Tausende Mitarbeiter von Kindertagesstätten und anderen Sozialeinrichtungen wie Sozial- und Jugendämter streiken ab Freitag. Schwerpunkte sind zunächst die Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen. Besonders betroffen sind Dortmund, Duisburg, Mainz, Kiel und Kassel. Ab Montag werden die Aktionen dann auf Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und das Saarland ausgeweitet.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wollen für 220.000 Erzieher und Sozialarbeiter der Kommunen einen tariflich geregelten Gesundheitsschutz erkämpfen. Sie fordern die Abschaffung "krankmachender Arbeitsbedingungen" und den Anspruch der Beschäftigten auf die Ermittlung von Gefahren am Arbeitsplatz.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) warf den Gewerkschaften vor, Streik bereits als erstes Mittel einzusetzen. Sie sollten auf Aktionen zulasten von Kindern und Eltern zumindest bis zum 27. Mai verzichten. Dann will sich die VKA nach Gremienberatungen zum Thema äußern. "Die Arbeitgeber haben zu keinem Zeitpunkt erklärt, über den Gesundheitsschutz nicht verhandeln zu wollen", sagte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann. Die plötzliche Eile von Ver.di und GEW sei nicht nachvollziehbar.

Bereits am 6. Mai hatten sich knapp 20.000 Erzieher und Sozialarbeiter kommunaler Einrichtungen an Warnstreiks für einen gesonderten Gesundheits-Tarifvertrag beteiligt. Ver.di hatte die Verhandlungen über einen solchen Vertrag Ende April für gescheitert erklärt. Anschließend haben sich nach ver.di-Angaben 89,9 Prozent der Bediensteten der Sozial- und Erziehungsdienste für einen unbefristeten Ausstand gestimmt. Am kommenden Dienstag soll in Frankfurt eine Großkundgebung stattfinden. 

Nach Angaben der Gewerkschaft zeigen die betroffenen Eltern großes Verständnis für die Forderungen und helfen damit, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Mit Briefen wurden sie auf die drohenden Schließungen der Kitas vorbereitet. Für Kinder ohne andere Unterbringungsmöglichkeit soll es Noteinrichtungen geben. "Es bleibt kein Kind unbetreut vor der Türe stehen", sagte der ver.di-Tarifexperte Norbert Flach.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge besuchen rund 2,25 Millionen Kinder in Deutschland Tageseinrichtungen. Bundesweit gibt es knapp 50.000 Kitas, davon 17.000 in kommunaler Trägerschaft. Nach Gewerkschaftsangaben können sich nur 26 Prozent der Erzieher und 58 Prozent der Sozialarbeiter vorstellen, bei den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen. Die Beschäftigten wollten sich nicht länger von den Arbeitgebern hinhalten lassen, sagte ver.di-Bundesvorstand Achim Meerkamp.