Nahost-Konflikt
Obama redet Klartext mit Netanjahu
Auf die Körpersprache kommt es an. Stocksteif saßen Barack Obama und Benjamin Netanjahu im Weißen Haus nebeneinander. Ernste Mienen, gequälte Witze, kein Schulterklopfen
Bedeutungsschwere Worte: Der amerikanische Präsident und der israelische Premier sprachen nüchtern von einem "konstruktiven" Treffen. Obamas Pressesprecher Robert Gibbs nannte es schlicht "produktiv". Das sagt man immer, wenn sich die Gesprächspartner eigentlich am liebsten gegenseitig vors Schienbein treten möchten.
Nein, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen und Höflichkeitsfloskeln: So begegnen sich Freunde nicht. Und schon gar nicht die Partner einer "special relationship", einer besonderen, soll heißen: einer besonders innigen Beziehung.
Dennoch, auch unter Obama bleibt Amerika Israels engster Verbündeter und wichtigster Garant seiner Sicherheit und Existenz. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Wie Sicherheit erlangt werden und die Existenz gewahrt bleiben kann – darin unterscheiden sich Obama und Netanjahu fundamental. Sie streiten nicht nur über den Weg zum Ziel, sondern über das Ziel selber.
Auch hier kommt es auf die Worte an: Während für Netanjahu der Weg zum Frieden in Nahost in erster Linie über den Iran führt, heißen die wichtigsten Wegmarkierungen für Obama Jerusalem und Ramallah. Während Obama nicht vom Ziel einer "Zwei-Staaten-Lösung" ablässt, spricht Netanjahu lediglich von einem "Arrangement", dass es den Palästinensern irgendwann ermögliche, "sich selbst zu regieren" – natürlich abzüglich einiger Rechte, die Israels Sicherheitsinteressen im Wege stünden.
Netanjahu will ein friedliches, prosperierendes Nebeneinander – und er will darüber so schnell wie möglich verhandeln. Aber das Zauberwort Palästinenserstaat nahm Israels Premierminister am Montag nicht ein einziges Mal in den Mund. Öffentlich sowieso nicht, weil dann seine Regierungskoalition geplatzt wäre. Aber, soweit man weiß, nicht einmal unter vier Augen.
Natürlich war das Treffen deswegen kein völliger Fehlschlag. Dafür sind beide viel zu stark aufeinander angewiesen. Keiner will deshalb den anderen düpieren. Israel braucht den politischen und psychologischen Beistand der USA und vor allem die jährliche Militärhilfe von etwa drei Milliarden Dollar. Amerika wiederum braucht israelische Zugeständnisse gegenüber den Palästinensern, um die arabischen Verbündeten bei Laune und bei der Stange zu halten. Netanjahu murmelte deshalb irgendetwas von "Verhandlungen". Und Obama deutete an, dass er die Geduld mit dem Iran verlieren könnte, sollte dieser bis Ende des Jahres keine Konzessionen machen.
Dennoch: Unterhalb und jenseits dieser amerikanisch-israelischen Wir-brauchen-einander-Devise verändert sich das Verhältnis zwischen Amerika und Israel. Nicht abrupt, nicht radikal, aber allmählich und nachhaltig.
In seltener Klarheit legte der neue Herr im Weißen Haus seinem Gast am Montag dar, dass Amerika sich nicht nur einen eigenständigen, souveränen palästinensischen Staat wünscht, sondern ihn auch nach Kräften möglich machen will – und zwar eher morgen als übermorgen. Obama verlangte zudem ein sofortiges Einfrieren des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland.
Amerikas neuer Präsident will eindeutig sein – nicht nur gegenüber den Palästinensern, sondern ebenso gegenüber Israel. Sein Nahost-Gesandter George Mitchell, der Nationale Sicherheitsberater James Jones und der Geheimdienstkoordinator Dennis Blair sind sowieso schon lange der Meinung, dass endlich auch gegenüber Israel Klartext geredet werden müsse. Sogar Außenministerin Hillary Clinton, eine starke Verbündete Israels, ist damit einverstanden.
Überdies: Neueste Untersuchungen mehrerer Forschungsinstitute belegen, dass die Amerikaner allmählich ungeduldig werden – nicht nur mit der chronisch unfähigen Palästinenserführung, sondern ebenso mit der Regierung in Jerusalem. Jene, die Obama gewählt haben, meinen mehrheitlich, dass Amerikas und Israels Sicherheitsbedürfnisse nicht deckungsgleich seien. Eine Mehrheit sagt zudem, die Palästinenser hätten ein Rückkehrrecht, und eine wachsende Zahl findet sogar, die extremistische Hamas sollte an Friedensverhandlungen beteiligt werden.
Während die eine Hälfte Amerikas meint, die Palästinenser erhielten zu viel Dollar, ärgert sich die andere Hälfte über die Milliarden für Israel. Derweil melden die Agenturen am Montag: Hamas und Fatah streiten weiter erbittert über die Zukunft eines Palästinenserstaates und Israel wird im Westjordanland die jüdische Siedlung Maskiyot ausbauen.
- Datum 19.5.2009 - 10:50 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 31
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... die an die globale atomare Abrüstung und an die globale Entmilitarisierung
- mit zunehmendem nur durch die UNO legitimierten Gewaltmonopol -
angekoppelt werden muss!
Haaaalloooo UNO, wo seid ihr, wir hören nichts, nicht hinter OBAMA verstecken, sondern als Weltorganisation endlich deutlicher hervortreten und von OBAMA Unterstützung einfordern, nachdem 2005 die US-Regierung die UNO-Reformen ausgehebelt hat!!
Es gibt verdammt viel für eine neu zu reformierende UNO zu tun!
Vor allem muss auch hier die GLAUBWÜRDIGKEIT hergestellt werden !
da hat einer einen auf den Rüffel bekommen und das war längst überfällig.
Die Zeiten wo die israelische Regierung die alleinige Schuld für den Nahost Konflikt den Palestinensern geben können, scheinen entlich vorbei zu sein.
Jetzt muss sich nur noch jemand finden der den Palestinensern ein wenig "Hirn" eintrichtert.
Hut ab vor Obama, auch wenn das (wieder) nichts werden sollte, zumindest geht er einen neuen Weg.
Vielleicht sind ja Erkenntnisse und aufgezeigte Konsequenzen der "Israel-Lobby" (Walt/Mearsheimer) auch an Obama & Co. nicht spurlos vorbeigegangen.
Auch wenn zu befürchten steht, dass Macht und Einfluss des AIPAC auf US-Präsidentennominierung und -Außenpolitik gerade nach den US-Wahlen nicht unbedingt geschrumpft sein dürften...
Die UNO-Rettung durch eine UNO-Reform sollte mit dem gleichen Tempo vorgenommen werden wie die "Bankenrettung" bzw. wie die "Rettung des Weltfinanzsystems" (das würde genügen :-) ):
- neben dem Weltsicherheitsrat (weg mit dem VETO-RECHT)
- ein Weltwirtschaftsrat (bereits vorgeschlagen) und ein
- Weltumweltrat
mit gleichen Macht-Entscheidungsbefugnissen.
Natürlich nicht mit korrupten und gierigen, sondern mit verantwortungsvollen "Eliten" besetzt.
Die gibt es wirklich: SIehe "Weltzukunftsrat" ( World Future Council):
http://www.worldfuturecou...
An der Finanzierung dürfte die UNO-Reform nun wirklich nicht scheitern.
Bei einem Gesamtetat von bislang 4 Milliarden Dollar (oder sogar nur 2 Milliarden?) jährlich müsste die UNO Rettung aus der Portokasse der Bankenrettung zu finanzieren sein.
Eine vernünftig organisierte UNO-Rettung wäre eine tragfähige Basis für eine Weltinnenpolitik und damit für eine koordinierte Weltrettung ! :-)
Das kann der Zukunft doch nicht schaden !
In Erwartung der Kommentare der selbsternannten "Realisten", und vergangenheitsorientierten "Bedenkenträger" gehe ich schon einmal ins Trainingslager für das "NEUE DENKEN" (ALBERT EINSTEIN), um mich gegen die Vorwürfe: Naivling, Träumer, Traumtänzer, Utopist usw. zu wappnen.
Man kann schon verzweifeln, wenn man sieht, dass es Leute gibt, Ihren Kommentar mit "schlecht" bewerten... Was wollen solche Menschen denn?
...meine Unterstützung zu einer UNO-Reform habt Ihr!
x) Weg mit dem Veto aus dem Weltsicherheitsrat, totally agreed!
x) Weltwirtschaftsrat und Weltumweltrat würden die übrigen UNO-gebiete (denke da an die WHO und eventuell die UNESCO etc. gut ergänzen.
Also nicht zurückziehen in das Kämmerchen ("Neue Denken", hab ich leider noch nie gehört), maximal die Einsteinposter abnehmen (wenn mir der Mann (guter Wissenschafter, aber bei weitem überschätzt; nur meine Meinung) nochmal irgendwo die Zunge entgegenstreckt, krieg ich die naturwissenschaftlichen Motten!) :-)
Weiter so, wir werden dies reform noch erleben!!!
EinGangLion
Die UNO und deren Reform ist für mich wie Sozialismus.
Beides sehr gute Theorien, doch sobald man Menschen ins Spiel bringt wird leider nichts draus.
Doch ich lebe in der Hoffung da ich mich doch Irre :-)
Man kann schon verzweifeln, wenn man sieht, dass es Leute gibt, Ihren Kommentar mit "schlecht" bewerten... Was wollen solche Menschen denn?
Ich habe mich schon darüber gefreut, dass immerhin einige Kommentatoren nicht als Gefangene in ihrer Ritterrüstung des alten Denkens sich in die Zukunft dahinschleppen wollen ! :-)
Hier geht es ja nicht um Beifall, sondern um Zukunftsfähigkeit !
...hier konsequenter (erfolgreicher ?) sein, als bei der Aufarbeitung von Guantanamo ?
Wie bereits an anderer Stelle bemerkt: Die Metamorphose a la Jean Paul Sartres "Im Räderwerk" ist in vollem Gange
...meine Unterstützung zu einer UNO-Reform habt Ihr!
x) Weg mit dem Veto aus dem Weltsicherheitsrat, totally agreed!
x) Weltwirtschaftsrat und Weltumweltrat würden die übrigen UNO-gebiete (denke da an die WHO und eventuell die UNESCO etc. gut ergänzen.
Also nicht zurückziehen in das Kämmerchen ("Neue Denken", hab ich leider noch nie gehört), maximal die Einsteinposter abnehmen (wenn mir der Mann (guter Wissenschafter, aber bei weitem überschätzt; nur meine Meinung) nochmal irgendwo die Zunge entgegenstreckt, krieg ich die naturwissenschaftlichen Motten!) :-)
Weiter so, wir werden dies reform noch erleben!!!
EinGangLion
Zum NEUEN DENKEN: Googlen Sie unter "POTSDAMER DENKSCHRIFT bzw POTSDAMER MANIFEST aus dem Einstein-Jahr (2005), die/das an das EINSTEIN-RUSSELL-Manifest anknüpft.
Nachdem der 600 Milliarden pro Jahr teure US-Militärapparat durch "himmlische" - mit Bibelsprüchen legitimierte - Flugzeug-und Raketen-Bombardements in IRAK, AFGHANISTAN usw auch nach 7 Jahren keinen Frieden gebracht hat - länger als der 2.Weltkrieg - sollte OBAMA nicht in die Rolle des göttlichen Erlösers, und die USA nicht zur göttlichen Supermacht gedrängt werden, die die BUSH-Regierung sich selbst zugeschrieben hat.
Eine international und interkulturell legitimierte UNO könnte
- nicht als Weltregierung oder gar als Weltdiktatur (!!) -
für weltinnenpolitische Lösungen von Pakistan bis Palästina sorgen.
OBAMA/USW darf nicht erneut in die Rolle des Bestrafers von IRAN gedrängt werden:
BUSH war ja sogar bereit, Irans ( nichtvorhandene ) Atombomben mit Atombomben wegzubombadieren (BUSH-Doktrin 2002).
Mit 1 200 Milliarden Dollar Militärausgaben pro Jahr müsste ein
"Frieden mit friedlichen Mitteln" leicht finanzierbar sein!
Das erinnert mich stark einen Bibeltext, wo auch zwei "Diplomaten" miteinander redeten:
Daniel 11:27 „Die beiden Könige sitzen dann am selben Tisch zusammen und versuchen sich gegenseitig hinters Licht zu führen. Doch ihre Pläne gelingen nicht, weil die Zeit für das Ende noch nicht gekommen ist.“
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