Netzkultur Musik aus der WolkeSeite 2/2

Und schließlich gibt es sogar in der freien Welt von Spotify die unsäglichen Ländergrenzen, die die Musikindustrie auf dem digitalen Markt behauptet: Das Angebot ist für deutsche Benutzer nicht unbedingt dasselbe wie für britische. Überhaupt ist das Angebot sehr vom Aufenthaltsort des Benutzers abhängig. Der kostenlose Zugang ist bisher nur in Großbritannien verfügbar, in Schweden, Norwegen, Finnland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden kommt man lediglich per Einladung rein. In Deutschland gibt es nur den kostenpflichtigen Premium-Zugang.

Diese rigide Zugangsbegrenzung hat einen ökonomischen Hintergrund: Erst kürzlich machten ähnliche werbefinanzierte Angebote wie Sprialfrog oder Ruckus Pleite, obwohl sie bis zu zwei Millionen Benutzer verzeichneten. Hohe Benutzerzahlen treiben jedoch die Serverkosten und Lizenzgebühren in die Höhe, die in einem schwächelnden Anzeigenmarkt nicht mehr ausgeglichen werden können. Spotify hingegen wünscht sich ganz offensichtlich ein kontrolliertes Wachstum.

Man könnte nun, trotz der ganzen Aufregung, die Spotify zurzeit in vielen Musikblogs auslöst, berechtigterweise fragen, was denn der große Unterschied zu etablierten Internetradiostationen wie Last.fm sein soll. Auch dort können die Benutzer personalisierte Konten mit ihrer Lieblingsmusik anlegen, die Musikauswahl ist auf Last.fm sogar größer.

Die beiden Dienste sind sich in ihrem Angebot tatsächlich sehr ähnlich, die Stoßrichtung von Spotify ist jedoch eine ganz andere. Soziale Netzwerk-Möglichkeiten wie auf Last.fm gibt es bei Spotify nicht, nur die Playlists können unter den Benutzern getauscht und gemeinsam erstellt werden. Spotify zielt vielmehr auf das persönliche, private Hören und ist damit dem Phänomen des Cloud Computing näher als dem Internetradio. Unter Cloud Computing versteht man das Verlegen von wichtigen Anwendungen, wie etwa der Textverarbeitung, vom heimischen PC in die "Wolke" des Internets.

Ganz so revolutionär, wie es sich zuerst anhört, ist Spotify also nicht. Aber es ist Vorbote eines Paradigmenwechsels, denn falls das Modell Schule macht, würde aus der privaten Musiksammlung dereinst ein Medium wie etwa das Fernsehen: Die Inhalte gibt’s gratis auf das Empfangsgerät, die Sender verdienen ihr Geld mit Werbung. Und wer keine Reklame haben will, muss Gebühren zahlen. Im aussichtslosen Kampf gegen die Musikpiraterie wäre das eine Lösung, die Benutzer wie Produzenten zufrieden stellen könnte.

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Leser-Kommentare
  1. sind Wörter wie "Raubkopieproblem".

    "Raub ist nach deutschem Strafrecht die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt"(Wikiped.) -- und wie Gewaltanwendung im Netz funktionieren soll!

    Es ist eine Sache, Geschäftsmodelle der Medienverwertungsindustrie zu propagieren und eine andere, einen journalistischen Bericht zu schreiben.

    Lernen Sie doch einfach einen neuen Begriff: Allmende
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    • chirp
    • 19.05.2009 um 21:06 Uhr
    2. ...

    ...wenigstens in GB laeuft Spotify exzellent, keine Werbespots, grenzenlose Nutzung: Viel gute klassische Musik (und wohl auch anderes).
    Hoffen wir, dass das auf Deutschland ausgeweitet wird!

    • CM
    • 19.05.2009 um 21:22 Uhr

    Eine Menge Musiker, mehr oder weniger begabt, stellt Musik gratis ins Web, wem's gefällt, der kann seine Lieblinge sponsern.

    Hier zu finden: http://www.jamendo.com/

    • Katana
    • 19.05.2009 um 21:34 Uhr

    Sorry lieber Herr Hung , aber das war jetzt ein wenig oberflächlich .

    Wenn sie hier etwas zur Debatte stellen , was nach ihren Worten den Besitz von Musik ersetzen soll , dann wären ein paar wenige Worte zur gebotenen Audio Qualität das Mindeste gewesen .
    Sollte die nämlich auf ähnlichem Niveau wie bei last-fm.de liegen , dann kann man über ihre Ausführungen nur müde grinsen und ihnen empfehlen sich erstmal eine vernünftige Anlage zu besorgen .

    Spätestens dann kommen die Angebote nicht über den Status von Testseiten zum anfüttern hinaus , da klingt ja UKW Radio teilweise besser .

    MfG Katana

    • ben_
    • 19.05.2009 um 21:36 Uhr

    Defakto liefert Last.fm auch schon eine sehr große Menge Songs völlig legal. Obendrein arbeitet Last.fm seit Jahren kontinuierlich daran, zur umfassendsten Anlaufstelle im Netz für alles rund um Musik zu werden: Audioscrobbling, Social Network, Band-Biograpie und Diskographie, Konzert-Feeds, und und und.

    --
    der geist in der maschine

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also vielleicht nutze ich Last.fm ja falsch, aber mir erscheint es immer sehr umstaendlich, wenn ich eine Reihe bestimmter songs hoeren will, und keine Zufallsauswahl nach irgendeiner Stilrichtung.

    Sobald ich naemlich einen bestimmten track hoeren will, werde ich immer zu iTunes weitergelinkt und soll ihn kaufen.

    Last.Fm funktioniert fuer mich eher wie ein Radio, auf dem man eben bestimmte "Sender" (Stilrichtungen) anwaehlen kann.

    Das Hoeren einer selbst zusammengestellten Playliste ist aber etwas ganz anderes...

    Also vielleicht nutze ich Last.fm ja falsch, aber mir erscheint es immer sehr umstaendlich, wenn ich eine Reihe bestimmter songs hoeren will, und keine Zufallsauswahl nach irgendeiner Stilrichtung.

    Sobald ich naemlich einen bestimmten track hoeren will, werde ich immer zu iTunes weitergelinkt und soll ihn kaufen.

    Last.Fm funktioniert fuer mich eher wie ein Radio, auf dem man eben bestimmte "Sender" (Stilrichtungen) anwaehlen kann.

    Das Hoeren einer selbst zusammengestellten Playliste ist aber etwas ganz anderes...

    • Maxime
    • 19.05.2009 um 22:12 Uhr

    Hier jenseits des Rheisn benutzen wir schon Längst http://www.deezer.com/ oder http://www.musicme.com/ wo man sich Alben oder einzelne Titel völlig ohne Werbung anhören kann. Und beide Seiten sind auch deutschsprachig.

    • Fokko
    • 19.05.2009 um 22:19 Uhr

    Gute Idee. Nachts mit ausgeschalteten Boxen dudeln lassen, digital mitschneiden, Songs extrahieren und einzeln abspeichern. Lässt sich alles automatisieren. Und dann ohne Werbegenerve für lau von der eigenen Festplatte Musik hören.

    Fokko
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    Selbstversorger-Blog
    Fantasy-Blog

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es geht doch gerade darum, die Festplatte NICHT noch mehr zu belasten.

    Es geht doch gerade darum, die Festplatte NICHT noch mehr zu belasten.

  2. Also vielleicht nutze ich Last.fm ja falsch, aber mir erscheint es immer sehr umstaendlich, wenn ich eine Reihe bestimmter songs hoeren will, und keine Zufallsauswahl nach irgendeiner Stilrichtung.

    Sobald ich naemlich einen bestimmten track hoeren will, werde ich immer zu iTunes weitergelinkt und soll ihn kaufen.

    Last.Fm funktioniert fuer mich eher wie ein Radio, auf dem man eben bestimmte "Sender" (Stilrichtungen) anwaehlen kann.

    Das Hoeren einer selbst zusammengestellten Playliste ist aber etwas ganz anderes...

    Antwort auf "Last.fm"

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