Das sind die Aufreger des Abschlussberichts über Doping an der Freiburger Uniklinik: Erstens wurden die Radprofis des Teams Telekom (von 2004 bis 2007 T-Mobile) seit 1995 systematisch gedopt. Zweitens haben Andreas Klöden und Matthias Kessler 2006 Eigenblutdoping betrieben. Drittens hat Teamarzt Andreas Schmid Patrick Sinkewitz in Lebensgefahr gebracht. Beweise für die Verwicklung weiterer Ärzte, des Sponsors, anderer Sportarten oder der Klinikleitung gibt es nicht. Das liegt aber nicht an den drei untersuchenden Kommissionsmitgliedern. Denn sie waren auf die freiwillige Mitarbeit von Zeugen und Klinik angewiesen.

Der Kommissionsvorsitzende und ehemalige Richter Hans Joachim Schäfer weiß, dass sein Bericht auch nach zwei Jahren Arbeit längst nicht alle Fragen zum systematischen Freiburger Doping beantwortet. Dank der Untersuchung dürften aber zumindest die Fahrer Klöden und Kessler sowie die Ärzte Schmid und Heinrich ernste Probleme bekommen. Klöden und Kessler sportrechtlich, Schmid und Heinrich mit ihrer bisher noch immer nicht entzogenen Approbation.

Schmid wird von Schäfer ein "ganz, ganz grober Verstoß" gegen die Regeln des Transfusionsgesetzes vorgeworfen. Als Sinkewitz im Juli 2006 während der Tour de France von Schmid zwei halbe Liter Blut infundiert bekam, klumpte das Blut in beiden Beuteln. Dennoch habe Schmid seinen Kunden ohne Überwachung zurück zur Tour geschickt. "Damit nahm Professor Schmid billigend in Kauf, dass der Radrennfahrer dem Risiko schwerster Komplikationen (…) mit tödlichem Ausgang ausgesetzt wurde", schreibt die Kommission.

Obwohl Schäfer bestätigt, dass bei T-Mobile von 1995 bis 2006 systematisch gedopt wurde, will er sich neben dem geständigen Sinkewitz lediglich bei Klöden und Kessler definitiv auf Manipulationen im nicht verjährten Zeitraum festlegen. Allerdings: Wer den Bericht aufmerksam liest, kann sich einen Reim auf weitere Vergehen machen. Ein Beispiel: 2006 analysierte die Freiburger Sportmedizin an einem Tag während der Tour de France sieben anonymisierte Blutproben, die angeblich teilweise von Betreuern stammten. Die Werte deuten jedoch auf Blutdoping hin, was bei Betreuern wenig Sinn hätte. Sieben verdächtige Proben bei einem damals nur noch sieben Fahrer starken Team – der Schluss liegt nahe.