Tobias Krone hat sich warm geredet. Der 23-jährige Bachelor-Student der Soziologie steht auf der Bühne im Hinterzimmer der Ponybar im Hamburger Uni-Viertel.

Er hält das Mikrofon fest umklammert in seiner linken Hand und hackt mit der rechten Ausrufungszeichen in die Luft. "Georg Simmel hat da diesen einen Satz rausgehauen: Was wir als das Tempo des Lebens empfinden, ist das Produkt aus der Summe und der Tiefe seiner Veränderungen", ruft er. "Und, was sagt uns das?", fragt er, bevor er eine dramatische Pause einlegt. "Nichts!" Gelächter unter den etwa Hundert Zuschauern aller Altersklassen, die sich an diesem Freitagabend bis in den Türrahmen drängen und den raren Sauerstoff miteinander teilen.

Krone ist einer von vier Nachwuchswissenschaftlern, die vor Bier und Bionade trinkendem Publikum ihre Abschlussarbeiten vorstellen – einfach so. Zu gewinnen gibt es nichts, außer ein wenig Aufmerksamkeit, vielleicht Ruhm und einem guten Abend.

Zwei Bachelor-Arbeiten sind unter den vorgestellten Werken, und zwei Promotionen. Die eine, über Medizinpatente, ist bereits vollendet, von der zweiten weiß man es nicht so genau. Kandidat Robert behauptet, über Hanf als Heilmittel zu arbeiten und ergeht sich dann in Publikumsbeschimpfungen. Dass ihm hier niemand eine Zigarette spendiert, findet er doof. Dass er noch immer keinen Doktorvater gefunden hat, auch.

Doch auch er darf zehn Minuten reden, auch wenn er nicht weiß, was er sagen soll. Dann klingelt eine Eieruhr, und eine zuvor aus dem Publikum rekrutierte fünfköpfige Jury vergibt Punkte. Fünf sind es für Robert, von 40 möglichen.

Das Vorbild der Veranstaltung sind die Poetry Slams, bei denen in Kneipen Nachwuchsliteraten gegeneinander antreten und um die Gunst des Publikums buhlen. Beim Science Slam geht es nicht nur um die Schlüssigkeit von Thesen und die wissenschaftliche Haltbarkeit, sondern auch um die Performance. Hilfsmittel sind erlaubt.

Und so huscht der 25-jährige Volkswirt Sebastian Buschmann während seines Vortrages über nachhaltigen Fischfang in Island wie ein DJ hin und her zwischen seinem Laptop, mit dem er Musik einspielt und dem Overhead-Projektor, auf dem er parallel Folien auflegt und Diagramme zeichnet. Dafür gibt es 24 Punkte.