Waffenrecht Koalition zieht Paintball-Verbot zurück
Union und SPD beugen sich dem öffentlichen Druck: Ballern mit Farbmunition soll nun doch nicht verboten werden

© John MacDougall/AFP/Getty Images
Paintballfans dürfen nun wohl doch weiterspielen
"Da haben wir uns vielleicht verrannt", begründete der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, am Donnerstag den überraschenden Rückzieher im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Noch einen Tag zuvor hatten die Innenpolitiker der Großen Koalition ihren Entwurf zu einer Änderung des Waffenrechts vorgestellt. Einer der Punkte: Das sogenannte Paintball-Schießen sollte verboten werden. Das Spiel, in dem sich die gegnerischen Mannschaften mit Farbmunition beschießen, verletze die Menschenwürde, so die Begründung.
Mittlerweile allerdings zeichne sich ein Konsens zwischen den Koalitionsfraktionen und dem Bundesinnenministerium ab, das Verbot in einen Prüfantrag zu verwandeln, sagte Wiefelspütz. Der Innenexperte ist sich sicher: "In dieser Legislaturperiode wird es nicht mehr zu einem Verbot kommen".
Ausschlaggebend für die Entscheidung sei, dass man keine letzte Sicherheit darüber habe, ob das Spiel tatsächlich einen Angriff auf Paragraph 1 des Grundgesetzes, also die Menschenwürde, darstelle. "Ich selbst habe meine Meinung nicht geändert", sagte Wiefelspütz. Er sei der Auffassung, dass es sich bei Paintball um ein sittenwidriges Spiel handele. "Meinen Kindern würde ich das nicht erlauben". Sein persönliches Empfinden könne aber natürlich nicht Grundlage eines Gesetzes sein.
In der Union hat man sich zwar offenbar noch nicht endgültig entschieden. Ohne Zustimmung der SPD dürfte das Verbot aber kaum seinen Weg in das in der kommenden Woche im Kabinett zu beschließende Gesetz finden. Bedenken gibt es zudem auch bei CDU und CSU. "Wir wissen einfach noch zu wenig darüber, wie gefährlich das Spiel wirklich ist", sagte der CDU-Innenpolitiker Reinhard Grindel Spiegel Online.
Dass die Koalition an diesem besonders umstrittenen Punkt nun einen Rückzieher macht, ist nicht zuletzt dem massenhaften Protest der Paintball-Fans zu verdanken. Diese hatten in den vergangenen Tagen Abgeordnete mit Protest-Mails überschwemmt. Viele Kollegen hätten sich daraufhin an ihn gewandt und gebeten, die Entscheidung zu überdenken, berichtete Wiefelspütz.
Der Online-Protest gegen das Paintball-Verbot ist damit ein weiteres Beispiel, dass über das Netz mittlerweile erfolgreich Politik beeinflusst werden kann. Erst vor wenigen Tagen hatten Gegner von Internetsperren über das Online-Petitionssystem des Bundestages erzwungen, dass der Petitionsausschuss sich mit der Sperrung von Seiten mit kinderpornographischen Inhalten befassen muss.
An den anderen geplanten Änderungen am Waffenrecht will die Große Koalition festhalten. Dazu gehören unter anderem schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern und die Einführung biometrischer Blockiersysteme, die verhindern sollen, dass die Waffen von Unberechtigten entwendet werden. Außerdem sollen künftig nur noch erwachsene Sportschützen mit großkalibrigen Waffen schießen dürfen.
- Datum 14.05.2009 - 15:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
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Zitat:<< "Wir wissen einfach noch zu wenig darüber, wie gefährlich das Spiel wirklich ist", sagte der CDU-Innenpolitiker Reinhard Grindel Spiegel Online.>>
Und ich dachte immer die Prüfung der Notwendigkeit eines Gesetzes sollte vor dem Entwurf des selbigen erfolgen.
Wieder ein Beispiel dafür mit wie viel Vorsicht die bundesdeutsche Politik Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bürger auf Notwendigkeit, Eignung und Verhältnismäßigkeit abwägen.
Andererseits: Mittlerweile ist man ja schon dankbar, wenn mal keine Grundgesetzänderung verlangt wird.
als gar keine. Zum Glück ist es durch öffentlichen Druck gelungen, einen gesetzlichen Eingriff in die Freizeitgestaltung, also in die Privatsphäre der Bundesbürger zu verhindern.
Demnächst dürfen sich dann auch die Kinder (resp. die Eltern) vor dem Gericht verantworten wenn die dann Räuber und Polizei, Cowboy und Indianer oder ähnliches gespielt haben, da das ja auch gegen die Menschenwürde verstößt.
Insbesondere im Letzteren sollte doch geprüft werden, ob dieses nicht sogar Fremdenfeindlich ist und demnach verboten werden sollte.
gott sei dank ist diese peinliche idee vom tisch. wenn ich aber beobachte mit welcher rationalität politik gemacht wird, dann finde ich es erschreckend, dass solche menschen für mich entscheidungen treffen und ich diesem augeliefert bin.
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Christdemokraten: Für Alles zu haben, zu Nichts zu gebrauchen.
Was die Kleinen mit ihren Wasserspritzpistolen veranstalten, dass tun die etwas älteren eben mit Paintballwaffen.... ob der nette Herr aus dem Interview wohl auch das seinen Kindern verbieten würde?
Die Dinger sehen heutzutage aber auch gemein gefährlich aus....
Was ein Glück, dass man die Koalitionspolitiker noch zur Einsicht bewegen konnte - es besteht noch Hoffnung!!!
@Apostasie
Haben Sie die letzten paar Jahre in Indien verbracht? Alles was man nicht unbedingt machen MUSS oder zumindest SOLLTE gilt in Berlin zunächst einmal als verbotswürdig.
Die Beweislast der gesellschaftlichen Nützlichkeit seines Tuns trägt der Bürger.
Auf diese öffentliche Auseinandersetzung hatte ich mich wirklich gefreut! ;)
Davon abgesehen beweist Herr Wiefelspütz wie gewohnt beindruckende Sachkompetenz:
"Meinen Kindern würde ich das nicht erlauben"
Na sowas. Paintball ist sowieso erst ab 18 erlaubt.
Wenn man wissen will, wes Geistes Kind Beziehung mit welcher Kinderstübe Herr Wiefelspütz gesegnet ist, empfehle ich auf www.abgeordnetenwatch.de mal nach seinen Antworten zu suchen. Unverschämter gehts fast nicht: Zitat vom 09.05.2009:
Frage eines Bürgers bezüglich DNS Sperren: Herr W. anwortet:
Sehr geehrter Herr ,
was soll denn ein "Computer" sein, was soll "Internet" sein?
Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend.
DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB
Wirklich ein Politiker, der auf seine Bürger eingeht und so unglaublich kompetent..
"Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."
Wenn man wissen will, wes Geistes Kind Beziehung mit welcher Kinderstübe Herr Wiefelspütz gesegnet ist, empfehle ich auf www.abgeordnetenwatch.de mal nach seinen Antworten zu suchen. Unverschämter gehts fast nicht: Zitat vom 09.05.2009:
Frage eines Bürgers bezüglich DNS Sperren: Herr W. anwortet:
Sehr geehrter Herr ,
was soll denn ein "Computer" sein, was soll "Internet" sein?
Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend.
DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB
Wirklich ein Politiker, der auf seine Bürger eingeht und so unglaublich kompetent..
"Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."
Hmm, seltsam, warum kommt mir das ganze nicht irgendwie bekannt vor. Da gibt es doch so eine andere Initiative, die gegen jeglichen Rat von Experten durchgezogen wird, ohne auf die Fachleute zu hören. Nennt sich glaube ich "staatliches Zensurgesetz" ach nein, tschuldigung, war ja nur das Verstecken von Kinderpornografie und der Schutz der Täter unter Inkaufnahme des weiteren Leids der Opfer.
Bundesregierung setzen, sechs. Es gibt wohl hier mehr Lobbyismus als gesunden Menschenverstand, wenn ich mir nur die Verbindungen des Herrn Guttenberg, seiner Frau, Frau von der Leyen des Vereins Kinderhilfe (Stichwort Spendenskandal) und des Vereins "Innocence in Danger" ansehe, ist mir klar, dass hier nicht Expertenwissen gefragt ist, sondern Lobbyismus und Geld.
Ich bin wirklich enttäuscht, von wem wir hier regiert werden.
Aber ich hoffe, der Bürger zieht bei der nächsten Wahl die Konsequenz... Andererseits...
"Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben."
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