudsons Schiff segelte an der Insel Mannahatta – wie die Lenape-Indianer, die dort lebten, sie nannten – vorbei. Erst an der Stelle, an der heute der Ort Albany liegt, kehrte er um. Doch er reklamierte Manhattan für die Dutch West India Company, die dort fünf Jahre später eine Kolonie gründete: Neu-Amsterdam.
Die Ansiedlung bestand zunächst nur aus ein paar Straßen mit niedrigen Häuschen, einer Kirche, einer Windmühle und dem Fort Amsterdam, das die Kolonie zur See hin schützen sollte. Die Hauptstraße war der Broadway, ein alter Indianerpfad. Peter Minuit, der Kolonialdirektor, gab 1628 den Lenape Glasperlen im Wert von 24 Dollar. Er meinte, die Insel damit gekauft zu haben. Die Lenape hingegen betrachteten die Perlen als Gastgeschenk.
Die Holländer dehnten ihre Siedlungen bald Richtung Norden aus – die bekannteste davon ist Harlem. Und sie gründeten Dörfer auf Staten Island, Governor's Island und auf Long Island, Breukelen – später Brooklyn genannt –, Vlissingen (heute Flushing), Elmhurst und Jamaica entstanden. Um diese Zeit erwarb der schwedische Kapitän Jonas Bronck einen Streifen Land nördlich des Harlem River. Daraus wurde die Bronx.
Dann aber, 1655, brachten Soldaten unter dem Befehl von Minuits Nachfolger Pieter Stuyvesant im sogenannten Pfirsichkrieg Hunderte von Indianern um. Stuyvesant ließ an der Grenze der Stadt, der heutigen Wall Street, von seinen schwarzen Sklaven eine Mauer bauen. Wenige Jahrzehnte später waren die Indianerstämme des Hudson Valley vertrieben und ausgerottet.
1664 eroberten die Engländer Manhattan, die Stadt hieß nun New York. Die Briten boten den holländischen Kolonisten aber Religionsfreiheit und ein gleichberechtigtes Zusammenleben an. 1677 wurde Stephanus van Cortlandt als erster gebürtiger New Yorker Bürgermeister. Die Stadt wuchs immer weiter Richtung Norden, bis sie die Bronx erreichte.
Von der ursprünglichen Siedlung ist heute kaum noch etwas zu erkennen. New York ist schnelllebig. Das Fort Amsterdam wurde geschleift, heute ist dort das Customs House, das Zollhaus, wo das National Museum of the American Indians untergebracht wurde. Die Windmühle verschwand spurlos, die alte holländische Kirche wich einem Hochhaus. Nur ein paar Straßennamen, die an die Dutch West India Company erinnern, haben sich gehalten - Pearl Street, Beaver Street, Stone Street, und natürlich Wall Street und Broadway. Das älteste Relikt in Manhattan ist der 1656 angelegte sephardisch-jüdische Friedhof im heutigen Chinatown. Er lag damals, wie auch der Sklavenfriedhof, vor den Toren der Stadt. Denn innerhalb der Mauern wurden nur weiße Christen beerdigt.
Auch Harlem hat sich heute völlig verändert. Das letzte holländische Relikt, die Old Dutch Church an der Lexington Avenue, wurde bald nach 1920 abgerissen. In Brookyln, der Bronx und Staten Island blieben nur ein paar Feldsteinhäuser übrig, und in Inwood, im Norden von Manhattan am oberen Broadway, steht heute noch das Dyckman House, ein restauriertes holländisches Bauernhaus. Sie alle sind heute städtische Museen mit kleinen historischen Ausstellungen.
Und ein paar holländische Namen sind noch zu finden: Die Minuit Plaza an der Südspitze Manhattans, Stuyvesant Town an der Lower East Side, den Van Cortlandt Park in der Bronx und Spuyten Duyvil am Harlem River. Hier ist einer von Stuyvesants Offizieren ins Wasser gesprungen, um die Siedler der Bronx vor den heranrückenden Briten zu warnen – der Teufel hat ihn ertrinken lassen.
Auch mit Henry Hudson nahm es kein gutes Ende. Er segelte bis nach Labrador, wo sein Schiff, die Half Moon, den Winter über im arktischen Eis gefangen saß. Daraufhin meuterte seine Mannschaft. Sie setzte Hudson, seinen Sohn und acht Matrosen in einem Ruderboot aus. Niemand hat jemals wieder von ihnen gehört.
INFORMATION
In diesem Jahr, 400 Jahre nach Henry Hudsons Fahrt, feiert New York seine Wurzeln mit Ausstellungen, Touren und Freiluftveranstaltungen:
Das Museum of the City of New York zeigt in diesen Wochen die Ursprünge Manhattans in Amsterdam/New Amsterdam: The Worlds of Henry Hudson. Zwei weitere Ausstellungen über die Stadtgeschichte sind im Sommer und Herbst geplant.
Die Frick Collection, das Metropolitan Museum of Art, das Cooper-Hewitt Design Museum, das Brooklyn Museum of Art und das Jüdische Museum zeigen Werke alter holländischer Meister.
Das Transit Museum in Brooklyn stellt Artefakte aus der Holländerzeit aus, die beim Bau der U-Bahn zur South Ferry gefunden wurden.
Das South Street Seaport Museum zeigt ab September alte Seekarten.
Und die Henry Hudson Foundation lädt zu einem New Amsterdam Trail ein, eine historische Führung zu Fuß durch Downtown Manhattan.
In Inwood sind ein Anglerfest und ein indianisches Pow-Wow, ein Tanzfest, geplant. Dazu gibt es bis in den November hinein Lesungen, Filme und Konzerte entlang des Hudson River.
Veranstaltungen zum Thema 400 Jahre New York: http://nycgo.com/?event=view.article&id=140890
Von der Autorin ist im Mai das Buch "Manhattan Moments. Geschichten aus der Vielfalt und Wildheit des Kosmos New York" erschienen, (Droemer-Knaur, 302 S., 9,95 €)
- Datum 19.05.2009 - 15:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die wirklich einflussreichen "ersten" Familien der New Yorker Gesellschaft existieren bis heute in relativer Zurückgezogenheit und tragen niederländische Namen wie Cortlandt, Van Buren oder Vandenberg. Ihre Namen fehlen z.B. gänzlich unter den Unterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung. Einige gingen in die amerikanische Politik, doch nur wenige von ihnen traten jemals so prominent an die Öffentlichkeit wie die Rockefellers, die Roosevelts und die Vanderbilts.
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